ÖSV-Damen: Schwächste Abfahrt seit 24 Jahren

Von APA
Mittwoch, 21.02.2018 | 07:40 Uhr
Stephanie Venier
© GEPA
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Nach zwei Rennen mit Medaillen haben Österreichs hoffnungsfrohe Alpinski-Damen bei Olympia am Mittwoch in der Abfahrt eine Schlappe erlitten. Ramona Siebenhofer als Beste auf Platz zehn bedeutete das schlechteste Abfahrts-Ergebnis seit 24 Jahren. Damenchef Jürgen Kriechbaum war sichtlich enttäuscht. "Die Trainingsleistung war eindeutig besser. Sie haben es heute nicht auf den Punkt gebracht."

Dabei war man sogar mit leisen Medaillen-Hoffnungen ins Rennen gegangen, nachdem Stephanie Venier und Siebenhofer im Training stark gefahren waren und zwei der drei Trainingsläufe sogar gewonnen hatten. Die vierte und vorletzte Einzel-Entscheidung bei den Alpin-Damen begann dann für Österreich aber denkbar schlecht, nämlich einem gefährlichen Verschneider der mit Nummer eins fahrenden Cornelia Hütter beim Zielsprung.

"Ich bin froh, heil im Ziel zu sein", gestand die Steirerin, die nach ihrem Malheur nur 13. wurde. "Dieses Pizzastück hätte ich mir für den Kinderkurs sparen können", sagte Hütter, deren Skispitzen sich auf dem aggressiven Schnee bei 100 km/h gefährlich zu einem Pflug verfangen hatten.

Die Lake-Louise-Siegerin hatte nicht an der internen Qualifikation teilnehmen müssen, kam aber vom ersten Tag weg mit der Olympia-Strecke in Jeongseon nicht zurecht. "Ich habe zwar richtig gut angefangen, mich dann aber nicht gut eingefädelt in den Schlauch und ab da war ich immer hinten nach", schilderte die 25-Jährige ihre Fahrt und erklärte: "Hier brauchst du extremes Feingefühl, sonst reißt es dir die Zehntel runter."

"Definitiv unter Wert geschlagen"

Am Tag X müsse es eben von oben bis unten rascheln, betonte die Steirerin. "Wir sind definitiv unter Wert geschlagen worden, das tut weh." Sie müsse das nun akzeptieren. "Aber nur für heute, nicht für die Zukunft. Sowas tut im Herzen weh, ich lasse mir meinen Kampfgeist nicht brechen", betonte Hütter. Der Winter möge so enden, "wie er angefangen hat."

Siebenhofer war als Gefühlsfahrerin sogar als Geheimfavoritin gehandelt worden, doch der Steirerin spielten wieder einmal die Nerven einen Streich. "Es hat schon am Nachmittag angefangen." Bereits um zwei Uhr früh sei sie dann aufgewacht. "Das Herz schlug mir bis zum Hals und bis in die Zehen", erzählte sie. Am Start sei es dann aber wieder gegangen.

Trotzdem verdrehte es Siebenhofer gleich in der ersten Traverse. "Ich war nicht so locker und habe mir da gleich die Schneid abkaufen lassen. Ab dann wollte ich zu viel", vermutete sie. "Vielleicht", so Siebenhofer, "war die Erwartungshaltung doch zu groß." Aber die Welt drehe sich weiter. Für die Steirerin schon am Donnerstag in der Kombi. Siebenhofer: "Da sind die Uhren wieder auf null."

Schmidhofer rätselt

Beim historischen Abfahrts-Sieg von Sofia Goggia vor Ragnhild Mowinckel und Lindsey Vonn sah Venier das Ziel nicht. "Lieber so, als im Ziel und unzufrieden", zuckte die Tirolerin nach ihrem Sturz mit den Schultern. "Ich bin ein bissl frecher gefahren, mehr Schräglage und dann ging alles sehr schnell", erklärte die Abfahrts-Vize-Weltmeisterin. "Keine Chance, mich zu erfangen." Auch Venier startet in der Kombi. Ihr Motto: "Eine gute Abfahrt zeigen und den Slalom überleben."

Ein Rätsel war sich nach Platz zwölf Nicole Schmidhofer. "Ich war super drauf, gar nicht nervös und habe zuerst alles cool getroffen. Aber dann hat es plötzlich nicht mehr angeschoben, im Mittelteil ist nichts mehr weitergegangen", sagte die Super-G-Weltmeisterin. "Wenn ich fehlerlos unterwegs bin, ist's meistens Scheibe. Im Ziel ist mir richtig die Lade runter gefallen."

Kriechbaum geknickt

Auch Kriechbaum zeigte sich nach dem Olympia-Rennen mit nur 39 Starterinnen bei 38 Toren geknickt. "Nur Venier war gut am Weg. Eine Medaille wäre sich aber auch für sie nicht ausgegangen. Da hätte sie unten eine Bombe zünden müssen", lautete seine Analyse.

Der Damen-Rennsportleiter zeigte sich angesichts des insgesamt zweitschlechtesten Olympia-Ergebnisses nach Lillehammer 1994 (Spiele nach Tod von Ulrike Maier) riesig enttäuscht. "Es zipft mich volle an. Wir sind da, um bei Rennen das Beste zu zeigen. Manchmal gelingt's, manchmal nicht. Es ist ärgerlich, wenn das ausgerechnet bei Olympia passiert. Deshalb bin ich recht unzufrieden", gestand der gebürtige Oberösterreicher.

Feingefühl hat gefehlt

Natürlich würde das Riesenthema Olympia eine Rolle spielen, so Kriechbaum. "Wir haben aber ganz klar besprochen gehabt, dass wir in der Angreiferposition sind und nicht die Gejagten. Das hätte es eigentlich leichter machen sollen. Es haben viele schon gezeigt, dass sie bei Spielen über sich hinauswachsen können. Uns ist das heute nicht gelungen."

Er könne seinen Damen den Willen natürlich nicht absprechen, so Kriechbaum. "Aber der Fokus hätte heute nicht nur in Richtung Attacke sondern auch Feingefühl gehen müssen. Mowinckel hat das auch geschafft." Mit der auf Donnerstag vorverlegten Kombination bekommen die ÖSV-Damen noch einen Auftritt, man stellt mit Siebenhofer, Venier und Ricarda Haaser aber nur ein Außenseiter-Trio. "Favoritinnen sind die anderen", sagte Kriechbaum deshalb.

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