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22.04.2011 um 00:19 Uhr
Legends of Sport (13)
Testspiele sind klasse. Man kann probieren, auswechseln bis der Arzt kommt und der Trainer hat die Möglichkeit eintrainierte Spielzüge im Livemodus zu sehen. Aber was macht man, wenn man als Spieler auf dem Platz steht und plötzlich kommt der Trainer auf die Idee sich selbst einzuwechseln? Mit 48 Jahren! Und seinen Assistenztrainer gleich mit. Ich glaube, ich wäre verwirrt.
Zum Glück war es die Anfangszeit und kaum einer kannte den erfolgreichsten, noch amtierenden Trainer unserer Tage:

Sir Alexander Chapman Ferguson




Es war im dritten Jahr seiner Amtszeit als Trainer von Manchester United. gerade hatte er United sensationell auf den 2. Platz der Football League (seinerzeit oberste Liga im englischen System) geführt. Klingt normal, aber damals, 1988 war Manchester United ein Niemandsclub und immer Abstiegskandidat. Erfolgreich waren die ersten beiden Jahre nicht gerade. Ferguson übernahm den Club 86 auf dem vorletzten Platz und beendete die Saison auf Rang 11. Eine Platzierung die auch im 2. Jahr folgen sollte.

Aber im 3. Jahr nahm Ferguson die Transfergeschäfte selbst in die Hand. Er verpflichtete Spieler wie Steve Bruce, Viv Anderson, Brian McClair und Jim Leighton. Was folgte war die Sensation. Platz 2 hinter dem Rekordchampion Liverpool.

Mark Hughes wurde sein Assistent und zusammen rockten sie die Liga. Was wenige wissen, Ferguson war ein ganz passabler Spieler mit gutem Torriecher. Während seiner Karriere als Spieler erzielte er in 317 Spielen 117 Tore. Zum Vergleich, Wayne Rooney hat bei 279 Spielen 116 Tore.

Nun mag man argumentieren, dass die Vereine für die er spielte eher kleine Clubs in Schottland waren, aber man kann sich ja nicht aussuchen wo man geboren wird.

Als er seine aktive Laufbahn mit nur 32 beendete, gab es keine Ruhepause. Als Trainer von East Stirlingshire (second League) arbeitet er halbtags noch und verdiente vom Verein ganze 40 £ pro Woche. Witzig: Es gab zu dem Zeitpunkt nichtmal einen Torwart im Klub, Feldspieler wechselten sich ab.

Was sie aber bereits hatten war ein Ferguson der als Disziplinfreak bekannt wurde. Stürmer Bobby McCulley sagte einmal: "never been afraid of anyone before, but Ferguson was a frightening bastard from the start."

Nur ein Jahr später wechselte er zum Ligakonkurenten St. Mirren. 4 Jahre lang strukturierte er den Club um und begeisterte die Fans mit attraktivem Angriffsfussball. Sein Team hatte ein durchschnittsalter von 19, der Kapitän war 20 und die Zuschauerzahlen stiegen in der Zeit von rund 1000 auf 21.000 pro Spiel.

Und trotz dieser Erfolge, war es die einzige Station, bei der Ferguson jemals gefeuert wurde. Die Begründung: "Kindisch, unreif und ohne jegliche Trainerqualitäten"

Aber das störte den Maestro wenig. Hatte er doch ein Angebot von Aberdeen aus der 1. Liga. Nachdem er sich 2 Jahrelang damit rumschlug, dass ihn die älteren Spieler nicht respektierten, weil er als Trainer immernoch jünger war al sie selbst, legte er im 3. Jahr sein Meisterstück hin. Er legte eine Saison aufs Parket mit nur einer Niederlage, einem 5:0 Sieg über Rekordmeister Rangers und dem Meistertitel am Ende. Ferguson: "That was the achievement which united us. I finally had the players believing in me"

Das erstemal seit 16 Jahren, dass nicht Celtic oder Rangers am Ende oben standen. Das musste ein guter Trainer sein!

Auch bei Aberdeen hatte Sir Alex den Ruf eines Disziplinfanatikers. Sein Spieler John Hewitt bekam eine Geldstrafe aufgebrummt, weil er Ferguson auf dem Heimweg mit dem Auto überholte!

1983 dann qualifizierte man sich als Pokalsieger für den europäischen Wettbewerb. Ein Sieg gegen Bayern im Achtelfinale gab ihnen den Rückenwind den es braucht um das Finale zu erreichen. Dort schlug man Real Madrid mit 2:1 und holte den bis heute letzten internationalen Titel für einen Schottischen Club.

Plötzlich flogen die Angebote für Trainerposten wie Konfetti auf ihn ein. Arsenal, Spurs, Rangers und Newcastle wollten ihn, doch er blieb. Bis zum Saisonende. Als Manchester United ihren Trainer Ron Atkinson feuerten, nahm Ferguson die Chance wahr und wechselte nach England.

Wie schon gesagt, verliefen die ersten 3 Jahre gemischt und das sollte sich auch so schnell nicht ändern. Im 4. Jahr kam es Knüppeldick. Die hälfte des Teams war verletzt, man verlor 5:1 zu Hause gegen City und vom viel erhofften internationalen Geschäft war man weit weg. Aber Ferguson beeindruckte die Clubführung mit seinem Training- und Scoutingsystem und kam so um Haaresbreite um seine 2. Entlassung herum.

Doch 7 Niederlagen später sah es wieder anders aus. Das Halbfinalspiel im FA Cup gegen den amtierenden Meister Nottingham Forrest sollte zum Entscheidungsspiel werden. ManU gewann 1:0 und auch das Finale. Der Titel der Alex' Arsch rettete!

Ferguson versprach bessere Spieler zu verpflichten, doch die Namen sagten keinem etwas. Ein gewisser Ryan Giggs aus Wales, Torwart Peter Schmeichel aus der dänischen Liga und diesem arroganten Stürmer Eric Cantona vom Ligakonkurenten Leeds. Man ahnte schlimmes.

Doch mit der Neugründung der Premierleague 1992 begann der Erfolg von Sir Alex. Als erster Meister der PL, gefolgt vom Double setzte er den grundstein für eine Siegesserie von 11 Meistertiteln in 16 Jahren. Die 2 Championsleague Titel zwischendurch braucht man glaube ich nicht mehr zu erwähnen.



Mit heute 69 Jahren mag man denken, hat er vielleicht irgendwann genug. Aber weit gefehlt, Ferguson möchte noch viele Jahre drauflegen. "Retirement is for young people,I'm too old to retire. I would have nothing to do. As long as my health is good I will carry on. My family will make this decision."

Das einzige was sich nie geändert hat, ist seine Forderung nach absoluter Disziplin. Und das musste schon so mancher Superstar spüren. Cantona durfte genauso gehen wie van Nistelrooy und Roy Kean. Am besten beschrieb das David Beckham einst: "At United it depends on you, what you will learn. One thing you will learn for sure 'Don't Fuck around with Ferguson!'"

Kann man so stehen lassen.

Eine Wahre Legende seines Sports


Übersicht der Legends of Sport
Aufrufe: 6519 | Kommentare: 11 | Bewertungen: 18 | Erstellt:22.04.2011
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mrpink27
29.04.2011 | 20:15 Uhr
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mrpink27 : 
29.04.2011 | 20:15 Uhr
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mrpink27 : 
Nette Anekdote:
Als Liverpool vor Jahrzehnten noch das Powerhaus der Liga und mit Abstand Rekordmeister war, haben deren Fans die United Fans provoziert. Bei einer der ersten Meisterschaften unter Ferguson haben sie ein Plakat mit: "Kommt wieder wenn ihr 19 Titel habt!" hoch gehalten.
Als United den Rekord eingestellt hat, was haben die Fans gemacht? Natürlich ihr eigenes Schild: "Ihr habt gesagt wir sollen wiederkommen wenn wir 19 Titel haben. Wir sind wieder da!"
Es hat zwar weit über ein Jahrzehnt gebraucht aber sie - besser: Ferguson hat es geschafft. Liverpool hat seit dem Plakat keine nationale Meisterschaft gewonnen.

Andererseits muss man auch sagen, dass gerade Liverpool Ende der 70er und Anfang der 80er den europäischen Fußball dominiert hat.
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