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Von: Funghi
24.04.2014 | 2488 Aufrufe | 3 Kommentare | 0 Bewertungen Ø 0.0
FC Bayern München & Dallas Mavericks
Die letzte und die große Chance
Crunch-Time in der NBA ... und auch im Fußball

Zwei elektrisierende Sportarten, zwei Mega-Events, zweimal KO-Phase, zweimal Auswärtsspiel, zweimal gegen große Teams - EIN BLOG. Der FC Bayern München gastierte am Mittwoch im Estadio Bernabeu bei Real Madrid - die Dallas Mavericks spielten im AT&T Center in San Antonio. Halbfinale in der UEFA Champions League - Playoffs in der NBA. Eine Niederlage, ein Sieg - das nächste Spiel findet vor heimischen Publikum statt.

Als vor ein paar Wochen über die Chancen beider Mannschaften philosophiert wurde, war die Bilanz eindeutig. Real Madrid war das angeblich vorteilhafteste Los für die Münchner und die San Antonio Spurs der wahrscheinlich unangenehmste Konkurrent für Dallas. Wenn aber in den letzten beiden Tagen über die Chancen beider Teams diskutiert wurde - mit den Leistungen der Bayern aus der Bundesliga und dem Auftreten der Mavericks in Spiel eins als Grundlage - war der Triple-Sieger nicht mehr der große Favorit; Dirk Nowitzki & Co. schienen jedoch für eine Überraschung gut zu sein.

Real Madrid - FC Bayern München

Die taktische Einstellung der Madrilenen, die normalerweise für berauschenden Offensivfußball stehen, zeigte, dass deren Spiel nur auf schnelles Umschalten und Konter beruhen sollte. Im Angriff bevorzugten die Königlichen die linke Seite, zum einen weil sich dort das Herrschaftsgebiet ihres Weltfußballers befindet und zum anderen weil Rafinha nicht Lahm ist. Wenn eine Mannschaft mit dem Namen Real Madrid, vor 80.000 Fans derart defensiv auftritt, wirkt das auf den ersten Blick enttäuschend. Wird nach 90 Minuten das Resultat betrachtet, verdient sich der spanische Rekordmeister, zu Recht, großes Lob, weil sie es schafften, sich dem Gegner anzupassen und ihre eigenen Stärken im richtigen Moment auszuspielen. Der deutsche Rekordmeister überzeugte, wie gewohnt mit viel Ballbesitz (80%:20% in den ersten 45 Minuten), nahm die Partie selbst in die Hand, scheiterte aber beim letzten Pass und somit beim Erspielen von hochkarätigen Torchancen. Der aktivste Münchner, der es immer wieder versuchte, war Arjen Robben, doch die Königlichen verstanden es ausgesprochen gut ihn zu doppeln. Wie schon in der Liga fehlte es den Roten von der Isar an Inspiration, an Einfallsreichtum, an der nötigen Schnelligkeit an der letzten Konsequenz und deshalb auch an Torgefahr. Für Gegner wie Braunschweig, bei allem Respekt, reicht diese Art Fußball, gegen Clubs wie Dortmund, Manchester (bis auf die letzte halbe Stunde des Rückspiels) und Real Madrid eben nicht. Die Mannen von Carlo Ancelotti wussten, dass sie den Bayern mit kompakter Defensive und einem schnellen Gegenzug wehtun können; sie setzten es erfolgreich um: das 1:0, ein mustergültiges Beispiel eines perfekt zu Ende gespielten Konters. Mit drei weiteren dicken Möglichkeiten durch Ronaldo und di Maria hätte die Führung durchaus höher ausfallen können. Dem FCB gelang es im Angriff nicht, entscheidende Akzente zu setzen und das so wichtige Auswärtstor zu erzielen. Um dennoch in das Finale in Lissabon einzuziehen, benötigt der Titelverteidiger in der Allianz Arena einen Sieg mit zwei Toren Differenz. Dortmund hat es vorgemacht, wie Real überrannt werden kann - der Traum vom vierten Endspiel im fünften Jahr lebt also weiter. Nur: mit einem ähnlichen Auftritt, mit ähnlich viel Ballbesitz, mit ähnlich wenig Kreativität und Durchschlagskraft ist das Ziel in großer Gefahr. Was muss also besser werden?

Vor zwei Jahren wurde Bayern von Dortmund im Pokalfinale mit Kontern vorgeführt - Jupp Heynckes perfektionierte daraufhin das Abwehrverhalten und das eigene Umschaltspiel. Gegen den FC Barcelona im letztjährigen Halbfinale zelebrierten die Münchner genau das. Am Dienstag, wenn es in Fröttmaning zum Rückspiel kommt, muss Bayern eine ähnliche Mentalität an den Tag legen, wie es in der Vorsaison der Fall war. Schön spielen, die B-Note quasi, zählt jetzt nicht mehr - Tore sind gefragt. Muss Guardiola also ein wenig über seinen Schatten springen? Muss er vielleicht sogar auf die Erfolgsformel seines Vorgängers zurückgreifen und die Doppelsechs mit Martinez und Schweinsteiger reaktivieren? Denn der FC Bayern ist nicht der FC Barcelona. Sie verfügen nicht über Lionel Messi, sondern über die wahrscheinlich beste Flügelzange der Welt. Im Hinspiel starteten im Zentrum neben Schweinsteiger auch Lahm und Kroos - drei Fußballer mit der Veranlagung die Bälle verteilen zu wollen. Ist das aber nicht zu viel des Guten und zu wenig für Tore? Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei!

Martinez, der dem gegnerischen Spielaufbau den ersten Zahn zog, war im Finale gegen Dortmund neben Robben der Mann des Abends. Der Spanier sorgte nicht nur für den Rückhalt, sondern überlies Schweinsteiger zugleich den Aufbau des Spiels - ein Stratege reicht. Lahm, als Rechtsverteidiger, gegen Ronaldo ist sowohl vom Match-Up als auch im Rückwärtsgang kein Fehler. Müller, auf der Zehn bzw. als hängende Spitze hinter Mandzukic, öffnet den Außenspielern die Räume, welche sie so dringend brauchen. Wenn Ribery diese bekommt, versprüht er auch wieder Spaß an der Sache und kann dann auch wieder in Kombination mit Alaba unvergleichlich in den Strafraum ziehen. Nur dann ist die normal so gefürchtete Flügelzange auch wieder gefürchtet. Muss das Rückspiel nicht wieder so gestalten werden? Zumal dem spanischen Rekordmeister, mit einem fitten Bale und einem noch fitteren Ronaldo, auch in München ein Treffer zugetraut werden darf. In diesem Fall hieße es dann schon: drei Tore müssen her. Das 0:1 gehört zwar nicht in die Kategorie Wunschergebnis, aber Aussichtslosigkeit sieht ebenfalls anders aus. Jetzt ist der Star-Trainer gefragt - und dahingehend darf auch die nicht unberechtigte Frage gestellt werden: "Ist die Heynckes-Taktik Bayerns letzte Chance?"

In der NBA ist es ein ähnlich pikantes Duell - Stand jetzt mit umgekehrten Vorzeichen.

San Antonio Spurs - Dallas Mavericks

---"what a huge game"---"the mavs are back"---"the series is tied"---

Schon in Game 1 hatte das Team von Dirk Nowitzki die Chance auf den Sieg, doch sie gaben einen zehn-Punkte-Vorsprung aus der Hand. Das zweite Auswärtsspiel sollte damit zeigen, ob der Eindruck aus den ersten 48 Minuten nur ein Eindruck war, oder vielleicht doch der Anfang einer Sensation. Wieder gerieten sie in der Anfangsphase in Rückstand, weil die Spurs hochprozentig aus dem Feld schossen, doch das Defensivmuster von Rick Carlisle bewahrte sich als hervorragend. Sie provozierten bei den Hausherren Turnover über Turnover und wandelten diese in überdurchschnittlich viele eigene Punkte um. Die befürchteten Scharfschützen der an Eins gesetzten fanden am Mittwoch mehr freie Würfe als noch in Spiel eins, doch die beiden Top-Stars Parker und Duncan blieben dieses Mal blass, weil Dallas den Weg in den Post zustellte und somit die Leitfiguren nicht erneut nach belieben zum Korberfolg kommen ließen. Kaum zu glauben, wie selbstbewusst die Mavericks nach zehn Pleiten gegen San Antonio en suite, auftraten und wie konzentriert sie das gesamte Match, vor allem in der Defensive, zu Werke gingen. Die Spurs trafen beachtliche 50 % ihrer Würfe und ebenso 50 % von Downtown - starke Zahlen, welche in den meisten Fällen auch für einen Sieg reichen. Ungewohnte Schwächen zeigten sie indes von der Freiwurflinie (18/29) und bei den angesprochenen Turnovern (24). Auch wenn von diesen Ballverlusten einige vermeidbar gewesen wären und San Antonio die Hälfte ihrer Würfe traf, machte Dallas einen super Job in der Verteidigung, wenn nicht sogar das bisher beste Spiel. Denn ein Sieg in der Halle des Topgesetzten mit 21 Punkten unterschied ist nahezu phänomenal.

Wie auch schon in Game 1, hatte Dallas' zweite Garde einen gehörigen Anteil am Erfolg. Angeführt von Devin Harris (18 Punkte) stellten sie die so hochgelobte Bank der Spurs - bis auf den wiederholt starken Ginobili - über weite Strecken des Spiels in den Schatten.

Für das dritte Spiel, das nun im American Airlines Center stattfindet, wurden die Karten also neu gemischt. Es ist schon erstaunlich, wie Rick Carlisle es fertig bringt, aus jedem einzelnen des Teams für die Post-Season das Maximum heraus zu kitzeln. Dirk Nowitzki, fand nach einem für ihn enttäuschenden Auftritt, nach der Pause besser in die Partie. Er könnte sich, wie so oft, als der entscheidende Faktor dieser Serie bewahrheiten, sollte er im weiteren Verlauf zu seiner üblichen Form finden. Denn ein Gleichstand nach zwei Auswärtsspielen bei den Spurs, ohne den famosen Einfluss des Deutschen, ist bemerkenswert. In knappen, umkämpften Spielen, die den Sieger in der Crunch-Time finden, ist The German Wunderkind nicht zu ersetzen.

Niemand hatte die an Acht gesetzten Texaner auf der Rechnung - niemand. Seit der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (MEZ) steht es 1:1 und der Heimvorteil fand einen neuen Besitzer. Wenn also die Disziplin in der Mannschaft weiter so ausgesprochen hoch bleibt, in der Defensive die Konzentration jedes Mal aufs Neue voll ausgeschöpft werden kann und die Leistung von Dirkules noch ansteigt, dann haben die Dallas Mavericks eine realistische Möglichkeit in die nächste Runde einzuziehen. Zugegebener Maßen dürfen die Fähigkeiten eines Tony Parkers und eines Tim Duncans nicht unter den Tisch gekehrt werden, denn sie verfügen zu jederzeit über die Skills, ein Spiel im Alleingang bzw. im Duett zu entscheiden. Wenn der Franzose beim Zug zum Korb weiter so gestoppt werden kann, wie in Game 2, und er sich damit auf seinen Jumper verlassen muss, um zu punkten, dann wird es jedoch auch für ihn schwierig.

Am Samstagabend, um 22.30 Uhr, darf also gespannt in den AAC geblickt werden, wenn der nächste Schlagabtausch zum Tip-off bereitsteht. In den NBA-Playoffs ist ein einzelner Sieg wenig Wert - so scheint es. Mit dem gewonnenen Heimrecht und dem Momentum auf Seiten der Mavs darf der Sieg in San Antonio trotzdem als sehr essentiell für die kommenden Aufgaben betrachtet werden. Wenn also die Turnoverrate bei den Mavs weiterhin derart gering bleibt und auf der anderen Seite des Courts weiterhin Ballverluste provoziert werden können, dann haben die Dallas Mavericks, vielleicht gerade jetzt, mit ihrer Defensivausrichtung und der ohnehin rundlaufenden Offense die große Chance der Serie ihren Stempel aufzudrücken.

Dem Volksmund nach gewinnt die Offensive Spiele, die Defensive jedoch Meisterschaften. Real und Dallas waren bis dato für ihre offensive Ausrichtung bekannt, konnten sich aber in der Stunde der Wahrheit auf die Verteidigung fokussieren. Bayern hat es im letzten Jahr eigentlich bewiesen, wie es funktioniert - nur EIN Gegentor vom Viertelfinale bis inklusive Finale - und würden insbesondere am Dienstag mit einem zu Null, ihre Chance drastisch erhöhen.

Die "deutschen" Teams (Dallas wegen Nowitzki) stehen vor der Möglichkeit etwas Fantastisches zu erreichen. Unerwartet ist vielleicht nur die unterschiedliche Ausgangslage, die Chancenverteilung. Die Bayern müssen dem Druck stand halten, für sie ist es die LETZTE CHANCE - Dallas kann befreit aufspielen, für die Mavs ist es definitiv die GROSSE CHANCE.

KOMMENTARE
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Funghi
24.04.2014 | 22:55 Uhr
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Funghi : 
24.04.2014 | 22:55 Uhr
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Funghi : 
Dass die Kombi aus Fußball und NBA in einem Blog gewagt ist, dessen bin ich mir bewusst. Einen Versuch ist es Wert, zumal sich einige Parallelen ziehen lassen und es sich beide Male um polarisierende Ereignisse handelt.
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Ragnar_Lothbrok
28.04.2014 | 00:45 Uhr
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28.04.2014 | 00:45 Uhr
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Guter Blog, der schön die verbindende Stimmung aufgreift. Die Überschrift ist vielleicht nicht so passenden nach den Erfolgen der beiden Teams (11&13).
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Funghi
29.04.2014 | 14:44 Uhr
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Funghi : 
29.04.2014 | 14:44 Uhr
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Funghi : 
danke schön

Bei der Überschrift gings mir darum, die Chancen dieser Saison darzustellen. Für Bayern wäre, nach diesem Saisonverlauf, alles andere als ein Einzug ins Finale enttäuschend - für Dallas hingegen wäre, alles andere als ein Erstrundenaus, ein großer Erfolg.

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