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Von: J1995
08.02.2021 | 312 Aufrufe | 2 Kommentare | 2 Bewertungen Ø 10.0
Özil, Kane & Co.
Auswahlspieler mit fremden Wurzeln
In diesem Blog geht es um Nationalspieler, dessen familiäre Wurzeln in einem anderen Land liegen.

Es ist für jeden eine Ehre, im Fußball sein Heimatland zu vertreten. Wer wünscht sich denn nicht, vor vielen Zuschauern ins Stadion einzulaufen und dann die Nationalhymne zu singen? Ich denke, jeder wünscht sich, für die Nationalmannschaft seines Landes zu spielen. Um Nationalspieler zu sein, reicht es aus, die betreffende Staatsbürgerschaft zu besitzen und vom Nationaltrainer für gut genug befunden zu werden. Und da ist das Stichwort gefallen: Staatsbürgerschaft! Man muss kein "Ureinwohner" sein, um für die Nationalmannschaft zu sein. Man kann auch, in unserem Fall, für Deutschland spielen, wenn ein Elternteil aus zum Beispiel Dänemark kommt, hauptsache man besitzt selbst die deutsche Staatbürgerschaft. Theoretisch ist es sogar möglich, für Deutschland zu spielen, wenn man, wie einst Cacau, bis zum 18. Lebensjahr nichts mit Deutschland zu tun hatte, dann nach Deutschland kam und nach einigen Jahren in der Bundesrepublik die deutsche Staatsangehörigkeit annahm. Wobei: Die Einbürgerung des ehemaligen Nürnberger und Stuttgarter Bundesligaprofis, der aus Brasilien stammt, hatte nichts mit der Nominierung für die Nationalmannschaft zu tun, sondern damit, dass er in Deutschland sich heimisch gefühlt hatte.

Das Thema dieses Blogs sind Nationalspieler, die ausländische Wurzeln haben. Die sind heutzutage Alltag, in manchen Ländern mehr, in manchen anderen Ländern widerum weniger. Die Nationalmannschaften der Niederlande, von Belgien, von Frankreich sowie von England haben mehrere Akteure, wo mindestens ein Elternteil aus einem anderen Land stammt. Beispielsweise kommt der Vater von Memphis Depay, dem Mittelstürmer von Olympique Lyon, aus Ghana. Die Eltern des Liverpooler zentralen Mittelfeldspielers Georginio Wijnaldum stammen aus Suriname, von seinem Vereinskollegen Virgil van Dijk der Vater. Was kaum einer weiß: Der Vater von Harry Kane, seines Zeichens Stürmer von den Tottenham Hotspurs, stammt aus Irland. Auch Marcus Rashford, Linksaußenstürmer von Manchester United, hat Wurzeln in einem fremden Land. Die Eltern stammen aus St. Kitts und Nevis, einem Inselstaat in der Karibik. In unserer Nationalmannschaft stehen Robin Gosens, Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan, Serge Gnabry, Jonathan Tah, Leroy Sané und Suat Serdar im Kader. Die Väter von Robin Gosens, Serge Gnabry, Jonathan Tah und Leroy Sané stammen aus den Niederlanden (Gosens), der Elfenbeinküste (Gnabry und Tah) oder dem Senegal (Sané), die Eltern von Ilkay Gündogan und Suat Serdar kommen aus der Türkei. Die Mutter von Antonio Rüdiger kommt aus Sierra Leone.

Dass diese Spieler für die deutsche Nationalmannschaft spielen, ist keine Selbstverständlichkeit. Bis um die Jahrtausendwende war die DFB-Auswahl überwiegend homogen zusammengesetzt. Die Frage ist: Warum? Woran lag es? An Top-Spielern mit ausländischen Wurzeln mangelte es nicht: Es gab die Kovac-Brüder Niko und Robert, deren Eltern Kroaten waren, Ivan Klasnic, der ebenfalls kroatische Wurzeln hatte, sowie unter anderem Yildiray Bastürk, dessen Familie aus der Türkei kamen. Sie alle liefen dann später für die Nationalmannschaften Kroatiens oder der Türkei auf. Schuld war die Tatsache, dass Anerkennung, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und dementsprechend folgte eine Integrationspolitik, die nicht optimal war. Die ersten Gastarbeiter waren bereits 1955 gekommen, 1973 folgte der Anwerbestopp, daraufhin kam es zu einem Familiennachzug. So lebten schon 1974 4 Millionen Menschen in Deutschland, die aus einem anderen Land eingewadert waren. Es gab dennoch in den folgenden Jahrzehnten keine Integrationspolitik mit einem Konzept, der auch wirklich ganzheitlich war. Anerkennung und gleichberechtigte Teilhabe von Einwanderern in wirklich wichtigen gesellschaftlichen Feldern? Fehlanzeige! Seit der Kaiserzeit gibt gab es im Staatsbürgerschaftsrecht das Blutsprinzip und die Einbürgerungspraxis war restriktiv, so dass sich Ausländer in rechtlicher Hinsicht nie wirklich integrieren konnten. Ein Ivan Klasnic oder ein Nuri Sahin wären in Frankreich Franzosen oder in England Engländer, in Deutschland blieben sie Ausländer. Zudem verfolgtefolgte der Deutsche Fußball-Bund eine eher nationalkonservative Traditionslinie.

Bereits in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre hatten viele Spieler in den Jugendmannschaften deutscher Klubs ausländische Wurzeln, die Jugendabteilungen wären ohne sie aufgeschmissen gewesen. 1998 ließ sich Gerhard Mayer-Vorfelder nach dem Ausscheiden Deutschlands im Viertelfinale bei der WM 1998 in Frankreich zu folgender Aussage hinreißen: "Hätten wir 1998 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest." Es dauerte nicht allzulang, da kam bei ihm ein Sinneswandel, da man die Vorteile einer Gesellschaft, die ethno-kulturell vielfältig ist, nutzen kann. Und schon bald bekam er Unterstützung von Ottmar Hitzeld, später auch von Berti Vogts. 2010 hatten, wenn man von Cacau absieht, 10 (!) Spieler einen ausländischen Elternteil oder kamen aus einer ausländischen Familie. Darunter auch Miroslav Klose und Lukas Podolski, die in Polen auf die Welt kamen, sowie Jerome Boateng, dessen Vater aus Ghana kommt, sowie Sami Khedira, der einen tunesischen Vater hat, und Mesut Özil, dessen Familie aus der Türkei stammt.

Die Frage, ob Mesut Özil das deutsche oder türkische Nationaltrikot überstreift, wurde Ende 2008 und Anfang 2009 kontrovers diskutiert. Der eingangs erwähnte Yildiray Bastürk sowie Ümit Davala, die Altintop-Zwillinge Hamit und Halil sowie Nuri Sahin wurden wie Özil in Deutschland geboren, entschieden sich allerdings für die Türkei. In einem Testspiel in Istanbul im Herbst 2005 zwischen der türkischen und der deutschen Elf setzte sich die Türkei mit 2:1 durch. Dabei erzielten ausgerechnet Halil Altintop und Nuri Sahin die Tore für die Türkei. Nuri Sahin hatte sich kurz zuvor entschieden, für die Türkei zu spielen und gab bei diesem Spiel sein Debüt. Seitdem folgte ein Wettstreit um türkischstämmige Talente zwischen dem DFB und dem türkischen Fußballverband (TFF).

Heute, 16 Jahre später, sind deutsche Nationalspieler, die familiäre Wurzeln im Ausland haben, Alltag. Wie sieht es in anderen Nationen aus? Nehmen wir mal das Beispiel Frankreich. Die französische Nationalmannschaft ist für seine Zusammensetzung aus Spielern mit arabischen und afrikanischen Wurzeln bekannt. Laut dem Historiker Pap Ndiaye hatte sich jede Migrationsweille in der französischen Elf ausgedrückt. In den 1950er-Jahren waren Nationalspieler mit polnischen und italienischen Wurzeln keine Seltenheit, in den 1970er-Jahren sowie in den ersten Jahren der 1980ern gab es auch Auswahlspieler mit portugiesischen und spanischen Wurzeln. In den 1990er-Jahren sowie in den 2000er-Jahren folgten dann die Spieler mit Wurzeln im Subsahara-Afrika. 1998 wurde Frankreich zum ersten Mal Weltmeister, bei der Endrunde im eigenen Land gewann die Equipe Tricolore im Finale mit 3:0 gegen Titelverteidiger Frankreich. Zinedine Zidane, dessen Familie aus Algerien kommt, schoss zwei Tore. Seine Mitspieler waren Lilian Thuram, der auf der französischen Überseeinsel Guadeloupe geboren wurde, der gebürtige Ghanaer Marcel Desailly oder Thierry Henry, der Wurzeln in Guadeloupe und Martinique hat.

So, das war mein langer Beitrag. Ich hoffe, der hat euch gefallen. Wünsche euch noch einen schönen Abend.

Quellen:

https://heimatkunde.boell.de/de/2006/06/18/nationalmannschaft-und-integration

https://www.zeit.de/kultur/2016-06/franzoesische-nationalmannschaft-frankreich-euro-postkolonialismus-afrika-diskriminierung?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.de%2F

KOMMENTARE
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riquelminho
MODERATOR
11.02.2021 | 14:02 Uhr
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11.02.2021 | 14:02 Uhr
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"1998 ließ sich Gerhard Mayer-Vorfelder nach dem Ausscheiden Deutschlands im Viertelfinale bei der WM 1998 in Frankreich zu folgender Aussage hinreißen: "Hätten wir 1998 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest." "

hat er das gesagt? krass
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Mops125
15.02.2021 | 19:15 Uhr
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Mops125 : 
15.02.2021 | 19:15 Uhr
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Mops125 : 
Ein sehr interessanter Blog über ein interessantes Thema.

Wenn du weitere Blogs schreiben solltest, was ich hoffe, fände ich es gut, wenn du Absatzüberschriften einbauen würdest.

Quellen würde ich ignorieren. Das wird hier keiner Prüfen.
Außer du willst explizit auf deine Quellen hinweisen.
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