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The Sound of Silence

Von Maurice Kneisel
Kevin Owens (l.) verteidigte seinen Titel nach Eingreifen von Chris Jericho gegen Seth Rollins

United States Champion Rusev vs. Roman Reigns

Sieger und neuer United States Champion: Roman Reigns nach dem Spear.

Der nächste Titelgewinn für Reigns, mit exakt dem Ergebnis, das die Verantwortlichen nicht haben wollten. Nachdem er bei seinen World-Title-Gewinnen (vom Royal Rumble-Sieg ganz zu schweigen) jedes Mal in Grund und Boden gebuht wurde, stellte man ihn gegen den ultimativen Heel, den Anti-Amerikaner, in der Hoffnung, die Stimmung so kippen zu können.

Man ließ Lana in das Match eingreifen, um Rusev zusätzliche Heat zu verpassen - doch am Ende war es doch wieder die ungeliebte Heat für Posterboy Reigns, die unüberhörbar war. Dies zeigt, dass die WWE das Grundproblem nach wie vor nicht erkannt hat: nämlich, dass das Publikum seit mittlerweile knapp zwei Jahren weniger gegen Roman, als gegen seine Darstellung und die zwanghaften Pushes protestiert.

Wir befinden uns nicht mehr in den 80ern/90ern, wo das böse Anti-US-Gimmick grundsätzlich verhasst ist. Rusev ist ein hervorragender Worker, der zudem am Mikro einen merklich besseren Job macht als Reigns - und doch wirkt es, als habe auch sein zweiter starker Midcard-Title-Run nur dazu gedient, einen nominellen Top-Face zu pushen. Die Fehde wird weitergehen, Rusev wird beim nächsten PPV erneut gegen Reigns verlieren, doch solange man dessen Gimmick nicht grundlegend verändert, wird sich an den Fanreaktionen überhaupt nichts ändern - zumindest nicht zum Positiven.

WWE Universal Champion Kevin Owens vs. Seth Rollins

Sieger und weiterhin WWE Universal Champion: Kevin Owens nach der Pop-Up Powerbomb.

Wie zu erwarten und bei einem Match mit einer Länge von ca. 30 Minuten typisch, hielt der Heel das Tempo zunächst niedrig, Owens als Headlock Master ist mit seinem Stil hierfür ohnehin prädestiniert. Zur Halbzeit zogen beide Männer merklich an, nachdem Rollins erwartungsgemäß besser in das Match kam.

KO zeigte unter anderem einen ebenso sehenswerten wie brutalen Super Gutbuster und warf sich wenig später per Running Senton durch ein unbesetztes Kommentatorenpult, was das Publikum endlich zu einem lauten Pop zwang. Das Problem dieses Matches - neben der generell schwachen Crowd in Indianapolis - war die Heel-/Face-Verteilung: Seth ist als Face nach wie vor nicht etabliert und fühlt sich deutlich mehr wie ein Heel an, der von einem anderen Heel (Triple H) hintergangen wurde.

Owens hingegen zieht für einen Heel überdurchschnittlich viele Pops. Den erwünschten Effekt, Rollins hier zum Top-Babyface zu turnen, konnte man definitiv (noch) nicht erzielen. Ob dies in einer zukünftigen Fehde gegen den extrem beliebten Triple H gelingen wird, ist ebenfalls äußerst fraglich. Rollins war, ob bei NXT oder schon zuvor bei Ring of Honor, stets stärker in der Heel- als in der Face-Rolle, da er den arroganten Bösewicht auch am Mikro deutlich besser verkörpern kann.

Entsprechend wird es spannend zu sehen, ob er in den kommenden Wochen und Monaten den Wandel schafft, oder ob man doch erkennen muss, dass Heel-Rollins die deutlich bessere Wahl ist. Gleichzeitig stellte man durch das wiederholte Eingreifen Jerichos sowie das Ausknocken des Referees einmal mehr Owens nicht stark dar.

Ähnlich wie Rollins während seiner Zeit als Authority-Champ wirkt der Heel-Champ häufig schwach, das extreme Over-Booking tat dem Gesamteindruck des bis dahin starken Matches ebenfalls nicht gut. Die Fehde wird mit Sicherheit weitergehen und man kann beiden Männern zuliebe nur hoffen, dass die Writer beim kommenden Hell in a Cell-Match einiges besser machen werden.

Fazit

Clash of Champions wurde den aufgrund der stark besetzten Card im Vorfeld gehegten hohen Erwartungen nicht gerecht. Es war ein wrestlerisch ordentlicher PPV, der aber auch in dieser Hinsicht hätte mehr bieten können. Das Cruiserweight-Match war stark, erhielt aber leider nicht so viel Zeit wie erhofft und Owens vs. Rollins litt unter dem extremen Over-Booking mit wiederholten Eingriffen durch Jericho sowie dem Referee-K.O. im letzten Drittel.

Hinzu kommt, dass die meisten Ergebnisse absolut voraussehbar waren, lediglich das Frauen-Match fühlte sich im Vorfeld völlig offen an. Die Verlängerung der Cesaro vs. Sheamus-Matchserie baut zwar Spannung auf, wirkt gleichzeitig aber auch extrem unbefriedigend und unnötig in die Länge gezogen.

Die schwache Crowd in Indianapolis tat schließlich das ihrige zu einem eher mauen Gesamteindruck. Clash of Champions war letztlich nichts anderes als ein Übergangs-Event, von dem schon in wenigen Wochen nichts mehr sonderlich in Erinnerung geblieben sein wird. Im direkten Vergleich der ersten Show-exklusiven Pay-per-Views konnte SmackDown mit dem starken Backlash deutlich punkten.

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