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NBA - Jayson Tatum macht den Sprung zum Superstar: Das beste Problem

Jayson Tatum hat mit seinem Sprung in dieser Saison auch LeBron James und die Los Angeles Lakers verblüfft.

Jayson Tatum hat sich innerhalb seiner dritten Saison zum kommenden Superstar entwickelt. Seine Verbesserung ist nicht nur beim Scoring zu sehen - nicht zuletzt deshalb hat sich das Potenzial der Boston Celtics nach oben verschoben.

Manchmal bedarf es externer Ereignisse, seien sie auch noch so trivial, um einen großen Entwicklungsschritt zu vollziehen. Bei der aktuellen Saison von Jayson Tatum lassen sich dafür zwei Beispiele finden, die zeitlich allerdings nah beieinander liegen. Man kann sich also seinen jeweiligen Favoriten aussuchen.

Am 30. Januar 2020 wurde der "damals" 21-Jährige (Tatums Geburtstag ist der 3. März) erstmals in seiner dreijährigen NBA-Karriere zum All-Star ernannt. StatMuse zufolge wurde in etwa zur selben Zeit sein bis dahin unvollständiger Bart zu einem legitimen Vollbart. Welche Ursache davon auch immer überwog: Irgendetwas hat in diesem Zeitraum Superkräfte freigesetzt.

Tatum spielte bis dahin bereits eine starke Saison, sonst wäre er nicht zum All-Star ernannt worden. Damals war es jedoch noch eine legitime Debatte, ob er oder Jaylen Brown den designierten "zweiten" Spot Bostons neben Kemba Walker einnehmen sollte. Das ist sie nach dem Februar nicht mehr, und Brown gebührt dabei kein Vorwurf.

Im Gegenteil, auch der Viertjahresprofi spielt weiter stark auf. Tatum allerdings hat anscheinend mitten in der Saison den Sprung zum Superstar geschafft. Oder, um es mit LeBron James zu sagen: Zum "Problem".

Jayson Tatum: Wie aus einem Videospiel

"Der Junge an meiner linken Seite ist ein ABSOLUTES PROBLEM! Mach' weiter so", adelte James den Forward bei Instagram, nachdem dieser bei einer 112:114-Niederlage in Los Angeles 41 Punkte aufgelegt hatte und dabei trotz der Präsenz von James und Anthony Davis über weite Strecken wie der beste Spieler auf dem Parkett aussah. James war weder der erste noch der letzte Spieler, der sich in den vergangenen Wochen beeindruckt zeigte.

Seine Statistiken aus dem Februar lesen sich wie aus einem Videospiel - gerade, wenn man sie mit der bisherigen Saison vergleicht. Während Walker zuletzt immer wieder fehlte, hat Tatum die Kontrolle über sein Team übernommen und dieses mitten im Rennen um den Nr.2-Seed in der Eastern Conference gehalten.

Die Statistiken von Jayson Tatum

SpielePunkteFreiwürfeFG%3FG%ReboundsAssists
Saison 19/205523,54,74539,67,12,9
Februar1230,77,649,448,17,93,2

Tatum wird dabei nicht auf Dauer so heiß bleiben können wie zuletzt, insbesondere was seine Pullup-Dreier angeht. Dennoch wirkte der beste Monat seiner Karriere nicht wie ein reiner Hot Streak. Im Gegenteil: Es wirkt, als hätte sich das Spiel für ihn endgültig so verlangsamt, dass er in nahezu jeder Situation an Punkte kommen kann. Auch seine einstmals größte Schwäche wirkt nun wie eine Stärke.

Das Wurfprofil ist modern geworden

Insbesondere in der vergangenen Saison, einer für Boston als Team, aber auch für Tatum individuell enttäuschenden Spielzeit, verließ sich Tatum zu oft auf schwierige Mitteldistanzwürfe aus dem Dribbling, ging kaum zum Korb und zog folglich auch nur 2,9 Freiwürfe pro Spiel - ein mickriger Wert für einen Spieler mit seinen Anlagen und Spielanteilen.

Zu Beginn dieser Saison suchte Tatum den Weg zum Korb bereits wesentlich häufiger, hatte dort jedoch Probleme mit dem Abschluss, zumal er es oft etwas zu kompliziert versuchte und direkten Körperkontakt oft vermied. Das ist nun nicht mehr der Fall: Tatum hat verstanden, wie er mit seinem enorm verbesserten Ballhandling und guter Fußarbeit in die richtigen Positionen kommt. Insbesondere seine Tempowechsel sind dabei auch im Lauf der Saison immer besser geworden.

Jayson Tatum lobt Daniel Theis

Tatum ist geduldiger geworden, spielt mit seinem eigenen Tempo. Celtics-Coach Brad Stevens ist zudem ein Meister darin, ihn in gute Positionen zu bringen. Und mit Daniel Theis hat er oft einen Pick'n'Roll-Partner, der ihm den Weg zum Korb mustergültig (und manchmal am Rande der Legalität) freiblockt.

"Ich habe Theis gesagt, dass ich ihm etwas für seinen Geburtstag besorgen werde, eine Uhr oder sowas", scherzte Tatum kürzlich nach dem Spiel in Portland, in dem er 36 Punkte häufig aus diesem Play aufgelegt hatte. "Vor allem für mich öffnet er das Spiel, aber er macht das für jeden. Das ist etwas, was man nicht auf dem Statistikbogen sieht. Theis ist der Mann."

"The Man" ist wiederum eigentlich das Label, das mehr und mehr mit Tatum verbunden wird. Tatum gehörte zuletzt zu den besten und effizientesten Scorern der Liga, auch aus Isolationen ist er auf einmal stark, nachdem er in dieser Kategorie noch in der vergangenen Saison zu den schlechtesten Spielern gehörte. Nun ist er derjenige, der vom besten Verteidiger des Gegners übernommen und teilweise schon direkt zu Spielbeginn gedoppelt wird.

Besonders erfreulich ist an dieser Entwicklung, dass Tatum dadurch seine Verpflichtungen in der Defensive nicht vergessen hat. Auch hier ist er stärker als in der Vorsaison, wo er laut Eigenaussage nicht selten aufgrund von Frustration nicht mit voller Energie verteidigte. Gerade abseits des Balles ist er mit seinen langen Armen im zumeist recht kleinen Celtics-System ein ganz wichtiger Faktor.

Gregg Popovich lobt Jayson Tatums Defensive

Boston verfügt über die viertbeste Defense der Liga, ist in Tatums Minuten aber noch einmal signifikant besser. Mit ihm lässt man 103,2 Punkte pro 100 Ballbesitzen zu, ohne ihn sind es 105,9. Tatum betont immer wieder, dass gerade Spieler wie LeBron, Paul George oder Kawhi Leonard seine Vorbilder sind, da diese eben sowohl defensiv als auch offensiv großen Einfluss auf das Spiel ausüben können.

"Es gibt nicht viele Two-Way-Player in der Liga - also richtige. Manche denken, dass sie es sind, aber eigentlich kann man sie an einer Hand abzählen. Und er hat die Möglichkeit, einer von ihnen zu sein", sagte kürzlich kein anderer als Spurs-Coach Gregg Popovich, der Tatum im Sommer bei Team USA betreute und ihn immer wieder defensiv herausforderte.

Es ist unter anderem dieses Two-Way-Potenzial, das Tatum so interessant macht und das ihn beispielsweise vom (großzügig gemessenen) 1,83 m großen Walker unterscheidet. Tatum verfügt über mehr Möglichkeiten als der Point Guard, ein Spiel zu beeinflussen. Er ist, wenn er seine aktuelle Aggressivität beibehält, weitaus schwieriger aus dem Spiel zu nehmen.

Kemba Walker schwärmt von Jayson Tatum

Deshalb hat sich die Grenze von dem, was Boston in dieser Saison erreichen kann, durch seine Entwicklung wohl nach oben verschoben - zumal Walker überhaupt kein Problem damit hat, die Nebenrolle zu übernehmen. "Das macht einfach Spaß. Ich bin froh, ein Teil davon zu sein. Ich bin stolz auf ihn und weiß, dass er nur noch besser werden wird", sagte Walker kürzlich.

Das ist eine rosige Aussicht für Beantown. Wird Walker wieder gesund, hat Boston mit Tatum in (ansatzweise) dieser Form ein richtig gefährliches Team, das unter anderem bereits beide L.A.-Teams und auch Milwaukee besiegt hat. Ein Playoff-Favorit wären die Celtics gegen keins dieser Teams, aber nicht zuletzt ihre vergangene Saison hat gezeigt, dass diese Rolle nicht ausschlaggebend sein muss.

Zwischen den Celtics von 2019 und denen von 2020 gibt es diverse Unterschiede, zuallererst wird dabei immer die Point-Guard-Position genannt. Der vielleicht wichtigste lautet jedoch, dass man nun einen Spieler im Kader hat, der potenziell eine wirklich elitäre erste Option in den Playoffs sein könnte. Ein echtes Problem.

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