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NBA

NBA-Legendenserie - Karl Malone: Unaufhaltsam, aber unvollendet

Von Jan Dafeld
Karl Malone (vorne rechts) konnte Michael Jordan und die Chicago Bulls in den Finals nie bezwingen

Zwei Jahrzehnte lang prägte Karl Malone die NBA. Mit John Stockton bildete er eines der besten und populärsten Duos aller Zeiten und führte die Utah Jazz zu den größten Erfolgen ihrer Teamgeschichte. Die große Krönung seiner einzigartigen Karriere blieb Karl Malone jedoch immer verwehrt - was auch immer er zu versuchen bereit war. Heute feiert Malone seinen 57. Geburtstag.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Februar 2014. Alle weiteren Legenden-Texte findet Ihr in unserem Archiv.

"Stockton inside to Karl Malone. They double him. Jordan knocks it away from him. Jordan's got it. The Bulls can win it right here!"

Es ist der Kommentar zu den letzten Sekunden der NBA Finals 1998. Michael Jordan klaut in der Verteidigung den Ball, trifft sechs Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Game-Winner und baut seinen Legendenstatus weiter aus. Die Chicago Bulls gewinnen ihren sechsten Titel in acht Jahren. Karl Malone, John Stockton und die Utah Jazz stehen erneut mit leeren Händen da.

Malone spielte in fast 1.500 NBA-Spielen, erzielte fast 37.000 Punkte, schnappte sich fast 15.000 Rebounds, verwandelte fast 10.000 Freiwürfe. Und dennoch ist seine vielleicht bekannteste Szene ein Ballverlust. In seiner zweiten und letzten Finalteilnahme unterlag er erneut Michael Jordan und blieb somit ein unvollendeter Basketballer.

Karl Malone: Der Inbegriff von Arbeit und Härte

Am 24. Juli 1963 wird Malone als jüngster Junge von neun Kindern in Summerfield, Louisiana geboren. Er wächst ohne Vater auf, bereits früh beginnt er, auf der Farm seiner Familie zu arbeiten, und er muss parallel zu seiner Schullaufbahn seine Familie miternähren.

Nachdem Malone an der High School dominiert und von keinem Gegenspieler zu stoppen ist, kriegt er Angebote von Hochschulen aus dem ganzen Land, doch Malone entscheidet sich für das kleine College von Louisiana Tech, um so nah wie möglich bei seiner Familie bleiben zu können.

Bereits dort fällt Malone durch sein extrem hartes Training und unermüdlichen Arbeitseifer auf. Eine Einstellung, die er von zu Hause nicht anders kennt. So kann sich Malone schnell zu einem der besten Spieler des Landes entwickeln und erhält dank seiner Konstanz den Spitznamen verpasst, der sich bis ans Ende seiner NBA-Karriere hält: The Mailman.

Verlässlich wie ein Postbote liefert Malone ab - nur eben Punkte und Rebounds statt der Post.

Karl Malone: Mangelndes Ansehen in der NBA

Trotz des fehlenden Erfolgs auf nationaler Ebene ist der Power Forward davon überzeugt, einer der besten Nachwuchsspieler des Landes zu sein. In der Vorbereitung auf den Draft 1985 erklärt Karl Malone gegenüber den Dallas Mavericks, gerne für die Franchise spielen zu wollen, um in der Nähe seiner Heimatstadt bleiben zu können. In felsenfester Überzeugung, auch in den Augen der Mavericks der perfekte Mann für das Team zu sein, kauft er sich daraufhin direkt ein Apartment in Texas.

Dallas entscheidet sich an der 8. Stelle des Drafts allerdings für den Deutschen Detlef Schrempf. Malone wird erst fünf Picks später von den Utah Jazz ausgewählt. So kommt Karl Malone in dem Glauben in die Liga, nicht die Anerkennung zu erhalten, die er verdient hätte, ohne überhaupt ein Spiel in der NBA absolviert zu haben. Eine Überzeugung, die ihn seine gesamte Karriere lang begleiten soll.

Karl Malone und John Stockton: Die Geburt eines legendären Duos

In Salt Lake City kann der Mailman einen nahezu perfekten Einstand in die NBA feiern. Selbst auf dem Niveau der Profis ist Malones Kombination aus Größe, Athletik und Power nur schwer zu verteidigen. Bereits in seiner Rookie-Saison entwickelt sich Malone zu einem der Starter und Leistungsträger der Utah Jazz und erreicht im Schnitt fast 15 Punkte und 9 Rebounds. Direkt zu Beginn seiner Karriere wird er als neuer Führungsspieler der Franchise ausgemacht.

In den nächsten zehn Jahren sind die Utah Jazz der Inbegriff von Konstanz. Malone und John Stockton (der ein Jahr vor Malone zum Team gestoßen war) zelebrieren das Pick'n'Roll in einer Perfektion, die bis heute unerreicht ist. Malone wird achtmal in Folge All-Star, sieben Mal in Folge wird er ins All-NBA First Team gewählt. Was allerdings ausbleibt, ist der richtig große Wurf.

Kein einziges Mal erreichen die Utah Jazz in diesen Jahren die NBA Finals. Malone erklärt konsterniert: "Ich verstehe nicht, wieso wir es versuchen, während die anderen es tun. Ich hasse versuchen!" Die gesamte Franchise entwickelt eine Angst vor dem Verlierer-Image. Ihren Höhepunkt erreicht diese 1994 in den Conference Semifinals gegen die Denver Nuggets.

Karl Malone: Eklat mit Besitzer Larry Miller

Nachdem die Jazz die ersten drei Spiele allesamt für sich entscheiden können und sich bereits in der nächsten Runde wähnen, brechen sie plötzlich ein. Nach einer Niederlage in Denver erwischt Utah auch im heimischen Delta Center einen schwachen Start in die Partie.

Malone wirkt wie ein Fremdkörper auf dem Spielfeld. So kommt es zu einem Eklat, den es bis heute in der NBA so nicht gegeben hat. Jazz-Owner Larry Miller stürmt auf die Trainerbank zu und fordert von Coach Jerry Sloan lautstark die Auswechslung seines Stars.

Vor allem da Miller und Malone eigentlich ein Verhältnis haben, das im professionellen US-Sport seinesgleichen sucht, ist der mediale Aufschrei groß.

Die Entschuldigung von Miller folgt kurz darauf, doch es ist kein Geheimnis, dass Malone von dem mangelnden Vertrauen in seine Person und dem offenbar fehlenden Glauben, dass er sein Team im entscheidenden Spiel zum Sieg führen könne, tief enttäuscht ist.

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