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NHL

Aufgepasst auf die Kid-Line

Von Christian Bernhard/Florian Regelmann
Edmonton Oilers, NHL
© Getty

Im zweiten Teil des SPOX-NHL-Checks geht es um die Plätze 4 und 5. Außerdem wird ein echter Geheimtipp vorgestellt.

4. Montreal Canadiens

Offense: Der Sturm der Canadiens gehört zum Schnellsten und Besten, was es in der NHL gibt. Angeführt von Alex Kowalew erzielte in der vergangenen Saison kein Team mehr Tore als Montreal. Sieben Spieler machten mehr als 50 Scorerpunkte. Gut möglich, dass es wieder so kommt. Vor allem die Mischung ist exzellent. Kowalew, Saku Koivu und Neuzugang Robert Lang bringen nicht nur Klasse aufs Eis, sondern auch viel Erfahrung. Dazu hat man mit Christopher Higgins, Tomas Plekanec und den Kostitsyn-Brüdern viele talentierte junge Spieler. Als Coup könnte sich der Trade für Alex Tanguay erweisen. Dieser hat sich wohl beim lieben Gott bedankt, aus dem starren System von Mike Keenan in Calgary herauszukommen. Die Habs passen da viel besser zu ihm. Für die nötige Härte ist mit Georges Laraque, der von den Penguins nach Montreal kam, auch gesorgt.

Defense: Auch wenn Mark Streit häufig als Stürmer eingesetzt wurde, die Canadiens werden den Schweizer Top-Defender vor allem als Blueliner im Powerplay vermissen. Ohne Streit liegt die Last ganz allein auf Andrei Markow. Eventuell muss Kowalew in Überzahl an der blauen Linie spielen, was ohne Zweifel ein Sicherheitsrisiko darstellen würde. Was ihre Hauptaufgabe betrifft, das Verhindern von Toren, ist die Defense sehr gut aufgestellt. Roman Hamrlik und der sich in jeden Schuss werfende Mike Komisarek sind die Zuverlässigkeit in Person. Und ganz hinten steht mit Carey Price das größte Torwart-Talent der NHL im Kasten. Der 20-Jährige wird mal ein ganz Großer.

Player to watch: Alex Kowalew. Normalerweise sind es junge Spieler, auf die man gerne besonders achtet. In diesem Fall muss man eine Ausnahme machen. Solange der 35-Jährige noch Eishockey spielt, muss man es genießen. Kowalew gehört nach wie vor zu den aufregendsten Spielern der Liga. Nach seiner überragenden letzten Saison mehr denn je. Und jetzt hat er sogar wieder Lang an seiner Seite. Seinen alten Kumpel aus Pittsburgher Tagen. Watch out for Kovy!

Prognose: Wer das Trikot der Montreal Canadiens trägt, weiß, dass es jedes Jahr nur ein Ziel geben kann: den Stanley Cup. Vor dieser Saison sind die Erwartungen noch einmal höher. Der Grund ist ganz einfach: Die Canadiens spielen ihre 100. Saison in der NHL. Der Cup muss her! Ob es reicht? Das Potenzial dazu haben sie auf jeden Fall.

5. San Jose Sharks

Offense: Center Joe Thornton ist der alles überragende Mann im System des neuen Coaches Todd McLellan. Der 29-Jährige verzeichnete in der letzten Saison stolze 96 Punkte (29 Tore+67 Assists). Einzig Milan Michalek konnte mit 55 Punkten einigermaßen mit Thornton mithalten. Kapitän Patrick Marleau (19+29) und Jonathan Cheechoo blieben hinter den Erwartungen zurück. Cheechoo muss sich nach "nur" 23 Toren wieder steigern - den Fans ist seine 56-Tore-Saison (2005/2006) immer noch in bester Erinnerung. Trotz dieser "Schwächen" mischten die Sharks in der vergangenen Saison im Westen ganz vorne mit. Ein klares Zeichen ihrer Stärke.

Defense: In der Abwehr gab es in San Jose eine große Sommer-Revolution. Brian Campbell, der erst an der Trade-Deadline nach San Jose gekommen war, unterschrieb im Sommer in Chicago und Craig Rivet wurde nach Buffalo getradet. Dafür kamen mit Rob Blake, Dan Boyle und Brad Lukowich drei erfahrene Männer, die allesamt bereits Stanley-Cup-Ringe an ihren Fingern tragen. Besonders vom offensivstarken Boyle erwarten sich die Sharks sehr viel. Dazu kommt noch Christian Ehrhoff: Der Deutsche verpasste in der vergangenen Spielzeit nur fünf Saisonpartien und kam auf 22 Punkte (1+21). Im Tor ist Jewgeni Nabokow der Sharks-Alleinunterhalter. Der Russe stand vergangene Saison in 77 Partien im Gehäuse - Ligarekord. Heraus kamen 46 Siege, sechs Shutouts und eine Nominierung für die Vezina Trophy. Der 33-Jährige ist mittlerweile einer der besten seines Fachs. Dahinter wartet mit Thomas Greiss ein weiterer Deutscher auf seine Chance. Der Ex-Kölner wird sich aber wohl hinter Brian Boucher mit der Nummer-3-Position abfinden müssen.

Player to watch: Joe Thornton. Der beste Assistgeber der vergangenen NHL-Saison (67) ist Dreh- und Angelpunkt der Sharks-Offensive. Seit seiner Ankunft in der Spielzeit 2005/2006 machte der Center durchschnittlich 1,36 Punkte pro Spiel für San Jose - ein Traumwert. Seine Kombination aus technischer Klasse und körperlicher Präsenz ist in der NHL einzigartig.

Prognose: 99, 107, 108: Die Punktausbeute der Sharks in den vergangenen Regular Seasons wurde nur von Detroit getoppt. Jetzt soll endlich der große Wurf in den Playoffs gelingen. Auf dem Papier muss sich San Jose im Westen allerdings hinter Detroit und Dallas einreihen.

Der Geheimtipp: Edmonton Oilers

Offense: Der Sturm der Oilers besitzt auf den ersten Blick vielleicht nicht die ganz großen Namen, aber Vorsicht: Es steckt jede Menge Potenzial drin. Da gibt es die "Kid-Line" um Sam Gagner (19), Andrew Cogliano (21) und Robert Nilsson (23), die jede Abwehr schwindlig spielen kann. Dann gibt es mit Shawn Horcoff einen der am meisten unterschätzten Stars der NHL. Ales Hemsky, aber auch Neuzugang Erik Cole, sorgen für zusätzliche Firepower.

Defense: Ein endlich fitter Sheldon Souray, ein Top-Neuzugang aus L.A. in Lubomir Visnovsky und ein Top-Talent in Tom Gilbert - die Oilers-Abwehr kann sich mehr als sehen lassen. Im Tor baut man auf Mathieu Garon. Ob der 30-Jährige allerdings der Goalie ist, mit dem man in den Playoffs Erfolg haben kann, muss sich zeigen. Es könnte auch sein, dass Oldie Dwayne Roloson zu alter Stärke zurückfindet und sich seinen Nummer-1-Status zurückerobert.

Player to watch: Dustin Penner. Nachdem er vor zwei Jahren 29 Tore für Anaheim schoss, gab Edmonton eine Menge Geld aus, um ihn zu holen. In der vergangenen Saison war er mit 23 Treffern zwar bester Oilers-Schütze, aber so richtig konnte er die Erwartungen nicht erfüllen. In dieser Saison wird er wohl erst mal in der dritten Reihe beginnen. Gerade, wenn er dort für Offense sorgt, könnte er ein Schlüsselspieler für die Oilers werden.

Prognose: Wer ein neutraler NHL-Fan ist, der muss die Oilers lieben. Ein Team, das Spaß macht ohne Ende. Jung, talentiert, schnell und immer kämpfend bis zum Umfallen. Edmonton muss nur endlich mal ohne große Verletzungen durch eine Saison kommen, dann werden die Playoffs auf jeden Fall erreicht. Wenn es sogar weiter geht, sollte keiner behaupten, wir hätten ihn nicht gewarnt.

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