"Who the fuck is Arda Güler?": Drei Dinge, die bei Österreich gegen Türkei auffielen

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Die Türkei hat dank eines 2:1-Sieges gegen Österreich das EM-Viertelfinale erreicht. Beide Mannschaften und Fanlager sorgten für das bis dato intensivste Duell des Turniers. Arda Güler antwortet Österreichs Fans - und Konrad Laimer beweist Polyvalenz: Drei Dinge, die auffielen.

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Das intensivste Spiel der EM: Wilder Schlagabtausch auf dem Platz und auf den Rängen

42.000 Fans und insgesamt 30 eingesetzte Spieler sorgten an diesem verregneten Dienstagabend in Leipzig für allerfeinsten Anschauungsunterricht in Sachen Intensität: Das Achtelfinale zwischen Österreich und der Türkei war in seiner Gesamtheit das bis dato intensivste Spiel dieser Europameisterschaft. Beide Mannschaften und Fanlager lieferten sich einen irrsinnigen Schlagabtausch.

Zum Beispiel die 1. Minute: Mit dem Anstoß stürmten die Österreicher wild nach vorne, innerhalb kürzester Zeit tauchte Marcel Sabitzer gefährlich im türkischen Strafraum auf, nutzte die Chance aber nicht. Die Türkei schaltete umgehend um, erkämpfte sich einen Eckball und ging nach einem Flipper-Spektakel durch Merih Demiral mit 1:0 in Führung. Mehr passt nicht in eine Minute, auf gar keinen Fall.

In dem Stile ging es weiter: Österreich erkämpfte sich zunächst mehrere gute Chancen, brachte den Ball aber nicht im Tor unter. In den Strafräumen wurde es daraufhin zwar etwas ruhiger, nicht aber dazwischen. Beide Mannschaften attackierten extrem aggressiv und spielten nach Ballgewinn meist sofort vertikal nach vorne.

Die entsprechende Kulisse bildeten zwei Fanlager, die sich auf ähnlichem Niveau duellierten wie die Spieler auf dem Platz. Sie einte nicht nur die Farben rot und weiß, sondern auch ihr Hang zum permanenten Hüpfen und Schreien. Die Österreicher erarbeiteten sich ein Übergewicht beim Klatschen, die Türken beim Pfeifen. Sämtliche Möglichkeiten des menschlichen Körpers, Lärm zu machen, wurden bestmöglich ausgenutzt.

Nach dem Seitenwechsel ging es im gleichen Stil weiter, auf den Rängen und auch auf dem Platz. Österreich hatte Chancen im Minutentakt, dann schnürte Demiral den Doppelpack - ehe Österreich durch Michael Gregoritsch verkürzte und bis zum Schluss verzweifelt anlief. Tief in der Nachspielzeit zwang Christoph Baumgartner den türkischen Keeper Mert Günok zu einer absoluten Glanzparade. Österreich hat mit 1:2 verloren, einen Verlierer hat dieses Spiel aber nicht verdient.

Österreich vs. Türkei: Die Statistik zum Spiel

Österreich vs. Türkei - 1:2 (0:1)

Tore0:1 Demiral (1.), 0:2 Demiral (59.), 1:2 Gregoritsch (66.)
Aufstellung ÖsterreichPentz - Posch, Danso, Lienhart (65. Wöber), Mwene (46. Prass) - Seiwald, Laimer (65. Grillitsch), Schmid (46. Gregoritsch), Baumgartner, Sabitzer - Arnautovic
Aufstellung TürkeiGünok - Müldür, Demiral, Bardakci, Kadioglu - Ayhan, Yüksek, Arda Güler (78. Okay), Kökcü (83. Kahveci), Yildiz (78. Aktürkoglu) - Yilmaz
Gelbe Karten
  • Österreich: Schmid (38.)
  • Türkei: Kökcü (11.), Yüksek (41.)
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"Who the fuck is Arda Güler?" Türkisches Supertalent antwortet Österreichs Fans

"Who the fuck is Arda Güler?", skandierten Österreichs Fans beim Fanmarsch vor dem Spiel. Um zu zeigen "who the fuck" Arda Güler ist, brauchte Arda Güler auf dem Platz exakt eine Minute. Erst spielte er einen Steilpass auf Baris Yilmaz, der letztlich zu einer Ecke führte. Dann trat er sie so präzise vors österreichische Tor, dass der Ball über Christoph Baumgartner, Stefan Posch, Patrick Pentz und Merih Demiral zum 1:0 für die Türkei ins Tor flipperte.

Mit seinem traumhaften Schlenzer beim Auftaktsieg der Türkei gegen Georgien hatte das 19-jährige Supertalent von Real Madrid den ohnehin schon beachtlichen Hype um seine Person völlig eskalieren lassen. Arda hier, Arda da, Arda überall. Beim zweiten Spiel gegen Portugal saß Arda - begleitet von dementierten Mobbing-Vorwürfen gegen Trainer Vincenzo Montella - zunächst nur auf der Bank. Gegen Tschechien kehrte er zwar in die Startelf zurück, blieb aber eher blass.

Gegen Österreich glänzte Arda wieder - und zwar in neuer Rolle. War er zuvor meist über den rechten Flügel gekommen, agierte Güler gegen Österreich als falsche Neun. Trotz der exponierten Rolle an vorderster Front hatte Güler viele Ballkontakte. Er spielte kluge Pässe und legte weite Wege zurück - kein Spieler lief in der ersten Halbzeit mehr als Güler.

Gefährlich zum Abschluss kam er zwar nicht, sein einziger Schuss war ein Versuch aus dem Mittelkreis. Dafür hatte er noch eine zweite wunderbare Ecke parat: Ganz ohne Flipper-Einlagen vollendete erneut Demiral zum 2:0. Bei seiner Auswechslung in Minute 78 bekam Güler Standing Ovations - wobei das keinen Mehraufwand für die türkischen Fans bedeutete. Sie standen ohnehin schon alle.

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Dritter Einsatz, dritte Position: Konrad Laimer beweist Polyvalenz

Wo darf's denn diesmal sein? So wie die Partie an sich den Inbegriff von Intensität darstellte, stellte Konrad Laimer bei dieser für ihn nun zu Ende gegangenen EM den Inbegriff von Polyvalenz dar. Gegen Frankreich spielte er auf dem rechten Flügel, gegen Polen auf der Zehn, gegen die Niederlande saß er Gelb-vorbelastet auf der Bank - und gegen die Türkei kehrte er auf der Sechs neben Nicolas Seiwald in die Startelf zurück.

Nach drei Startelf-Wechseln gegen Polen und vier gegen die Niederlande stellte Trainer Ralf Rangnick seine Mannschaft gegen die Türkei erneut auf vier Positionen um. Neben Laimer rotierten auch Kevin Danso, Phillipp Mwene und Christoph Baumgartner in die Startelf. Den größten Laimer-Bedarf gab es im Zuge dieser Umstellungen auf der Doppelsechs.

Wie auf den anderen beiden Positionen überzeugte der 27-Jährige, der beim FC Bayern München bekanntlich oft als Rechtsverteidiger agiert, auch in der defensiveren Rolle. Gegen den Ball agierte Laimer gewohnt bissig, im Spielaufbau ließ er sich oft zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und verteilte von dort den Ball. Regelmäßig tauchte er auch am gegnerischen Strafraum auf, etwas bei seiner Chance in Minute 53. Den Schlusspfiff zur Pleite erlebte er nach seiner Auswechslung von der Bank.