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Fussball

Franck Ribery bei US Salernitana: Bittersüßes von der Amalfiküste

© getty

Seit Sommer kickt Franck Ribery beim italienischen Aufsteiger US Salernitana. Der 38-jährige Ex-Spieler des FC Bayern München wird von den Fans verehrt und ist mittlerweile sogar Mannschaftskapitän. Seinem Klub droht aber nicht nur der Abstieg aus der Serie A, sondern auch der Lizenzentzug.

Als Franck Ribery Anfang September in Salerno ankam, war er eigentlich schon längst da. Noch bevor er seinen Medizincheck absolviert geschweige denn den Vertrag unterschrieben hatte, verkauften besonders ambitionierte Händler in der südöstlich von Neapel gelegenen Stadt bereits Salernitana-Trikots mit seinem Namen.

Der echte Ribery wurde dann im Stadio Arechi vor rund 13.000 Fans vorgestellt, was einem Zehntel der Einwohnerzahl von Salerno entspricht. Erstmals seit 22 Jahren und fast so vielen Konkursen spielt der Traditionsklub wieder in der Serie A. Und dann kommt auch noch ein ehemaliger Weltstar!

Aus Ribery wurde mittlerweile ein Kapitän, aus der Euphorie um den Klub aber zunehmend Ernüchterung. "Am besten lässt sich Riberys Situation mit dem Adjektiv bittersüß beschreiben", sagt Journalist Giuseppe Pucciarelli vom lokalen Medium SoloSalerno im Gespräch mit SPOX und GOAL. "Süß, weil Ribery der wichtigste Spieler des Klubs ist, sowohl hinsichtlich seiner Klasse als auch seines Charismas. Bitter in Anbetracht der schlechten Qualität seiner Kollegen."

Die Salernitana ist Tabellenletzter der Serie A, der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt drei Punkte. Abzusehen war diese Entwicklung schon im Sommer: Der Aufsteiger hat wohl ligaweit das geringste Budget und den mutmaßlich schwächsten Kader. Warum sich Ribery das mit seinen 38 Jahren alles angetan hat? Gute Frage.

Franck Ribery: Maradona und Ibrahimovic für Salerno

"Ich habe noch große Lust auf Fußball", sagte er bei seiner Vorstellung. "Ich fühle mich fit und motiviert. Mein Körper macht mit, also gibt es in meinen Augen keinen Grund, meine Laufbahn zu beenden." Leben lässt es sich in Salerno vermutlich ganz gut: Ribery bekam eine Villa an der Amalfiküste mit Meerblick gestellt und kassiert für seinen Einjahresvertrag dem Vernehmen nach rund 1,5 Millionen Euro. Er betonte aber: "Würde es um Geld gehen, wäre ich nicht hier."

Nach zwei durchwachsenen Jahren bei der AC Florenz war sein Vertrag im Sommer ausgelaufen. Während sich Ribery anschließend an der Säbener Straße bei seinem Ex-Klub FC Bayern München fit hielt, buhlten unter anderem Hertha BSC, Olympique Lyon und Hellas Verona um seine Dienste. Letztlich entschied er sich aber für die kleine Salernitana, die ihn nicht nur mit einer Meerblick-Villa, sondern auch mit einem großen Vergleich lockte.

"Ribery nach Salerno zu bringen, ist wie, als Maradona zu Napoli kam", sagte Sportdirektor Angelo Fabiani damals bei einem lokalen Radiosender mit dem herrlichen Namen Kiss Kiss. Als der Deal abgewickelt war, verglich sich Ribery selbst mit einer anderen Fußballgröße: "Ich will wie Ibrahimovic bei Milan die jungen Mitspieler unterstützen."

Franck Ribery: Regisseur statt Flügelstürmer

Tatsächlich scheint der französische Zlatan in der Mannschaft gut anzukommen. Nach rund einem Monat sollen seine Kollegen im Zuge eines Trainerwechsel ausdrücklich Riberys Beförderung zum Kapitän gefordert haben. Aufstiegstrainer Fabrizio Castori war Ende Oktober bereits zum dritten Mal als Salernitana-Trainer entlassen worden. In der Saison 2008/09 musste er im Dezember gehen, wurde im Januar zurückgeholt, ehe es im April erneut vorbei war.

Diesmal ersetzte ihn Stefano Colantuono, der dem Wunsch der Mannschaft nachkam und Ribery zum Kapitän ernannte. Für den bisherigen Spielführer Francesco Di Tacchio sei der Wechsel "kein Problem" gewesen, wie Pucciarelli berichtet. Bei seinen ersten beiden Einsätzen mit Binde gelangen Ribery seine ersten beiden Assists für die Salernitana, ein Spiel wurde sogar gewonnen.

Ribery ist zwar nicht mehr der flinke Flügelstürmer von früher, dafür ist er jetzt Regisseur im Zentrum. Zu den "Dribblings, die ihn zu einem der besten Fußballer des Planeten gemacht haben" sei er laut Pucciarelli nicht mehr in der Lage: "Trotzdem ist seine Präsenz fundamental wichtig für die Salernitana." Trainer Colantuono lobte: "Es gibt keine Worte für ihn. Wir sollten ihn klonen. Er ist ein unglaublicher Spieler."

Eine Klonung klappte aber genauso wenig wie eine Konservierung des kurzen Aufwärtstrends. Seitdem holte die Salernitana lediglich einen Punkt aus fünf Spielen, die letzten beiden verpasste Ribery wegen einer Magen-Darm-Grippe.

Frank Riberys Leistungsdaten seit seinem Wechsel nach Italien

KlubPflichtspieleToreAssists
2019/20AC Florenz2133
2020/21AC Florenz3027
2021/22US Salernitana9-2

US Salernitana droht in der Serie A der Lizenzentzug

Noch mehr Sorge als die sportliche Situation machen aber die Vorgänge im Hintergrund: Salernitana droht mit Ende des Jahres nämlich der Lizenzentzug in der Serie A. Das mögliche Ende hängt eng mit dem rasanten Aufstieg der jüngeren Vergangenheit zusammen. Nach dem zweiten Konkurs innerhalb weniger Jahre bekam die Salernitana 2011 keine Lizenz mehr. Daraufhin erwarb der Besitzer von Lazio Rom, Claudio Lotito, gemeinsam mit seinem Schwager Marco Mezzaroma die Namensrechte des neugegründeten Klubs und führte ihn innerhalb von zehn Jahren von der fünften in die erste Liga.

Die Statuten der Serie A erlauben einer Einzelperson jedoch nicht, gleichzeitig zwei Klubs im Wettbewerb zu besitzen. Deshalb wurde Lotito im Sommer angewiesen, seine Anteile an einen der beiden zu verkaufen. Wenig überraschend entschied er sich für die Salernitana. Seitdem wird der Klub von zwei Treuhändern geführt, die den Verkauf bis zum 31. Dezember abzuwickeln haben. "Ansonsten könnte die Salernitana aus der Serie A ausgeschlossen werden", sagt Pucciarelli.

Konkrete Anzeichen auf neue Eigentümer gebe es nach Informationen des Journalisten aktuell aber nicht. Vor einigen Wochen berichtete der ehemalige Salernitana-Spieler Emanuele Cicerelli, dass er von Lotito-Vertrauten Informationen über einen angeblich fixierten Verkauf bekommen habe. Cicerelli sollte eigentlich eine sichere Quelle sein, er wechselte im vergangenen Jahr schließlich per Leihe zweimal zwischen der Salernitana und Lazio hin und her. Verkündet wurde seitdem aber nichts. Was es mit dem angeblichen Deal auf sich hat? "Es ist ein Rätsel", sagt Pucciarelli.

Das Verhältnis zwischen Lotito und der Anhängerschaft sei wegen dieser Entwicklungen daher "bei Null" angekommen. "Die meisten Fans wollen einen transparenten Verkauf und vor allem ein neues Management", sagt Pucciarelli. Sie fordern eine Ablösung von Sportdirektor Fabiani, der seit 2014 im Amt ist und als Lotito-Vertrauter gilt. Fabiani tauschte nach dem Aufstieg im Sommer beinahe den kompletten Kader aus. Die meisten Neuzugänge kamen per Leihe oder wie Ribery ablösefrei. Sollte die Salernitana tatsächlich ihre Lizenz verlieren, hätte Ribery laut Pucciarelli die Option auf einseitige Auflösung seines Einjahresvertrages: "Das ist eine der größten Sorgen der Salernitana-Fans."

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