BVB-Transferkandidat Ferdi Kadioglu ist fast eine Kopie von Ian Maatsen - CR7 und Co. laufen heiß: Drei Dinge, die bei Portugal gegen Türkei auffielen

Von Tim Ursinus / Jochen Tittmar
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Portugal hat seinen Status als Mitfavorit auf den EM-Titel durch den 3:0-Sieg über die Türkei jetzt auch auf dem Platz unter Beweis gestellt. Ferdi Kadioglu zeigte indes, warum er ein Transferkandidat beim BVB ist und Arda Güler ist auch abseits des Platzes von großer Bedeutung bei den türkischen Fans. Drei Dinge, die auffielen.

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Doch ein Mitfavorit? Portugal läuft langsam heiß

Cristiano Ronaldo, Rafael Leão, Bruno Fernandes, Bernardo Silva, Vitinha, João Cancelo, Pepe: Wer denkt, dass es sich hierbei um eine nicht zusammenhängende Aneinanderreihung von Spielern mit Weltklasse-Format handelt, liegt falsch. Sie alle gehören tatsächlich zu Portugals aktueller Stammelf. Und Namen wie der von Bayern-Transferziel João Palhinha fehlen in dieser Auflistung sogar noch.

Doch von den zumindest als Mitfavorit auf den EM-Titel gehandelten Portugiesen war im ersten Spiel gegen Tschechien von all der Weltklasse nur wenig zu sehen. Kein Esprit im Offensivspiel, statische Abläufe und eine wacklige Defensive führten zu einem am Ende mehr als glücklichen Last-Minute-Sieg.

Beim deutlichen Triumph über die Türken präsentierte sich Portugal in allen Belangen jedoch erheblich verbessert. Silva und Leão wirbelten gemeinsam mit Cancelo und Nuno Mendes auf den Außenbahnen. Im Zentrum war quasi kein Vorbeikommen und Routinier Pepe überzeugte als Leader in der Verteidigung. Nur Ronaldo wurde nicht so recht ins Spiel eingebunden.

Dass der 39-Jährige vor dem 3:0 für Fernandes querlegte, obwohl er selbst nur noch den türkischen Torhüter vor sich hatte, war umso bemerkenswerter. Ganz im Sinne der Mannschaft und deren Erfolg.

CR7 wird sich freilich darüber im Klaren sein, dass es sehr wahrscheinlich sein letztes großes Turnier als Stammspieler - oder auch generell - wird. Ebenso über die Tatsache, dass die Chancen auf einen erneuten Titelgewinn nach 2016 mit diesem Kader alles andere als schlecht stehen.

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BVB-Transferziel Ferdi Kadioglu: Fast eine Kopie von Ian Maatsen

Schon im vergangenen November wurde Ferdi Kadioglu erstmals bei Borussia Dortmund gehandelt, in den vergangenen Tagen verschärften sich die Gerüchte um den Linksverteidiger der türkischen Nationalmannschaft. Der neue BVB-Trainer Nuri Sahin will den 24-Jährigen offenbar gerne verpflichten.

Gegen Portugal spielte Kadioglu nun das zweite Mal bei dieser EM in Dortmund vor - und machte in einer im Vergleich zum Auftaktspiel gegen Georgien abfallenden türkischen Elf seine Sache gut. Das Profil von Kadioglu ist ein besonderes und gleicht in einiger Hinsicht jenem von Ian Maatsen, der den BVB nach seiner Leihe wohl Richtung Aston Villa verlassen wird.

Allein schon Kadioglus Vita ist ungewöhnlich. Er wurde in Arnheim in der Niederlande geboren, erst seit 2018 spielt er in der Türkei für Fenerbahce. Im Nachbarland Deutschlands genoss Kadioglu eine Ausbildung, die traditionell viel Wert auf technisches Geschick und Ballfertigkeit legt.

Als gelernter Offensivspieler bringt er eine hohe Vielseitigkeit mit. Kadioglu wurde von seinen bisherigen Trainern schon fast überall auf dem Spielfeld platziert, einzig im Tor, als zentraler Verteidiger und vorne im Angriff durfte er noch nicht ran. Und überall lieferte er konstante Vorstellungen ab.

Seit längerer Zeit nun spielt Kadioglu hinten links - und da drückt bekanntlich der Schuh des BVB. Der verletzte Ramy Bensebaini arbeitet aktuell an seinem Comeback und muss zwei Schippen drauflegen, um seine enttäuschende Vorsaison vergessen zu machen. Die Zukunft Tom Rothe ist weiter unklar, liegt womöglich aber auch in der nächsten Saison nicht in Dortmund.

Kadioglu dagegen wäre bereit für den nächsten Entwicklungsschritt, mehr als zwei Champions-League-Qualifikationsspiele hat er auf internationaler Ebene noch nicht absolviert. Gegen Portugal ließ er sein Tempo und die Dynamik aufblitzen, auch am Ball bewies er Ruhe und Übersicht. Kadioglu könnte ein guter Griff für den BVB sein.

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Die größte Hoffnung der Türkei: No Güler, no Party!

Es war durchaus überraschend, dass Arda Güler nach seinem Traumtor zum Auftakt gegen Georgien nicht in die Startelf berufen wurde. Der 19-Jährige sei "etwas müde" gewesen, lautete die Begründung von Trainer Vincenzo Montella vor dem Spiel.

Den Vorzug bekam stattdessen Yunus Akgün, der sinnbildlich für die erste Hälfte der Türken stand. Die ernüchternde Bilanz: Kein Abschluss, nur ein erfolgreiches Dribbling und 17 Ballkontakte. Dementsprechend schnell wurden die Rufe nach Güler laut, der von den türkischen Fans (erneut klar in der Überzahl) bereits nach dem 0:1 unüberhörbar gefordert wurde.

Als er sich dann kurz vor der Pause an der Seitenlinie warmmachte, wurde der Offensivspieler von Real Madrid frenetisch gefeiert - und brachte gefühlt durch seine Präsenz wieder etwas Hoffnung zurück, nachdem bereits das unglückliche 0:2 gefallen war. Schon in den Stunden vor dem Anpfiff und rund um das Georgien-Spiel wurde deutlich, welchen Status Güler bei den Türkei-Anhängern genießt.

Längst wird Güler in seinem Land mit Cristiano Ronaldo oder den aktuell besten Spielern der Welt verglichen. Spielt er nicht, fehlt schlichtweg etwas. Getreu dem Motto: No Güler, no Party! Trotz Gülers unumstrittenen Talents gehört aber auch zur ganzen Wahrheit, dass er seinem Hype erst noch gerecht werden muss. Nach seiner Einwechslung in der 70. Minute, weiteren Rufen vorausgegangen, hatte er keinen Einfluss mehr. Gegen Georgien wusste er abseits seines Treffers allerdings ebenfalls nur bedingt zu überzeugen.

Türkei - Portugal: Die Daten des Spiels

Türkei vs. Portugal 0:3 (0:2)

Tore

0:1 Bernardo Silva (22.), 0:2 Akayin (29./ET), 0:3 Bruno Fernandes (56.)

Aufstellung Türkei

Bayindir - Celik, Akaydin (75. Demiral), Bardakci, Kadioglu - Calhanoglu, Ayhan (58. Yüksek) - Akgün (70. Arda Güler), Kökcü (46. Yazici), Aktürkoglu (58. Yildiz) - Yilmaz

Aufstellung Portugal

Diogo Costa - Cancelo (68. Semedo), Dias, Pepe (83. Antonio Silva), Mendes - Palhinha (46. Ruben Neves), Fernandes, Vitinha (88. Joao Neves), Silva, Leao (46. Pedro Neto) - Ronaldo

Gelbe Karten

Bardacki, Akaydin, Celik - Leao, Palhinha

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