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Fussball

Gladbachs Marcus Thuram wird in der CL mit Doppelpack zum Albtraum für Real Madrid: "Wie Haaland"

Wurde mit seinem Doppelpack in der Champions League gegen Real Madrid zum Albtraum der Königlichen: Borussia Mönchengladbachs Alassane Plea.

Nur zwei Champions-League-Spiele hat Marcus Thuram gebraucht, um Vater und Legende Lilian zu übertrumpfen. Gegen Real Madrid traf er beim Last-Minute-Remis doppelt, lehrte der königlichen Abwehr um Sergio Ramos das Fürchten und bewies, dass aus Toni Kroos offenbar kein Kabinenflüsterer mehr wird. Allein sein erstes Tor war so klar der Kategorie "Weltklasse" zuzuordnen, dass Vergleiche mit einem der begehrtesten Stürmer Europas aufkamen. Die Highlights gibt's hier im Video.

Er hatte es ihnen doch explizit gesagt. Gewarnt hatte er sie eindringlich vor dieser in der spanischen Hauptstadt und in weiten Teilen des europäischen Fußballs mittlerweile so unbekannten wie unaussprechlichen Mannschaft.

"Es ist vielleicht normal, dass man in Madrid noch nicht so viel von Mönchengladbach gehört hat, aber ich habe allen gesagt, dass Gladbach eine gute Mannschaft ist und gerade im eigenen Stadion schon einige große Mannschaften geschlagen hat", hatte Kroos noch Pilatus-esk seine Hände in Unschuld vor dem Aufeinandertreffen zwischen seinen Madrilenen und "A German Team" gewaschen.

Diesen Beinamen trägt die Fohlen-Elf auf internationalem Parkett, seitdem der schottische Barkeeper Brian Pickering aus Glasgow 2015 beim bis dato letzten Auftritt der Gladbacher in der Champions League am Namen des Klubs verzweifelt war.

"Es ist definitiv Vorsicht geboten", sagte Kroos auf der Pressekonferenz. Als habe er sagen wollen: "Alle bei uns wissen Bescheid. Es gibt keine Ausreden. Ich habe sie gewarnt." Doch aus Kroos wird offenbar kein Kabinenflüsterer mehr, denn seine Warnung blieb ungehört. Sie wurde fast schon ignoriert.

Hätte er seine vom Clasico-Sieg gegen Barcelona (3:1) vielleicht noch etwas zu sehr berauschten Teamkollegen noch explizit darauf hingewiesen, dass da bei bei diesem unaussprechlichen Verein zwei Franzosen in der Offensive spielen, die nicht so schlecht sind, vielleicht wäre Real an diesem Abend im leeren Gladbacher Borussia Park eine Menge Ärger erspart geblieben.

Gladbachs Thuram und Plea sorgen für königliche Albträume

Der eine ist Alassane Plea (27), der andere trägt einen etwas schillernderen Namen, der eigentlich die etwas Älteren im Real-Kader hätte wachrütteln sollen, immerhin hat Reals-Kapitän Sergio Ramos selbst noch Clasicos gegen ihn gespielt.

Marcus Thuram (23), Sohn von Frankreich-Legende Lilian. Die "French Connection" führte schon in der vergangenen Saison die Topscorer-Liste der Elf vom Niederrhein an und war an 36 Gladbacher Toren direkt beteiligt.

Und beide waren nach Verletzungen im Sommer zu Saisonbeginn nicht unbedingt in Top-Form, was durchaus eine plausible Erklärung für den Gladbacher Stolperstart mit dem 0:3 in Dortmund und dem 1:1 gegen Union Berlin ist.

Doch gegen Real Madrid am Dienstagabend präsentierten sich Plea und besonders Thuram, wie auch die gesamte Gladbacher Mannschaft, über lange Zeit in Gala-Form. Die Königlichen, obwohl im ersten Durchgang überlegen, kamen zu kaum einer klaren Torchance. Zu massiv, aggressiv und diszipliniert verrichteten Matthias Ginter, Stefan Lainer, Nico Elvedi und Co. ihre Defensivarbeit.

Sinnbild der nahezu fehlerfreien Gladbacher Leistung war die Passquote von Elvedi. Einen einzigen Fehlpass über 90 Minuten leistete sich der Schweizer. Fast perfekt. Aber eben nicht ganz, was sich in der Endphase des Spiels noch bitter rächen sollte.

Aber als die "French Connection" in der 33. Minute das erste Mal zuschlug, war der bittere Nackenschlag von Casemiro in der Nachspielzeit noch ganz weit weg. Es war eine Weltklasse-Kombination zwischen Lars Stindl, Plea und Thuram, die das königliche Gemüt erstmals verfinstern sollte.

Per Tunnel gegen Raphael Varane schickte Plea Landsmann Thuram schulbuchmäßig auf die Reise, der nahm den Ball direkt und ohne Umschweife und jagte ihn staubtrocken in den Winkel. "Wie Haaland", sagte Sky-Experte Erik Meijer später in seiner Analyse und verglich Thurams ersten Streich des Abends mit dem ähnlich staubtrockenen wie wunderschönen Haaland-Treffer in der Königsklasse vergangene Saison gegen Paris Saint-Germain.

BMG-Stürmer Thuram schlägt Verteidiger-Legende Thuram

Und als wollte der 23 Jahre alte Thuram Meijer bestätigen, machte er seinen zweiten Treffer so, wie es der so heiß umworbene und auch bei Real angeblich hoch im Kurs stehende Norweger von Borussia Dortmund am vergangenen Samstag im Derby gegen Schalke tat: Er, der Stürmer, leitete seinen eigenen Treffer höchstselbst mit einem Solo über fast den gesamten Platz ein.

Klar, Plea hatte seine Füße noch im Spiel, immerhin war es seine Volleyabnahme, die Thibaut Courtois vor Thurams Füße klatschen ließ. Aber Thuram stand da, wo er stehen sollte und war unterm Strich der Initiator seines eigenen Treffers. Das mag unspektakulärer ausgesehen haben als bei Haalands 2:0, die Leistung dahinter ist aber die gleiche.

Doch so richtig freuen konnte er sich unmittelbar nach seinem Tor nicht. "Ich dachte, dass ich im Abseits war. Ich wollte keine falsche Freude haben, also habe ich gewartet", erklärte Thuram nach dem Spiel bei Sky.

Dass er in seinem erst zweiten CL-Spiel schon das geschafft hat, wofür sein Vater Lilian 67-mal in der Königsklasse auf dem Platz die Knochen hinhalten musste, nämlich einen Treffer in der Champions League zu erzielen, überraschte den Stürmer aber nur wenig. "Ich wusste gar nicht, dass er überhaupt mal in der Champions League getroffen hat", stichelte der Stürmer Thuram scherzhaft gegen den ehemaligen Weltklasse-Verteidiger Thuram.

Borussia Mönchengladbach in der CL: Die Angst vorm Gewinnen

Als Trainer Marco Rose Thurams Arbeitstag in der 71. Minute beendete und an seiner Stelle Patrick Herrmann brachte, sah alles danach aus, als sei der Sohn als Real-Schreck endgültig aus dem Schatten des berühmten Vaters getreten.

Zwei Schüsse, zwei Tore, 80 Prozent Zweikampfquote, 92,6 Prozent Passquote. Viel besser geht es als Stürmer fast nicht. Und viel besser geht es auch nicht, was Gladbach über 85 Minuten gegen Real Madrid spielte. Am Ende einte Thurams Tag, Gladbachs Leistung und die Passquote von Elvedi jedoch ein Makel: Es war eben nur fast perfekt.

Während Thuram hilflos auf der Tribüne zusehen musste, wie seine Teamkollegen aussichtsreiche Konterchancen gegen eine Madrider Zweierkette fahrlässig liegenließen, brachte Real-Trainer Zinedine Zidane, der kurioserweise "ein gutes Spiel" seiner Mannschaft gesehen hatte, Luka Modric. Mit dem alternden Weltstar kam die Wende - und es kamen vor allem zwei hohe Bälle in den Gladbacher Strafraum, die am Ende durch Karim Benzema (87.) und Casemiro (93.) ihren Weg ins Tor fanden.

Wie schon gegen Inter Mailand im ersten Gruppenspiel folgte der "Genickbruch" (Sportdirektor Max Eberl) kurz vor Schluss. Am Ende stehen Thuram und Co. mit lediglich zwei statt sechs möglichen Punkten in der Gruppe B da. Wenn man daran denke, "wird es ganz bitter", haderte der frustrierte, aber gleichzeitig auch sehr stolze Rose nach der Partie, die trotz all ihrer Tragik aber auch ihr Gutes hatte.

Kroos wird im Rückspiel Anfang Dezember (9.12.) sicherlich keine Warnung mehr vor diesen unaussprechlichen Gladbachern aussprechen müssen. "Wir haben die Madrilenen an den Rand getrieben. Wir werden ihnen auf jeden Fall als eine Mannschaft in Erinnerung bleiben, die sie nicht schlagen konnten und bei denen sie mit Glück noch einen Punkt mitnehmen konnten", sagte Eberl. Und daran hatte Thuram entscheidenden Anteil.

Champions League: Tabelle der Gruppe B mit Gladbach

RangMannschaftSpieleSiegeUnentschiedenNiederlagenToreDiff.Punkte
1Schachtar Donezk21103:214
2Bor. Mönchengladbach20204:402
3Inter Mailand20202:202
4Real Madrid20114:5-11
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