BVB - Emre Can ist neuer Spielführer bei Borussia Dortmund: Welcher Can wird Dortmunds Kapitän?

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Borussia Dortmund hat Emre Can zum neue Kapitän ernannt. Der galt vor einem Jahr noch als Unsicherheitsfaktor und Verkaufskandidat, spielte aber zuletzt eine bärenstarke Rückrunde. Welcher Can ist also künftig der Spielführer des BVB?

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Im Fußball kann es schnell gehen - diese Phrase, so plump sie auch daherkommt, hat sich in diesem Sport jahrzehntelang gehalten und immer wieder bewahrheitet. Nicht nur, aber vor allem auch während der Transferzeit, in der wir uns aktuell befinden.

Doch sie trifft auch zu, ohne dass es zu einem Wechsel kommen muss. Borussia Dortmund hat verkündet, dass Emre Can der neue Kapitän und somit Nachfolger von Marco Reus wird. Damit wäre bei den einschlägigen Wettanbietern vor lediglich sieben Monaten noch gutes Geld erzielt worden, hätte man damals auf den Mittelfeldspieler als künftigen BVB-Spielführer gesetzt.

Allzu überraschend ist die Entscheidung, die in Anbetracht des sich weiter vollziehenden Umbruchs bei der Borussia ja eine zukunftsträchtige sein soll, freilich nicht. Es hat schlicht nicht sehr viele perfekt geeignete Kandidaten für dieses Amt gegeben. Hinzu kommt, dass die Verantwortung in professionellen Fußballmannschaften heutzutage auf viele Schultern verteilt wird und es innerhalb dieser flachen Hierarchien nicht von derart fundamentaler Bedeutung ist, wer letztlich die Binde am Arm trägt.

Can wird künftig von Torwart Gregor Kobel und Innenverteidiger Niklas Süle vertreten. Deren Vereinszugehörigkeit ist kürzer als jene von Can und im Falle von Kobel kommt vermutlich das Argument zum tragen, das man in dieser Frage bei Torhütern oft und nicht zu Unrecht hört: Der Mann im Kasten steht nun einmal im Kasten und somit nicht im Zentrum des Geschehens auf dem Platz. Sein Einfluss zumindest während eines Spiels ist also qua Position naturgemäß geringer.

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BVB: Einzige Überraschung ist höchstens Mats Hummels

Bei Süle dagegen, seit einem Jahr beim BVB, wurde sich jetzt im zweiten Sommer in Folge gewundert. Einmal, weil er zunächst noch mit zu vielen Pfunden auf den Rippen in Dortmund aufschlug und zwölf Monate später noch einmal, weil das genaue Gegenteil der Fall war. Angesichts der nicht aufhören wollenden öffentlichen Diskussionen um Süle ist es folgerichtig, ihn nicht gleich mit dieser hervorgehobenen Rolle bedacht zu haben.

Wenn es in der Mitteilung des BVB also eine Überraschung gab, dann betrifft sie Mats Hummels. Der 34-Jährige, im Vorjahr noch zweiter Kapitän, ist nun nicht einmal mehr im neu formierten Mannschaftsrat vertreten. Das wird den Abwehrspieler gewiss nicht daran hindern, intern weiterhin meinungsstark und fordernd aufzutreten.

Es ist vielmehr ein Fingerzeig in Richtung der kommenden Jahre, in denen Hummels vermutlich nicht mehr so oft das Dortmunder Trikot tragen wird. Nicht unwahrscheinlich ist, dass die nächste seine letzte Saison beim BVB oder gar seiner Karriere sein wird.

BVB: Welcher Emre Can ist künftig der Dortmunder Kapitän?

Vom Charakter und der Persönlichkeit sowie seiner Erfahrung, aber natürlich auch durch seine meist hervorragenden Leistungen, ist Hummels eigentlich der am meisten geeignete Anführer innerhalb des BVB-Kaders. Can bringt diese Eigenschaften als Typ auch mit. Er ist eine Kämpfernatur mit hoher Physis, Aggressivität und Einsatzbereitschaft. Er besitzt Führungsqualitäten, sein Wort hat innerhalb des Teams Gewicht.

Die entscheidende Frage wird sein: Welcher Can ist künftig der Dortmunder Kapitän? Bleibt es bei jenem, der sich im vergangenen halben Jahr mit starken Darbietungen einen Stammplatz und zuletzt eine vorzeitige Vertragsverlängerung erarbeitet und verdient hat, besteht kein Grund zur Sorge.

Doch diese tolle Halbserie ist nur eine von insgesamt sieben, die Can seit seinem Wechsel im Januar 2020 für die Westfalen absolviert hat. Nur eine der vorherigen sechs genügte einigermaßen den Ansprüchen, bei allen anderen enttäuschte der 29-Jährige.

BVB: Die Testspiele von Borussia Dortmund in der Sommer-Vorbereitung

DatumGegnerSpielort
12. Juli, 18 UhrSV Westfalia Rhynern (7:0)Hamm
19. Juli, 18 UhrRot-Weiß Oberhausen (3:2)Oberhausen
22. Juli, 16.30 UhrRot-Weiß Erfurt (2:1)Erfurt
28. Juli, 4.30 UhrSan Diego LoyalSan Diego
31. Juli, 3 UhrManchester UnitedLas Vegas
3. August, 2.30 UhrFC ChelseaChicago
6. August, 17 UhrAjax AmsterdamDortmund
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BVB: Emre Can galt im Vorjahr noch als Verkaufskandidat

Im Sommer 2022 galt er gar noch als Verkaufskandidat und die Borussia hätte da schon mitgemacht, wenn ein wirklich werthaltiges Angebot auf den Tisch gekommen wäre. Das wäre auch sehr nachvollziehbar gewesen, denn der 41-malige deutsche Nationalspieler hatte sich durch konstant auftretende grobe Schnitzer zu einem echten Unsicherheitsfaktor entwickelt.

Kann man Cans Leistungsexplosion, so muss man es wahrlich nennen, also wirklich trauen? Diese Frage wird wenig überraschend nur er beantworten können. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, heißt es ja seit jeher. Die kam Can im vergangenen Winter, nachdem er zuvor lediglich zweimal in der Bundesliga von Beginn an ran durfte und wie das gesamte Team eine recht verheerende Hinrunde spielte.

Von der Vielzahl an Negativschlagzeilen, mit denen er in den Vormonaten konfrontiert war, habe er sich "ein bisschen herunterziehen lassen", gab Can zu. Ins Jahr 2023 ging er daher mit der Devise: "Egal, was ist, Emre - du gibst Gas. Egal, ob du spielst oder nicht, du lässt dich nicht herunterziehen, du machst dein Ding."

BVB: Emre Can muss den "alten" Can vergessen machen

Diese Selbstreflexion fruchtete. Can wurde aus dem Nichts ein enorm wichtiger Faktor für das Dortmunder Spiel und spielte eine essentielle Rolle bei der furiosen und um ein Haar gekrönten Aufholjagd des BVB. Man merkte ihm an, dass mit jeder guten Leistung die Selbstverständlichkeit in seinem Spiel zurückkam und das Vertrauen in sich selbst größer wurde.

Es ist gut möglich, dass die Ernennung zum Kapitän einen ähnlichen Effekt auf Can haben wird. Ein Jahr vor der EM 2024 gibt es für ihn mehrere gute Gründe, um seine erstarkten Leistungen zu verstetigen und den "alten" Can vergessen zu machen.

Interessant zu beobachten wird sein, wie Can künftig abseits des Feldes auftritt. Seine Vorgänger als Kapitän, Marcel Schmelzer und Marco Reus, waren nicht nur deutlich weniger geborene Anführer als es Can mit seiner Persönlichkeit ist. Sie waren auch zunehmend genervt davon, so regelmäßig Rede und Antwort stehen zu müssen.

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BVB: Emre Cans Worte führten schon zu Diskussionen

Das ist auch bei Can vorstellbar, weil er seine Emotionen nicht immer vollends unter Kontrolle hat und in Interviews auch schon Worte wählte, aus denen dann eine Diskussion entstand. Wie im Vorjahr, als er Jude Bellingham eine negative Körpersprache attestierte, Mats Hummels' öffentliche Team-Kritik rügte oder nach dem 0:2 der Nationalmannschaft gegen Kolumbien über das Dreierketten-Experiment von Bundestrainer Hansi Flick sagte: "Die Viererkette liegt dieser Mannschaft mehr. Der Trainer hat etwas ausprobiert, das hat nicht funktioniert. Das muss man so klar sagen."

Insofern muss Can in der exponierten Position als BVB-Kapitän an seinen Auftritten vor den Mikrofonen sicherlich noch weiter arbeiten, damit ihm dort die richtige Balance zwischen Diplomatie und verbaler Führungsstärke gelingt. Doch wir wissen ja: Im Fußball kann es schnell gehen.

BVB: Emre Can und seine Leistungsdaten bei Borussia Dortmund

WettbewerbSpieleToreVorlagen
Bundesliga91107
DFB-Pokal1121
Champions League17--
Europa League1--
DFL-Supercup1--