Cookie-Einstellungen
Fussball

BVB-Erkenntnisse zum 2:0 gegen den 1. FC Köln: Er ist für Rose "am ehesten" der Haaland-Ersatz

Von Patrick Brandenburg
BVB, Bundesliga, 1. FC Köln, Steffen Tigges, Julian Brandt, Thorgan Hazard, Erling Haaland, Verletzung, Diagnose

Der BVB emanzipiert sich in kleinen, aber wichtigen Schritten von Sturmphänomen Erling Haaland. Beim oft kritisierten Mittelfeldlenker Brandt wächst die Hoffnung auf den Durchbruch. Und es reift die Erkenntnis: Borussia Dortmund kann auch schmutzige Arbeitssiege einfahren. Drei Dinge, die beim 2:0 über den überraschend spielstarken 1. FC Köln auffielen.

Es ist schon länger ein Running-Gag rund um den BVB - nun sind sogar die klubeigenen Sozialen Medien drauf eingestiegen. Vor der Partie gegen Köln verkündete Borussia die eigene Startelf via Twitter ganz in Trainer-Diktion - mit niedlichen Spitznamen: Greg, Jule, Toto...

Die noch lustigere Teletubbies-Variante mit Endungs-i reichte Marco Rose in der PK nach Spielschluss nach: "Wenn ihr was zu Tiggi wissen wollt, müsst ihr eigentlich Baumi fragen." Alles klar?

Baumi ist natürlich Steffen Baumgart, Coach des 1. FC Köln, der mit seinem Team einen ziemlich frechen Auftritt im früheren Westfalenstadion hingelegt hatte. Durch das 0:2 beim Tabellenzweiten wurden die Rheinländer jedenfalls deutlich unter Wert geschlagen.

Und Tiggi - klar, das ist Steffen Tigges, Sturm-Aushilfe aus der zweiten Mannschaft des BVB, bislang eher mäßig erfolgreich bei den Profis unterwegs in zuvor acht Ligaeinsätzen.

BVB: Beinahe wäre Tigges beim 1. FC Köln gelandet

Über Tigges' Bundesligatauglichkeit gab es stets Zweifel, seit er vergangene Saison im DFB-Pokal gegen Braunschweig erstmals in die Startelf rückte. Baumi, sorry, Baumgart gehört offenbar nicht zu jenen Zweiflern, denn er hätte den 23 Jahre alten Angreifer vor der Saison gerne zum FC geholt, scheiterte aber an Roses Veto, wie er auf der Pressekonferenz offenbarte.

Durch das Spiel durften sich beide Trainer in ihrer positiven Meinung bestätigt fühlen, denn Tigges machte mit seinem ersten Bundesliga-Treffer den Deckel auf eine lange Zeit völlig offene Partie.

"Er ist noch am ehesten in der Lage, Erling Haaland zu ersetzen", lobte Rose den Tordebütanten, zielte dabei aber eher auf die körperlichen Voraussetzungen ab. An die Knipserqualitäten des Phänomens aus Norwegen kommt keiner ran. Diesen Rucksack will der BVB auch niemandem aufsetzen.

Es geht allein darum, sich wieder ein wenig vom Torgaranten zu emanzipieren, so wie im erfolgreichen Schlussspurt der Vorsaison: Da verteilten sich 23 der letzten 31 Tore auf neun andere Schultern. Zu Beginn dieser Spielzeit war die One-Man-Show Haaland mit Macht zurück.

Frühestens im Dezember dürfte Haaland seine Hüftbeuger-Probleme auskuriert haben und erneut auf Torejagd gehen. Bis dahin muss die Borussia improvisieren, aufgrund der hohen Belastungen auch weiter immer mal wieder mit dem Drittligaangreifer Tigges. Daher ist es eminent wichtig, dass der Stürmer mit einem perfekten Joker-Moment nun Selbstvertrauen gesammelt hat.

BVB-Bilanz in der Bundesliga ohne Erling Haaland

GegnerErgebnis
SC Paderborn

6:1

Hertha BSC1:0
Arminia Bielefeld2:0
Eintracht Frankfurt1:1

VfB Stuttgart

1:5

Werder Bremen

2:1

Union Berlin

1:2

RB Leipzig

3:2

Borussia Mönchengladbach

0:1

FC Augsburg

2:1
Arminia Bielefeld3:1
1. FC Köln2:0

BVB: Sancho-Vakuum noch nicht gefüllt

Zumal Ersatzmann Nummer eins noch nicht auf hundert Prozent ist. Toto, sorry, Thorgan Hazard war lange verletzt raus und hat noch nicht die Luft für 90 Minuten. Schon am Dienstag im Pokal reichte es nur zu einem Kurzeinsatz, aber zum spielentscheidenden Doppelpack.

Gegen Köln traf der Belgier mit einem feinen Kopfball ebenfalls, musste aber nach gut einer Stunde ausgepowert vom Feld. "Ich bin mausetot", habe Hazard bereits nach seinem zweiten Sprint gesagt und auf den frühen Wechseln gedrängt.

Hazard strahlt eine gesunde Portion Torgefahr aus. An Haaland kommt aber auch er nicht heran, nicht mal ansatzweise. Der Belgier ist aber ein komplett anderer Spieler. Trickreicher, wendiger, mit dem besseren Auge für Mitspieler. Er kann auch auf die Flügel ausweichen und als Vorbereiter glänzen.

Wichtig für den BVB, denn auch hier hat das Team Defizite. Das Sancho-Vakuum ist lange nicht gefüllt. Und Donni, sorry, Donyell Malen ist noch ein ordentliches Stück davon entfernt, mit seiner kunstvoll-verspielten Art des Fußballs die Offensive nachhaltig zu bereichern, geschweige denn zu prägen. Malen wurde gegen Köln wieder nur eingewechselt, weil er "Flitze" hatte, wie Rose anmerkte und auf die Magen-Darm-Probleme des 22-Jährigen hinwies.

BVB-Sorgenkind a.D: Brandt zeigt ungeahnte Qualitäten

Einen kleinen Schritt näher dran ist Jule, sorry, Julian Brandt. Der begabte Mittelfeldlenker hat nun schon mehrere hoffnungsvolle Saisonspiele auf dem Konto: Gegen Augsburg war er Matchwinner, im Pokal gegen Ingolstadt mit zwei Assists für Doppelpacker Hazard eigentlich auch. Beim Sieg über Köln bestätigte Brandt diese und andere Aufwärtstrends. Endlich mal gelangen Dortmunds Nummer 19 gefährliche Ecken, eine führte zum entscheidenden 2:0.

Aber vor allem in kämpferischer Hinsicht hat der 25-Jährige einen Entwicklungssprung gemacht. Es war bezeichnend, dass der oft für sein pomadiges und vermeintlich körperloses Spiel Gescholtene mit einem gewonnenen Kopfballduell gegen gleich zwei Kölner die BVB-Führung einleitete. Trotz permanenter Rückendeckung hat Trainer Rose das schwache Zweikampfverhalten stets offen angesprochen - und nun beim früheren Sorgenkind offensichtlich erste Erfolge erzielt.

Um Brandts Leistung gerecht zu werden, gehören aber auch die negativen Punkte dazu. Zwar hat er gegen Köln die meisten Zweikämpfe aller BVB-Spieler geführt, von den 15 aber auch nur sechs gewonnen. Einmal tanzte er unter tosendem Applaus der 67.000 Zuschauer gleich zwei FC-Akteure - nur, um danach an einem simplen Kurzpass zu scheitern. Satte 23 Ballverluste standen schließlich für ihn zu Buche. Es bleibt also weiter viel Luft nach oben. Doch die Richtung stimmt bei Brandt.

Das gilt auch insgesamt für den BVB, obwohl der Sieg über die mutigen Rheinländer alles andere als glänzend war. Das geht mit Roses realistischer Einschätzung der Aufgabe los: "Uns war klar, gegen Köln ist nicht zwingend Tiki-Taka möglich." Der BVB-Trainer hat völlig Recht: Mit einem FC in dieser Form werden wohl noch etliche andere Teams große Schwierigkeiten bekommen.

Borussia Dortmund gewinnt oft verschmähte Statistiken

Dortmund hat in der aktuellen Lage, mit der ultralangen Verletztenliste und angesichts der hohen Belastungen in drei Wettbewerben noch das Beste rausgeholt. "In allem, was mit dem Ball zu tun hatte, war der FC besser", gestand Rose ein.

Sein Team lag aber in anderen elementaren Bereichen vorne, fast etwas überraschend: "Wir haben heute auch einige wichtige Statistiken gewonnen: Zweikämpfe, Laufleistung, Sprints. Kompliment an die Mannschaft, in dieser Phase Punkte zu holen." Das Team beißt sich durch und es gelingen nun auch die sogenanten dreckige Siege.

Bezeichnend, dass die traditionell wacklige BVB-Abwehr ausgerechnet gegen gefährliche Kölner die erste weiße Bundesliga-Weste eroberte - nach zuvor gut verteilten 15 Gegentoren. Da gehörte sicher eine üppige Portion Glück dazu, aber auch der Wille zum Widerstand. Das ist eine Qualität, die sich die Dortmunder erarbeitet haben. Viele der jüngsten unspektakulären Spiele wären in der Hinrunde der Vorsaison wohl noch gekippt.

Ganz nebenbei hat Rosi, sorry Marco Rose, mit sechs Heimsiegen zum Auftakt einen Klub-Rekord geknackt. Das hatte bislang noch kein Trainer in seinem Debütjahr beim BVB geschafft, nicht mal Jürgen Klopp. Insgesamt steht die Borussia mit 24 Punkten aus zehn Spielen mehr als ordentlich da.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung