Fussball

Corona-Fälle beim 1. FC Köln: Birger Verstraete kritisiert Klub - Liga-Fortsetzung "naiv"

Von SPOX/SID
Birger Verstraete kritisiert den 1. FC Köln.

Der 1. FC Köln wehrt sich nach dem Bekanntwerden dreier positiver Coronatests am Freitag gegen die aufgekommene Kritik. Finanz-Geschäftsführer Alexander Wehrle und Sportchef Horst Held sehen keineswegs einen Rückschlag hinsichtlich eines baldigen Restarts der Saison. Mit Birger Verstraete ist ein Profi der Geißböcke jedoch wenig begeistert von der Haltung des Vereins.

"Wir werden nicht unter Quarantäne gestellt, und das ist schon ziemlich bizarr. Der Plan war von vornherein, dass wir weiter trainieren, egal, ob es positive Tests gibt", sagte der 26-Jährige dem belgischen Fernsehsender VTM.

Bei den drei positiv getesteten Personen handelt es sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge um zwei Spieler und einen Physiotherapeuten. Das Trio, das keine Symptome aufweist, begab sich in 14-tägige Quarantäne.

"Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet", so Verstraete.

1. FC Köln: Heldt hat keine Angst

Es sei daher "nicht ganz richtig", dass kein anderer aus dem Team der Kölner mit den Betroffenen in Kontakt gekommen sei. Der Mittelfeldspieler aus Belgien geht von weiteren Infektionen aus. "Ich denke auch daran, dass sich das Virus verbreitet hat", sagte Verstraete. Eine schnelle Wiederaufnahme der Saison bezeichnete er deshalb als "naiv".

Gleichwohl betonte Sportchef Heldt im Gespräch mit der Bild am Sonntag: "Niemand aus unserem Team hat sich leichtsinnig verhalten. Fakt ist: Wir haben drei Infizierte und über 50 Nicht-Infizierte in unserer Testgruppe. Insofern gehen wir davon aus, dass die Regeln und Maßnahmen am Geißbockheim funktionieren."

Angst vor weiteren Ansteckungen hat Heldt nicht. "Angst ist das falsche Wort", sagte der frühere Profi, "wir haben alle Voraussetzungen geschaffen, um eine Ansteckung im Team zu vermeiden. Und das tun wir weiter."

1. FC Köln: Wehrle hält DFL-Konzept für "tragfähig"

Die Wertung beim Klub aus der Karnevalshochburg und bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) lautet nämlich: Das Konzept funktioniert, die Hoffnung auf Grünes Licht durch die Politik für den angestrebten Liga-Neustart am 15. Mai ist ungebrochen. Berechtigter Optimismus oder Eigen-PR im Angesicht eines aufziehenden Orkans der Kritik?

"Wir können sehr zuversichtlich sein", erklärte Kölns Finanz-Geschäftsführer Wehrle am Samstag bei Sky Sport News HD: "Wir dürfen den Trainingsbetrieb so fortführen. Das Konzept wird von Behördenseite anerkannt und ist tragfähig."

Auch die DFL wertet die positiven Tests in Köln keineswegs als Rückschlag. Vielmehr sieht sich der Ligaverband in seinen Maßnahmen bestätigt und verweist auf das frühzeitige Erkennen und Reduzieren von Risiken durch das von der Politik für tragfähig befundene Hygienekonzept der hauseigenen Taskforce.

Kölner Quarantänemaßnahmen erhalten Grünes Licht

Die negativ getesteten Spieler werden nach dem planmäßig freien Wochenende am Montag mit dem Kleingruppentraining fortfahren und erneut getestet.

"Es gibt eindeutige Vorgaben des Robert Koch-Instituts zum Umgang mit Kontaktpersonen von Infizierten", erklärte der Kölner Mannschaftsarzt Paul Klein und widersprach einer Sonderbehandlung des Fußballs: "Die sogenannte häusliche Absonderung ist nur für Personen der 'Kategorie 1' vorgesehen."

In diese Kategorie fallen Menschen mit höherem Infektionsrisiko, die etwa im selben Haushalt leben oder in direkten Kontakt zu Körperflüssigkeiten des Betroffenen gekommen sein könnten.

Beim FC habe man dies in Abstimmung mit dem Kölner Gesundheitsamt ausschließen können. Der Trainingsbetrieb wird somit unter anhaltender Einhaltung des medizinischen Konzepts der "Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" der DFL fortgeführt. Mit der Zustimmung der Behörden.

Lauterbach kritisiert: "Fußball soll Vorbild sein, nicht Brot und Spiele"

Doch bei aller Zuversicht bei DFL und Klubs, die mit der Beendigung der Saison nicht weniger als ihre Existenz sichern würden: Widerstand und Kritik ließen vor der richtungweisenden virtuellen Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Mittwoch nicht auf sich warten.

"Wer mit COVID-19 trainiert, riskiert Schäden an Lunge, Herz und Nieren. Ich wundere mich, dass Spieler das mit sich machen lassen. Fußball soll Vorbild sein, nicht Brot und Spiele", twitterte etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Und nicht nur die Reporter der Kölner Medien dürften am Montag genau hinsehen, welche FC-Spieler dem Training fernbleiben. Hinzu kommt: Dass die drei Betroffenen beim 1. FC Köln keinerlei Symptome aufwiesen, lässt vermuten, dass es bei den 36 Profiklubs weitere positive Fälle geben wird. Stichwort Dunkelziffer. Es können zähe Stunden werden bis zum kommenden Mittwoch.

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