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Formel 1

Adrian Sutil zeichnet seine Traumstrecke

Von Alexander Mey
Adrian Sutil hat für SPOX seine Traumstrecke entworfen
© spox

Adrian Sutil wird in der Formel-1-Saison 2011 20 verschiedene Rennstrecken sehen. Aber wie würde eigentlich seine Traumstrecke aussehen? SPOX hat ihn zeichnen lassen.

"Die Zettel sind eindeutig zu klein", meckert Adrian Sutil. Recht hat er. Sie sind wirklich zu klein, aber in der Bar, in der wir sitzen, gibt es keine größeren. Und die ganze Aktion ist ziemlich spontan.

Eigentlich sollte Sutil nur über seine Lieblingspassagen auf den Rennstrecken dieser Welt sprechen, ein paar Abschnitte benennen, die er in seine Traumstrecke packen würde.

"Die Nordschleife ist der Wahnsinn", sagt Sutil zum Beispiel und grinst. "Da kannst du eigentlich jede Passage nehmen, es gibt dort keine langweilige Kurve. Leider bin ich dort immer nur mit einem PKW gefahren. Aber die waren auch immer schnell und es hat viel Spaß gemacht."

Auch einige der aktuellen Grand-Prix-Strecken haben für den Force-India-Piloten ihren Reiz. Vor allem die Traditionskurse. "Der erste Sektor in Suzuka ist ziemlich cool zu fahren", erklärt Sutil. "Die Eau Rouge in Spa würde ich auch auf keinen Fall vergessen, obwohl man sie im Formel-1-Auto voll fahren kann. Die lange Gerade ist so gut zum Ansaugen und Überholen - einfach zum Rennen fahren. Außerdem ist die Mauer so nah dran, dass du dir zweimal überlegst, was du machst."

Sutil: "Die würde bestimmt zehn Kilometer lang"

Alles schön und gut, aber wirklich vorstellen kann man sich so einen Phantasie-Kurs nicht. "Man müsste so eine Strecke zeichnen, das wäre mal schön", sagt Sutil. Na dann mal los. Zettel raus, Stift raus - und ran ans Zeichenbrett.

Sutil beginnt, auf drei kleinen Zetteln seine Traumstrecke zu entwerfen. Zumindest einen Teil davon, denn: "Die würde bestimmt zehn Kilometer lang. Eine coole Strecke muss lange Geraden haben, auf denen man überholen kann. Dazu muss die Strecke anspruchsvoll sein und am besten noch irgendwo liegen, wo es oft regnet."

Den Regen kann man sich denken, aber auf drei kleinen Zetteln eine Mini-Nordschleife aufzuzeichnen, ist selbst für einen Profi-Rennfahrer unmöglich.

Hochachtung für Tilkes Leistung

Überhaupt tut sich Sutil nach dem Auftakt mit La Source und Eau Rouge, nach dem der erste Zettel schon voll ist, ziemlich schwer. "Das ist gar nicht so einfach. Da sieht man mal, was der Herr Tilke für eine Arbeit leistet", lacht der WM-Zehnte des Vorjahres.

Nach langem Überlegen nimmt der Kurs dann aber doch weiter Gestalt an. Nach der langen Geraden in Spa soll eine Links-Rechts-Passage her, am liebsten bergab. "Die erste Kurvenpassage in Brasilien ist gut zu fahren", erinnert sich Sutil und lacht: "Aber bitte ohne die Bodenwellen!"

Also das Senna-S in Interlagos, gefolgt von einem Infield. Nicht näher definiert, könnte überall her sein. Aus Silverstone zum Beispiel, denn Silverstone gefällt Sutil. Klar, ist ja eine Traditionsstrecke mit schnellen Kurven. Und schnelle Kurven mag Sutil sehr. Ach ja, und es regnet oft in England.

Turn 8 in Istanbul - nur andersrum

Weiter geht es mit Turn 8 in Istanbul, der ultraschnellen Vierfach-Kurve, die unendlich viel Mut und dazu eine extrem starke Nackenmuskulatur erfordert. Kein Wunder bei bis zu fünf g Fliehkraft. Turn 8 geht eigentlich links herum, aber Streckendesigner Sutil funktioniert sie kurzerhand zur Vierfach-Rechtskurve um. Passt einfach viel besser ins Layout.

Es folgt eine schnelle Passage mit einer Geraden, die auf Sutils Zeichnung relativ kurz aussieht, in Wahrheit aber Shanghai-Dimensionen von mehr als einem Kilometer Länge haben soll. Geht aber nicht, wegen des bekannten Zettel-Problems.

Also geht es schneller als erwünscht in die Doppel-Rechts aus Jerez, ähnlich den Lesmo-Kurven in Monza. Von dort aus beginnt wieder die wilde Fahrt durch die von Sutil so heiß geliebten schnellen Passagen. "Alles vierter, fünfter, sechster Gang", zeichnet er sich nahezu in Rage.

Durch die Esses in Suzuka zurück nach Spa

Im Prinzip könnte es direkt mit Vollgas in die Schlusspassage gehen, aber dann fällt Sutil ein: "Eine Schikane muss auch drin sein." Aha, und welche? "Am besten wie die in Montreal vor Start und Ziel, wo man so richtig über die Randsteine räubern kann."

Na dann räubern wir mal in den letzten Abschnitt, in dem Sutil nahezu Revolutionäres vorschwebt. "Fast immer kommt vor Start und Ziel ja eine Schikane. Das lassen wir einfach mal weg", beschließt Sutil und kehrt stattdessen noch einmal zu den schnellen Kurven zurück. "Wir kommen aus den Esses in Suzuka zurück auf die Start-und-Ziel-Gerade von Spa."

Das war eine Traumrunde mit Adrian Sutil. In verkürzter Form zwar, aber auf jeden Fall ganz nach seinem Geschmack.

Sutil: "In Abu Dhabi war es ziemlich langweilig"

Ideen wie "eine Brücke oder eine Kreuzung rein machen" werden dann beim nächsten Mal berücksichtigt. Schnickschnack wie die so oft gerühmte Schneckenkurve in Shanghai nicht. Denn: "Die sieht interessant aus, ist aber nicht schön zu fahren", erklärt Sutil. Ein Sinnbild für seine Meinung zu den meisten neuen Hightech-Strecken wie Bahrain oder Abu Dhabi.

Über das spektakuläre Abschlussrennen der vergangenen beiden Saisons hat Sutil eine besonders schlechte Meinung.

"Abu Dhabi hat mir gar nicht gefallen, da war es ziemlich langweilig", sagt er. "Trotz der breiten Strecke und der langen Geraden ist Überholen extrem schwierig. Die erste Gerade ist zu lang und die zweite zu kurz. Du saugst dich auf der ersten Gerade an den Vordermann an, kannst aber noch nicht überholen. Danach bist du zwar halbwegs dran, aber die zweite Gerade ist dann zu kurz, um vorbeizuziehen."

Probleme eines Profis, mit denen sich auch die professionellen Streckendesigner auseinandersetzen können. Wir packen unsere Zettel ein, nachdem Sutil sie - wie es sich für einen Künstler gehört - signiert hat, und überlegen uns, wie sich sein Kurs wohl im Simulator anfühlen würde.

Di Resta und Hülkenberg fahren 2011 zusammen mit Sutil

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