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Eishockey

Traum von der ersten WM-Medaille seit 68 Jahren platzt: DEB-Team verpasst Bronze deutlich

SID
Das DEB-Team verpasste die Bronzemedaille bei der WM in Riga.

Moritz Müller schossen die Tränen in die Augen. Der deutsche Eishockey-Kapitän ließ seinen Gefühlen freien Lauf, als nach dem geplatzten Gold-Traum auch Bronze unerreichbar geblieben war. Die enttäuschten Nationalspieler trösteten ihren emotionalen Anführer, der nach dem ernüchternden 1:6 (0:1, 0:4, 1:1) im kleinen Finale von Riga gegen die USA mit bandagierter Hand in Zivil aufs Eis zurückgekehrt war.

"Alle sind unglaublich traurig", sagte Müller, der im zweiten Drittel verletzt ausgeschieden war, als er sich wieder einmal in einen Schuss geworfen hatte, "in der Kabine ist kein Auge trocken geblieben. Nicht so oft kommen solche Teams zusammen, das haben alle gespürt. Auch wenn wir uns nicht belohnt haben, die Erinnerungen werden bleiben."

Innerhalb von 21 Stunden hatte die deutsche Mannschaft zweimal die historische Chance nicht genutzt und die erste WM-Medaille seit 68 Jahren verpasst. Erst äußerst unglücklich um Zentimeter, dann mit leeren Köpfen und schweren Beinen meilenweit. "Wir waren besser als Finnland", meinte Müller mit Blick auf das bittere 1:2 im Halbfinale gegen den Titelverteidiger, den das deutsche Team phasenweise an die Wand gespielt hatte: "Am Finale waren wir näher dran. Heute haben wir es vom Kopf nicht mehr hinbekommen."

Die Enttäuschung, drei Jahre nach der Silber-Sensation bei Olympia den nächsten Coup so knapp verpasst zu haben, war größer als der Stolz auf das beste WM-Turnier seit grauer Eishockey-Vorzeit. "Es tut grad brutal weh", sagte Verteidiger Korbinian Holzer, "wir wollten mehr." Und auch Topscorer Marcel Noebels fühlte sich schlecht, "wenn du an der Medaille vorbei läufst und dann blöd da stehst".

Im zehnten Spiel in 17 Tagen hatte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zum ersten Mal nicht mindestens auf Augenhöhe mit dem Gegner agieren können, weil sie "physisch und mental ausgezehrt" war, wie Müller zugab. Die Folge: nur ein Tor durch den Wolfsburger Dominik Bittner (50.), aber Gegentreffer durch Christian Wolanin (6.), Conor Garland (27.), Jack Drury (29.), Jason Robertson (32.), Trevor Moore (33.) und Ryan Donato (50.), die fast jeden Fehler bestraften und die höchste deutsche WM-Niederlage gegen den zweimaligen Weltmeister seit 1986 besiegelten.

DEB-Team stolz auf das Erreichte

Dennoch klang nach und nach auch Stolz durch. "Die Truppe ist einfach unglaublich", meinte Bundestrainer Toni Söderholm, "wir haben ein sehr starkes Fundament und ein Stück Siegermentalität entwickelt." Auch Noebels, einer von sechs Silbermedaillengewinnern von Pyeongchang im WM-Team, sah "für die Zukunft einen Riesenschritt für das deutsche Eishockey".

Edelmetall bei einer Weltmeisterschaft, das deutsche Mannschaften nur viermal vor langer Zeit gewannen, nämlich Silber 1930 und 1953 sowie Bronze 1932 und 1934, ist nicht mehr so weit weg wie in den vergangenen Jahrzehnten. Was fehlt sind "Kleinigkeiten zur Weltspitze", wie Holzer befand. Oder wie Söderholm feststellte: "Wir müssen einen Weg finden, mehr Effizienz zu kriegen."

Als Vierter der WM - wie zuletzt vor eigenem Publikum 2010 - hat die DEB-Auswahl unter dem Finnen ihren Aufschwung, den sie unter Olympia-Silberschmied Marco Sturm begonnen hatte, fortgesetzt. Sie hat sich mit fünf Siegen im Turnier - erst zum fünften Mal in der WM-Geschichte - unter den Topnationen etabliert. "Wir haben", sagte Müller und sprach allen aus dem Herzen, "unsere Komplexe abgelegt".

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