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PeacePlayers International in Belfast

SID
Jung und Alt hatten ihren Spaß beim Spring Jam Tournament in Belfast
© PeacePlayers

10 Meter hohe Mauern ziehen sich durch das nordirische Belfast und trennen in jedem Stadtviertel die protestantische und die katholische Bevölkerung voneinander. Getrennte Viertel, Bildung in getrennten Schulen, getrennter Alltag, getrennte Leben.

Nicht so beim "Spring Jam Tournament", dem Basketballturnier des Laureus Projekts "PeacePlayers International". Hier spielen Kinder aus protestantischen und katholischen Familien in gemischten Teams. "Miteinander statt gegeneinander" lautet das Motto.

Religionszugehörigkeit und Nationalität spielen hier keine Rolle. Was zählt, ist der Einsatz für das Team. Hochrot im Gesicht rennen die Mädchen aus dem Basketballteam "Nord Belfast" über das Feld, spielen sich den Ball zu, dribbeln und tricksen. Kurz: Sie spielen sich die Seele aus dem Leib. "West Belfast" versucht, dem Ansturm des generischen Teams Herr zu wehren und greift nun seinerseits an.

"Arme nach oben, den Angriff abwehren", ruft Amy ihrem Team zu. Amy ist 17 Jahre alt und katholisch. Seit sechs Jahren ist sie Teil des Laureus Projekts "PeacePlayers International" in Belfast. Aufgewachsen im katholischen Viertel im Norden Belfast traf sie erstmals im Basketballtraining auf protestantische Kids, baute Ängste und Vorurteile ab.

"Es wird sicher noch dauern"

Mittlerweile coacht sie selbst die jüngeren Projektteilnehmer, hilft im lokalen Jugendcenter aus und setzt sich auch als Schülersprecherin für mehr Toleranz und größere Offenheit ein. Amy ist das Musterbeispiel im PeacePlayers Programm. "Wir sind sehr stolz auf sie und freuen uns über ihre positive Entwicklung", erzählt Joanne Fitzpatrick, Mitarbeiterin des Projekts.

Trotzdem - die Bevölkerung Belfasts braucht Zeit. Der Nordirland-Konflikt hat nicht nur über 4.000 Menschenleben gefordert, sondern Hass und Angst zurückgelassen. "Es wird sicher noch ein oder zwei Generationen dauern, bis sich das Zusammenleben normalisiert hat. Noch fühlen sich die Menschen hier in Belfast mit den Mauern zwischen den Vierteln sicherer", erklärt Trevor Ringland.

Der frühere Rugbyspieler für die "British Lions" weiß, wovon er spricht. "Mein Vater ist Polizist. Polizisten waren während des Konflikts in der Schusslinie beider Gruppen. Wir hatten zuhause immer ein Maschinengewehr unter dem Bett. Das war normal - und auch wieder nicht. Jedes Mal, wenn mein Vater im Auto saß und den Motor startete, hatte er Angst, dass eine Bombe hochgeht."

Überraschung für Coach Amy

"Es ist einfach, eine Gruppe von Menschen zu verteufeln, die man nicht persönlich kennt und über die man nur negative Geschichten hört. Durch das Laureus Projekt bringen wir die Kinder beider Gruppen zusammen - und sie stellen fest, dass sie sich gar nicht voneinander unterscheiden. Durch die Teilnahme der Kids an unserem Programm erreichen wir auch die Eltern, die bei Turnieren aufeinandertreffen", erzählt Trevor weiter.

Nach dem Turnier halten die PeacePlayers für Coach Amy noch eine besondere Überraschung bereit: Sie erhält eine Auszeichnung und bekommt eine Plakette überreicht. Außerdem wird das Siegerteam unter den sechs Mädchenmannschaften verkündet, es ist Amys Team aus Nord Belfast.

Doch Sieger sind sie eigentlich alle.

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