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Eine statistische Unfassbarkeit

Von Florian Regelmann
Mittwoch, 01.06.2011 | 16:32 Uhr
Dirk Nowitzki und die Mavericks haben fünf Finals-Spiele in Folge gegen Miami verloren
© Getty
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Der Auftaktsieg der Miami Heat gegen die Dallas Mavericks in den NBA-Finals kam auch deswegen zustande, weil die Mavs etwas schafften, was noch kein Team geschafft hatte. Dirk Nowitzki äußert sich kritisch in Richtung eines Bankspielers. Und: Das Gerede über die soften Mavs geht schon wieder los.

Was wurde vor den Finals nicht alles diskutiert, was wurden nicht alles für potenzielle Matchups unter die Lupe genommen, was waren sich die Experten uneinig. Nur in einem Punkt, da kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von ausgehen, waren alle NBA-Experten auf diesem Planeten der gleichen Meinung: Die Bank der Mavs wird das Duell gegen die Bank der Heat gewinnen.

Im Prinzip wurde über dieses Thema aber gar nicht gesprochen, weil es eine Frage war, die sich niemand wirklich gestellt hatte. Natürlich würden die Bankspieler bei Dallas mehr produzieren. Das wäre ja logisch. Will man gehässig sein, hätte man bei Miami während der Saison immer mal wieder die Frage stellen können, ob die Heat überhaupt eine Bank besitzen.

In vielen Spielen musste man ihre Bank-Punkte mit der Lupe suchen. Miami ist ein Team, das aus drei Spielern besteht und so vielleicht sogar auch noch Meister wird. So die landläufige, überspitzt formulierte Meinung.

Nun trifft es nach wie vor zu, dass die Big Three das Heat-Spiel auf wahnsinnige Art und Weise beherrschen. Auch in Spiel 1 waren LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh wieder für 65 der 92 Miami-Punkte verantwortlich.

Die Heat-Bank mit dem Sieg der Saison

Aber: Es war aus Mavs-Sicht eben nicht in erster Linie die Leistung der Heat-Superstars, die ihnen das Genick brach. Es war die für Heat-Verhältnisse gute Leistung IHRER Bankspieler. Und die für Mavs-Verhältnisse abgrundtief schlechte Leistung IHRER Bankspieler. Mit 27:17 ging das Duell der Bänke an Miami.

Wie unfassbar das ist, sagt uns die Statistik. Es war in dieser Saison im 98. Spiel erst das achte Mal, dass die Heat-Bank mehr Punkte erzielte als die des Gegners. Und: Die Differenz von zehn Punkten war die höchste in der gesamten Saison.

Sprich: Noch kein anderes Team hatte es im gesamten Saisonverlauf geschafft, im Vergleich gegen die Heat-Reserve so deutlich den Kürzeren zu ziehen. Und dann schafft es ausgerechnet das für seine so potente Bank bekannte Dallas in den NBA-Finals. Wie heißt es so schön: Es gibt Sachen, die gibt es gar nicht.

James verteidigt Terry

"Wir sind sehr auf unsere Bank angewiesen. Die Jungs sind ein großer Bestandteil unseres Teams. Sie haben heute einfach nicht gut getroffen", meinte Jason Kidd. Es ist die Untertreibung des Jahres. Die Quote der Mavs-Bankspieler: 4 Treffer bei 22 Versuchen. Jason Terry, Peja Stojakovic und J.J. Barea tauchten komplett ab.

Besonders krass war es wieder einmal im Fall von Terry, der mit 12 Punkten in der ersten Halbzeit noch gut ins Spiel gekommen war. Bis Miami in Halbzeit zwei reagierte und eine Überraschung für Terry parat hatte. Ihr Name: LeBron James.

"Dass LeBron mich verteidigt, kam unerwartet. Aber jetzt wissen wir, dass das anscheinend zu ihrer Taktik gehört und müssen uns darauf einstellen", sagte Terry. "Wenn ich Terry oder irgendjemand anderen verteidigen muss, dann nehme ich diese Herausforderung an. Dieses Mal war es eben in der zweiten Halbzeit meistens Terry", erklärte James.

Stojakovic und Barea Totalausfälle

Es war aber nicht nur Terry, der sich schlecht präsentierte. Stojakovic steckt jetzt schon seit einiger Zeit in einer großen Wurfkrise - und vom in den Playoffs schon stark aufspielenden Barea kam diesmal auch kein Schub. Im Gegenteil. Der Puertoricaner verlor das Duell der Backup-Point-Guards gegen Mario Chalmers ganz eindeutig - auch ein Grund für die Mavs-Pleite.

"J.J. muss sich seine Zeit nehmen, wenn er in die Zone zieht. Ich hatte den Eindruck, dass er einige seiner Würfe zu überhastet genommen hat", kritisierte Nowitzki. Der deutsche Superstar, der sich zu allem Überfluss im letzten Viertel auch noch einen Sehnenriss am Mittelfinger der linken Hand zuzog, wird aber auch mit seiner persönlichen Leistung kaum zufrieden gewesen sein.

Nowitzki war mit 27 Punkten zwar Topscorer, aber er muss viel dominanter auftreten, wenn die Mavs den Titel holen wollen. Er hatte vor allem immer dann seine Probleme, wenn ihn die Heat aggressiv doppelten (1/6 FG).

Nowitzki: "Ich muss weiter attackieren"

"Ich hatte meine Möglichkeiten. Ich habe einen Layup mit der rechten Hand daneben gesetzt, mit links ist einer rausgerollt. Ich hatte gute Drives, ich muss sie einfach abschließen. Wir wissen alle, dass Haslem ein guter Verteidiger ist, wahrscheinlich einer der besten der Liga auf der Vier, aber ich muss weiter attackieren und meine Chancen nutzen, die sich mir bieten", erklärte Nowitzki.

Der 32-Jährige erklärte auch, was den Mavs in Spiel 1 wirklich die Chance auf den Sieg gekostet hat: "Was uns wirklich gekillt hat, waren die Offensiv-Rebounds." 16 Stück gab Dallas ab, selbst schnappte man sich dagegen nur sechs.

"So ein Defizit können wir uns nicht erlauben. Das sind zehn Mal mehr, dass sie den Ball haben und wir nicht", sagte Coach Rick Carlisle. Es ist die offensichtliche Schwäche der sonst so gut funktionierenden Zonen-Verteidigung, dass sie es dem Gegner leichter macht, die Bretter zu attackieren.

Kurioserweise machten die Mavs trotz dieses Nachteils noch mehr Second-Chance-Points (16:15) als Miami, aber Fakt bleibt, dass Miami 13 Würfe mehr nehmen konnte. Bei ähnlich schwachen Quoten aus dem Feld eine ganz entscheidende Zahl.

Die soften Mavs...

Wie immer, wenn die Mavs schwach spielen und verlieren, geht sofort das Gerede von der fehlenden Toughness wieder los. "Dein Team war soft, Coach. Das hättest du selbst sagen sollen", schreibt Mavs-Kolumnist Randy Galloway im "Fort Worth Star-Telegram". Seine Einschätzung: Von wegen es wäre jetzt alles anders als in den Finals 2006, es sieht schon wieder alles genauso blamabel aus wie damals.

Mindestens in einem Punkt hat Galloway Recht. Was Dwyane Wade angeht, so erinnerte dessen Leistung in der zweiten Halbzeit von Spiel 1 in der Tat frappierend an seine MVP-Galas von 2006. Aber wohlgemerkt erst in der zweiten Halbzeit. Zuvor mussten sich die Heat-Fans echte Sorgen um D-Wade machen.

In den Eastern Conference Finals hatte Wade schon gegen Chicago große Probleme gehabt, man denke an seine 9 Turnovers in Spiel 5 der Bulls-Serie. Er muss doch verletzt sein - so lautete die logische Schlussfolgerung. Wade betonte aber vor dem Finals-Start immer wieder, dass alles okay sei. Nur war zu Beginn von Spiel 1 nichts okay.

Initialzündung für Wade?

Wade wirkte ungewohnt zögerlich, verweigerte Würfe, verlor Bälle, und er vergab reihenweise Freiwürfe. "Wer ist das?", mussten sich die Fans in der American Airlines Arena zu diesem Zeitpunkt gefragt haben. Doch was danach kam, sollte den Mavs im Hinblick auf die restlichen Spiele Sorgen machen.

Wade fand seinen Rhythmus und war in der Crunchtime sowohl defensiv als auch offensiv überragend. MVP-würdig, um es kurz zu machen. "Vielleicht war das ja die Initialzündung für ihn", wünscht sich sein Trainer Erik Spoelstra.

Es war trotz einiger Highlight-Aktionen von James und Wade ein insgesamt ziemlich hässlicher Finals-Auftakt. Miami kann das gänzlich egal sein - die Heat haben die Mavs - 2006 eingerechnet - in den Finals jetzt fünf Mal in Folge geschlagen und bleiben in den diesjährigen Playoffs zu Hause unbesiegt (9-0).

Die Hoffnung für Dallas vor Spiel 2 (Freitag, 2.45 Uhr im LIVE-TICKER)? Wenn man es positiv sehen will, dann kann man sich damit trösten, dass es für die ganzen Fehler noch ganz schön eng war und man sehr viel Luft nach oben hat. Und dass die Heat-Bank ein zweites Mal mehr Punkte macht als die der Mavs, das sollte ja wohl auszuschließen sein. Sollte man zumindest meinen.

NBA: Die Ergebnisse der Playoffs im Überblick

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