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NBA

Batman & Robin zu stark für Dallas

Von Florian Regelmann
LeBron James machte zwar weniger Punkte als Dirk Nowitzki, aber Miami gewann Spiel 1 dennoch
© Getty

Kein guter Auftakt für Dirk Nowitzki in die NBA-Finals 2011. Der deutsche Superstar verlor mit seinen Dallas Mavericks Spiel 1 bei den Miami Heat mit 84:92 und verletzte sich auch noch. LeBron James und Dwyane Wade waren in der American Airlines Arena die überragenden Männer auf dem Feld. Die Heat führen damit in der Best-of-seven-Serie mit 1-0, Spiel 2 findet in der Nacht auf Freitag (2.45 Uhr im LIVE-TICKER) erneut in Miami statt.

Dirk Nowitzki lieferte mit 27 Punkten (7/18 FG, 12/12 FT) und 8 Rebounds zwar erneut gute Zahlen ab und war sogar Topscorer der Partie, aber der Mavs-Superstar tat sich gegen die formidable Heat-Defense deutlich schwerer als zuletzt und war bei weitem nicht so effektiv, wie man es in den Playoffs bislang von ihm gewohnt war.

Und es gibt noch eine schlechte Nachricht: Nowitzki zog sich im letzten Viertel einen Sehnenriss im Mittelfinger seiner linken Hand zu, als er Chris Bosh den Ball aus der Hand schlug. Sein Einsatz in Spiel 2 ist aber nicht gefährdet.

Bester Mann bei den Mavs war Shawn Marion, der das Boxscore mit 16 Punkten, 10 Rebounds, 4 Assists, 1 Steal und 1 Block füllte. Außer Nowitzki und Marion punktete bei Dallas nur noch Jason Terry (12) zweistellig.

Das Heat-Spiel war wie immer geprägt von ihren Big Three. Bosh sammelte 19 Punkte und 9 Rebounds, er stand aber klar im Schatten von den in der entscheidenden Phase groß aufspielenden LeBron James (24 Punkte, 9 Rebounds, 5 Assists) und Dwyane Wade (22 Punkte, 10 Rebounds, 6 Assists, 2 Blocks).

Das gesamte Spiel und alle User-Kommentare zum Nachlesen!

Reaktionen:

Dirk Nowitzki (Dallas): "Sie haben zwei großartige Closer, zwei der besten, die es gibt. Aber wir sind ein erfahrenes Team. Du kannst dich nicht nach einer Niederlage runterziehen lassen. Wir müssen in Spiel 2 stark zurückkommen. Ich habe es schon häufiger gesagt: Als Auswärtsteam bist du zufrieden, wenn du eines der ersten beiden Spiele gewinnst. Am Donnerstag haben wir eine weitere Chance, mit einem 0-2-Rückstand wollen wir natürlich nicht zurückfliegen."


... über seine Verletzung: "Ich werde okay sein für Spiel 2 am Donnerstag. Ich werde wohl den Rest der Playoffs eine Schiene tragen müssen, aber das sollte kein Problem sein."

Rick Carlisle (Trainer Dallas): "Wir müssen einfach insgesamt besser spielen. Und wir werden auch besser spielen, da bin ich mir sehr sicher. Wir hatten unsere Chancen. Würfe, die wir normalerweise treffen, sind nicht reingegangen."

LeBron James (Miami): "Es fühlt sich gut an, weil wir gut als Team gespielt haben. Aber wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns. Morgen bereiten wir uns schon wieder auf Spiel 2 vor und schauen, wie wir uns verbessern können."

... über Nowitzkis Verletzung: "Die linke Hand ist ja nur die Führhand, das wissen wir alle. Es wird ihn nicht beeinträchtigen. Er wird weiter großartig spielen. Er wird weiter Dirk sein."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tipoff: Wie erwartet keine Veränderungen bei beiden Mannschaften. Heißt: Miami beginnt wieder mit Bibby, Wade, James, Bosh und Anthony. Für Dallas starten Kidd, Stevenson, Marion, Nowitzki und Chandler.

7.: James klaut an der Mittellinie auf allen Vieren den Ball, steht auf, zieht in Richtung Korb und trifft den Bank-Shot. Plus Foul von Nowitzki. 10:5 Heat. Auszeit. Dallas hat sechs Würfe in Folge versemmelt. Miami ist auch nicht gut offensiv, aber wenigstens etwas besser.

12.: Defense rules! Die Mavs haben den frühen Rückstand gekontert und führen nach einem 12:5-Run nach dem 1. Viertel mit 17:16. Beide Teams mit erbärmlichen Quoten. Miami: 6/21. Dallas: 4/14. Macht 28,6 Prozent für beide Teams. Aber: 3 der 4 Mavs-Field-Goals waren Dreier.

16.: Die Zone der Mavs funktioniert bis jetzt mal wieder bestens. Einziges Problem ist das Rebounding. Dallas hat schon 6 Offensiv-Rebounds zugelassen. Nowitzki bringt die Mavs von der Freiwurflinie wieder in Front. 22:21. Dallas hat bis jetzt mickrige 5 Field Goals (4 Dreier) getroffen, führt aber trotzdem.

23.: Nach einem 7:0-Run der Mavs haut Chalmers den Dreier für die Heat rein, aber die Mavs sind jetzt voll da. Überragender Alley-oop-Pass von Kidd auf Chandler, wie oft haben die Mavs das diese Saison schon zelebriert. Slam-Dunk! Plus Foul von Anthony. Dreipunktspiel für Chandler. 41:38 Dallas.

26.: Was für ein Start für die Mavs in die zweite Halbzeit! Marion mit dem Korb, dann Nowitzki mit dem Jumper und dann versenkt Stevenson den offensten Dreier aller Zeiten! Dazwischen gab es den nächsten Dreier-Fehlwurf des völlig verunsicherten Bibby. 7:0-Run der Mavs. 51:43. Timeout Heat.

36.: LeBron James is on fire! Ein Schritt nach rechts, dann haut er mit dem Buzzer seinen nächsten Dreier rein! Spektakulär! Miami vor dem letzten Viertel mit 4 vorne. 65:61. James steht bei 19 Punkten. Die Mavs waren gut ins dritte Viertel gestartet, aber in den letzten 10 Minuten ging so gut wie nichts mehr. 22:10-Run der Heat.

45.: D-Wade! Absolut irre, was der Junge jetzt spielt. Hinten kommt er angeflogen und blockt Marion weg, Turnover Mavs. Und vorne haut er den Dreier rein! Wade übernimmt das Kommando. 82:73 Heat. Auszeit Dallas.

46.: Oh mein Gott! James dribbelt nach vorne, geht mit zwei schnellen Schritten rechts an Marion vorbei und setzt zum Tomahawk-Dunk an! Sensationell!

48.: Wade zieht noch einmal in die Zone und spielt den genialen Alley-oop-Pass auf James, noch mal lässt er es krachen. Das war das passende Finish! Miami gewinnt Spiel 1 gegen Dallas mit 92:84.

 

Der Star des Spiels: LeBron James / Dwyane Wade. Batman & Robin haben mal wieder zugeschlagen. Die Sportskameraden James und Wade haben in Spiel 1 der Finals den Unterschied gemacht. Wade startete ganz schwach, fand lange seinen Rhythmus nicht und verballerte sogar Freiwürfe in Serie, aber in der zweiten Halbzeit drehte er dann immer mehr auf. Wie er im letzten Viertel in einer Sequenz erst in der Defense mit einem Block gegen Marion für ein Highlight sorgte und dann sofort in der Offense noch einen Dreier traf, war groß. Apropos Dreier: James scheint sich zu einem Dreier-Spezialisten zu entwickeln. LeBron traf seine ersten vier Versuche von Downtown - und in der Crunchtime machte er gemeinsam mit Wade den Sack zu. Und das auf spektakuläre Weise. Der Wade-James-Alley-oop-Slam war der krönende Abschluss.

Der Flop des Spiels: Jason Terry. Es ist immer das gleiche Spiel: Die Mavs brauchen einen guten Terry. Wenn vom Sixth Man nichts kommt, wird es eng. In der ersten Halbzeit war Terry noch voll da, nach drei Dreiern stand er schon zur Pause bei 12 Punkten. Problem: Genau da stand er am Ende des Spiels auch noch. In der entscheidenden Phase kam von Terry überhaupt nichts mehr, seine negativen Höhepunkte waren ein mieser Fehlwurf von der Dreierlinie und ein extrem dummes Foul gegen Chalmers. Aber: Terry steht nur stellvertretend für die enttäuschende Mavs-Bank. Abgesehen von Haywood, der defensiv einen guten Job machte, war die sonst so potente Reserve ein Totalausfall. Barea und Stojakovic (zusammen 1/11) fanden nicht statt. Miami gewann überraschend das Duell der Bänke (27:17).

Analyse: Das Spiel war zu Beginn eindeutig von Defense geprägt. Beide Teams fanden schwer in den Rhythmus und übertrafen sich im ersten Viertel gegenseitig mit Fehlwürfen. Zusammen kamen Miami und Dallas in den ersten zwölf Minuten nur auf 33 Punkte. Im zweiten Viertel sollte sich das Bild dann ein wenig ändern. Der Touch wurde bei beiden Teams besser, auch bei Nowitzki.

Der Deutsche wurde von Miami exzellent verteidigt, die Heat gingen Nowitzki extrem physisch an - der Mavs-Superstar musste sich seine Punkte deshalb enorm hart erarbeiten. Nach einer längeren Durststrecke hatte Nowitzki kurz vor der Pause eine gute Phase, Dallas schien offensiv in die Gänge zu kommen. Nur dank einiger Dreier von Backup-Point-Guard Chalmers blieb Miami im Spiel.

Zu Beginn des dritten Viertels lief es dann noch besser für Dallas. Die Mavs erwischten einen Blitzstart und setzten sich auf acht Punkte ab (51:43). Danach verloren sie aber gegen eine letztlich an diesem Abend zu toughe Heat-Defense den Faden und machten in den nächsten 18 Minuten nur noch 18 Punkte. Angeführt von einem jetzt aufgewachten Wade drehte Miami das Spiel. Dazu kam James, der Dallas mit seinen Dreiern immer wieder Nadelstiche versetzte.

Es blieb aber eng. Im letzten Viertel hatte Dallas genug Chancen, um dem Spiel vielleicht noch eine Wende zu geben, aber Wurf um Wurf wollte nicht fallen. Es war wohl eine Mischung aus dominanter Defense der Heat, aber auch miserabler Offense bei den Mavs (37,3 Prozent Quote). So kam es dann, wie es aus Mavs-Sicht kommen musste. In der Crunchtime rissen Wade und James das Spiel an sich und führten die Heat zum Sieg. In der Regular Season hatte Miami noch Probleme gehabt, Spiele nach Hause zu bringen, in den Playoffs haben sie es jetzt raus.

Es war aber nicht nur das Duo Wade/James, das Dallas letztlich besiegte. Es gab auch andere Faktoren. So verloren die Mavs in zwei Bereichen Duelle, bei denen man eigentlich Vorteile auf ihrer Seite gesehen hatte. Miami war stärker in Sachen Bank - und in Sachen Dreier (11/24 Dreier für die Heat).

Dazu kam das große Rebounding-Problem der Mavs. Die Zonen-Verteidigung funktionierte zwar über weite Strecken wieder gut, aber dafür wurde Dallas an den Brettern richtig fertig gemacht. Die Mavs ließen 16 Offensiv-Rebounds der Heat zu, eindeutig zu viel. Abgesehen von einem starken Shawn Marion tat sich außerdem kein Spieler besonders hervor.

Nowitzki erarbeitete sich zwar haufenweise Freiwürfe und verwandelte diese gewohnt sicher (12/12), aber insgesamt war seine Performance aufgrund vieler Fehlwürfe nicht so effizient, wie man das in den Playoffs so oft bewundern konnte. Miamis Leistung war mit einer Quote von unter 39 Prozent wahrlich auch nicht berauschend, aber die Firepower ihrer Superstars reichte am Ende aus.

NBA: Die Ergebnisse der Playoffs im Überblick

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