Curry-Mentor Brandon Payne im Interview

"Kann Currys Moves nicht genießen"

Dienstag, 24.05.2016 | 15:36 Uhr
Stephen Curry
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Brandon Payne ist der Begründer von Accelerate Basketball Training und arbeitet seit fünf Jahren als Personal Coach mit Stephen Curry. Im Interview gibt Payne Einblick in seine Trainingsmethoden und erklärt, warum Curry noch besser werden wird. Außerdem spricht er über die Methoden von Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner und prophezeit Dennis Schröder eine Starterrolle in der NBA.

SPOX: Mr. Payne, Sie sind seit fünf Jahren der Personal Coach von Stephen Curry. Wie fing eigentlich alles an?

Payne: Wir haben uns während des Lockouts 2011 kennengelernt. Er hatte eine Knöchelverletzung und absolvierte in Charlotte sein Aufbautraining. Ich arbeitete parallel gerade mit Gerald Henderson. Da schrieb Gerald mir eines Morgens eine SMS und fragte, ob es okay wäre, wenn er Steph Curry mitbringen würde. Ich habe mich dann an dem Tag viel mit ihm beschäftigt, ihm einiges abverlangt und er hatte Spaß. Ich habe ihm dann meine Nummer gegeben und gesagt, dass er sich melden soll, wenn er Lust hat, das Ganze zu intensivieren. Er hat mich dann noch am gleichen Abend angerufen und gefragt, ob wir uns am nächsten Morgen um 7 Uhr in der Halle treffen können. Und seitdem arbeiten wir zusammen.

SPOX: Vielleicht können Sie uns ein bisschen Ihre Trainingsphilosophie näherbringen. Was macht Ihre Methoden so einzigartig?

Payne: Wir haben uns eine Menge Gedanken gemacht, viele Sachen recherchiert und uns einen eigenen Plan gemacht. Wir nähern uns der Spielerentwicklung aus jedem Winkel. Dabei geht es nicht allein darum, was wir auf dem Platz machen, sondern auch im Kraftraum. Wir arbeiten viel an der Verbindung zwischen Hirn und Körper. Wir fassen das unter dem abstrakten Begriff "Neuromuskuläre Effizienz" zusammen. Unser Ziel ist es, dass Hirn und Körper so gut es geht zusammenarbeiten. Wir nutzen dafür jede Menge Technik und arbeiten mit sehr anspruchsvollen Drills, die vielleicht auch mal überfordern können.

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SPOX: Das klingt alles sehr wissenschaftlich.

Payne: Ja, aber eigentlich geht es gar nicht so sehr darum, was an unseren Methoden so einzigartig ist, sondern vielmehr darum, was an Steph so einzigartig ist. Er ist so detailversessen, ein absoluter Profi bei allem, was er macht. Er verschwendet nicht eine Sekunde im Training und deswegen verbessert er sich kontinuierlich. Mit dem gleichen Hunger, den er auf dem Feld hat, saugt er neues Wissen auf. Er nimmt sich Zeit zu verstehen, was wir von ihm wollen, stellt Fragen und erkennt so den Nutzen hinter manchmal merkwürdig anmutenden Drills.

SPOX: Ich habe über den FitLight-Trainer gelesen, den Sie entwickelt haben. Wie funktioniert der?

Payne: Wir versuchen damit, eine Spielsituation zu simulieren. Steph sieht sich in einem Spiel so vielen Situationen ausgesetzt. Verschiedene Verteidiger, die verschiedene Sachen probieren - das FitLight gibt uns die Möglichkeit, Entscheidungen bei ihm zu forcieren. Er muss einfach schnell reagieren. Wir gehen meistens zwischen unseren Shooting Drills für rund eine Minute an den FitLight Trainer. Er muss auf die verschiedenfarbigen Lichter reagieren und dann das abspulen, was bei den verschiedenen Lichtern von ihm verlangt wird. Wir können dann beeinflussen, wie schnell er reagieren muss und ihn somit immer weiter pushen.

SPOX: Und dann gibt es noch die Strobe Glasses, eine verdunkelte Brille. Was hat es damit auf sich?

Payne: Wir nutzen die Brille bei verschiedenen Drills. Uns ist ganz wichtig, dass wenn wir Technologie in unseren Workouts verwenden, wir dabei nicht langsamer werden. Mit der Brille werden alle Drills natürlich schwieriger. Der Spieler konzentriert sich dadurch aber mehr auf die Übung und verinnerlicht die Abläufe besser. Das kann er dann in sein Spiel transportieren und es macht alles ein wenig einfacher. Steph nutzt die Brille auch gerne in Shooting Drills, um Contested Jumper zu simulieren.

SPOX: Sind Sie eigentlich auch erstaunt, über die Entwicklung, die Curry von der letzten zur aktuellen Saison genommen hat?

Payne: Erstaunt? Nein! Wir haben im Sommer so viel gearbeitet und er ist jeden Tag besser geworden. Das war unser Ziel. Ich habe vielen Leuten vor der Saison gesagt, dass Steph um einiges besser sein wird als in der Vorsaison und sie wollten mir nicht glauben. Aber wir haben so hart gearbeitet und hatten eine Menge Zeit. Von daher war das für mich keine große Überraschung. Ich wäre auch nicht geschockt, wenn er sich im Sommer noch mal stark verbessern würde. Er kommt jetzt in ein Alter, in dem ihm die Dinge physisch einfacher fallen. Er wird jetzt physisch stärker, ohne weiter den ganzen großen Aufwand im Kraftraum betreiben zu müssen. Steph hat Blut geleckt. Er hat den Titel und zwei Mal die MVP-Trophäe gewonnen. Das treibt ihn weiter an. Deswegen werden wir im Sommer noch härter arbeiten.

SPOX: Jedes Dribbling von Curry sieht so einfach aus. Es ist immer eine flüssige Bewegung vom Dribbling bis zum Wurf. Sind Sie manchmal auch überrascht über einige Moves, die er zeigt? Oder ist das nach all den Jahren Training völlig normal für Sie?

Payne: Wenn man es jeden Tag im Training sieht, ist man nicht mehr geschockt, aber das macht es nicht weniger beeindruckend. Es ist immer noch total beeindruckend, gerade wenn er so einen Run startet wie in Game 2 und das Spiel in zwei Minuten entscheidet. Ich kann es vielleicht nicht so genießen, wie die anderen Leute es können, weil es für mich Arbeit ist. Aber ich habe mir wirklich vorgenommen, es zu tun, denn es ist wirklich einzigartig.

SPOX: Eigentlich wollten Sie Ihre Methoden während der Coaches Clinic im Rahmen des Final Fours in Berlin vorstellen, aber Sie konnten nicht kommen, weil Sie mit Curry gearbeitet haben.

Payne: Ja, nach der Knieverletzung wollte ich bei ihm in Golden State sein. Daher ging das nicht. Ich bin verantwortlich für ihn und will immer da sein, wenn er meine Hilfe benötigt. Für ihn ging es einfach darum, so schnell wie möglich zurückzukommen und dabei andere Dinge wie sein Ballgefühl nicht zu vernachlässigen.

Seite 1: Payne über Currys Arbeitseifer und ungewöhnliche Trainingsmethoden

Seite 2: Payne über Probleme mit anderen NBA-Spielern, Geschwindner und Schröder

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