Donnerstag, 19.05.2016

Die Warriors und Thunder nach Game 2

Wenn ein Spiel nur zwei Minuten dauert

Game 2 der Western Conference Finals zwischen den Golden State Warriors und den Oklahoma City Thunder schien einen ähnlichen Verlauf zu nehmen wie das Auftaktspiel. Dann kam Stephen Curry und zerstörte die Gäste in nur 2 Minuten. Dabei haben der MVP und sein Team aus den Fehlern der Niederlagen gelernt - mal wieder. Spiel 3 der Serie gibt es in der Nacht auf Montag (2 Uhr) im LIVESTREAM FOR FREE.

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In den Western Conference Finals geht es grundsätzlich hart zur Sache - da bildet auch die Serie zwischen den Warriors und OKC keine Ausnahme. Auch auf einen doppelten MVP wird da keine Rücksicht genommen. Bis zur Mitte des dritten Viertels wurde Steph Curry mehrere Male zu Boden gestreckt, worunter sein Wurfrhythmus zu leiden schien. Zur Halbzeit hatte er erst 7 Abschlüsse auf dem Konto, im zweiten Viertel bleib er komplett ohne Punkt. Dann kam das dritte Viertel.

Es standen noch 7:09 Minuten auf der Uhr, als Curry einen freien Dreier zum 67:57 traf - soweit nichts Ungewöhnliches. Doch da der Chefkoch auch über einen Mikrowellen-Modus verfügt und nur einen Knopfdruck braucht, um heiß zu laufen, war das der Startschuss eines beeindruckenden Runs. Nach seinem Dreier versenkte er zunächst 4 Freiwürfe am Stück, als gebe es nichts Leichteres. Es folgte ein weiterer Dreier, ein Pullup-Jumper, bei dem seine Fußspitze unglücklicherweise auf der Linie stand - und abschließend noch ein lässiger Triple.

So hatte Curry in gerade einmal 2:02 Minuten die kompletten OKC-Hoffnungen auf einen weiteren Auswärts-Coup zerstört - mit einem 15:2-Run, alleine gegen ganz Oklahoma. "Was soll ich da noch sagen", kratzte sich Head Coach Steve Kerr nach dem Spiel am Kopf, "der MVP macht Dinge, die ein MVP so macht."

Curry und der Tennisball

Dabei mussten die erneut lautstarken Fans in der Oracle Arena noch im zweiten Viertel um ihren Liebling bangen. Curry jagte einem Loose Ball hinterher, machte auch vor der ersten Zuschauerreihe nicht halt, sprang kurzerhand über diese rüber - und landete unsanft zwischen zwei Stuhlreihen. Und da einige Fans es für eine gute Idee hielten, ein paar Selfies zu machen, anstatt ihm aufzuhelfen, zog sich das Bangen in die Länge, ehe der Warrrior wohlbehalten wieder aufstand.

So ganz ohne Blessuren ist er aber nicht davon gekommen: "Mein Ellenbogen sieht so aus, als würde ein Tennisball dran kleben. Aber das ist oberflächig, nichts Wildes", kommentierte der Scharfschütze, der sich in den diesjährigen Playoffs nun schon sein drittes Körperteil verletzt hat.

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Diese Rettungsaktion blieb zwar ohne Wirkung (er hatte den Ball nicht rechtzeitig erwischt), war aber bezeichnend für den Auftritt des Titelverteidigers in Game 2: Vorbei war die Fahrlässigkeit beim Rebound, die lässigen Behind-the-Back-Pässe zum Gegner, die wilden Dreier ohne Aussicht auf Erfolg - so reagiert man auf eine Niederlage.

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Pick'n'Roll? Nein, danke!

Ein Blick auf den Saisonverlauf verrät, dass der wichtige Sieg durchaus zu erwarten war. Die Dubs haben in der laufenden Spielzeit noch nie zweimal in Folge verloren - ein Indiz dafür, wie gewissenhaft sie nach verlorenen Matches die Fehler analysieren und beheben.

In Game 1 hatten sie noch erhebliche Probleme mit der starken Pick'n'Roll-Defense der Thunder. Auch Curry verfing sich mit mehreren Pässen in den langen Armen der Double Teams. Anstatt nun nach komplizierten Lösungsansätzen zu suchen, entschied sich Steve Kerr dafür, nahezu komplett darauf zu verzichten - Problem gelöst. Anstelle des Blockens und Abrollens setzten die Dubs auf schnelles Ball Movement, ließen den Ball von links nach rechts laufen, stellten Screens für die Schützen abseits des Balles und kamen so zu freien Würfen. Am Ende betrug die Ausbeute 50 Prozent aus dem Feld sowie 46 Prozent von Downtown.

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"Es ist schwer gegen sie, in einen Rhythmus zu finden, wenn wir den Ball nicht laufen lassen. Das haben wir heute besser gemacht als im letzten Spiel", so Matchwinner Curry. Gleiches funktionierte auf der anderen Seite weniger gut, wo besonders Kevin Durant die Fehler unterliefen, die Curry noch in Spiel 1 gemacht hatte.

Denn als die Dubs merkten, dass sie der Durantula im Eins-gegen-Eins nicht beikommen würden, ließen sie teilweise Triple-Teams auf den MVP von 2014 los, der sich mit seinen unpräzisen Pässen in den zahlreichen Armen verfing (8 Turnovers). "Sie haben teilweise mit drei Leuten getrappt und ich habe den Ball in ihre Hände gepasst. Das darf mir nicht passieren. Vielleicht ist es besser, einfach über alle drei hinwegzuwerfen. Ich muss schlauer spielen", zeigte sich KD selbstkritisch.

"Höhe der Niederlage spielt keine Rolle"

Am Ende hatte OKC zwar nur 3 Turnovers mehr auf dem Konto als die Hausherren (15 gegenüber 12). Dass der Vorsprung trotzdem so hoch war, lag auch an der etwas überraschenden Dominanz der Warriors beim Rebound. Sie gewannen das Duell an den Brettern mit 45:36, bei den offensiven Abprallern lagen sie sogar mit 15:7 vorne - obwohl die Thunder erneut phasenweise mit Enes Kanter und Steven Adams auf dem Feld sehr groß spielen ließen.

Stephen Curry: Die Karriere in Bildern
Das Basketballspielen wurde Stephen Curry in die Wiege gelegt, schließlich war schon sein Vater Dell Curry in der NBA aktiv.
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Bereits bei seinem eher unbekannten College-Team, den Davidson Wildcats, war der Point Guard nur schwer zu stoppen. In drei Uni-Jahren legte er im Schnitt aber mehr als 25 Punkte auf
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Bereits bei seinem eher unbekannten College-Team, den Davidson Wildcats, war der Point Guard nur schwer zu stoppen. In drei Uni-Jahren legte er im Schnitt aber mehr als 25 Punkte auf
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Dort wurde er mit dem 2011 gedrafteten Klay Thompson zusammengeführt, mit dem er seitdem die Splash Brothers bildet. Logisch, dass ein Spitzname bei dem starken Shooting der beiden nicht lange auf sich warten ließ
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Dort wurde er mit dem 2011 gedrafteten Klay Thompson zusammengeführt, mit dem er seitdem die Splash Brothers bildet. Logisch, dass ein Spitzname bei dem starken Shooting der beiden nicht lange auf sich warten ließ
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Nach seinem zweiten Platz beim Rookie of the Year Award 2010 war er auch als Sophomore weiter erfolgreich. In seiner zweiten Saison gewann er die NBA Skills Challenge und zeigte, dass mit dem Ball nur wenige so gut umgehen können, wie er
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Doch gleich mehrere Knöchelverletzungen ließen Zweifel an Currys Profisport-Tauglichkeit aufkommen. In der Saison 2011/2012 konnte er nur 26 Spiele bestreiten
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Aber die Warriors glaubten an ihn und Curry unterschrieb eine Rookie-Extension über vier Jahre und 44 Mio. Dollar, die für das Team nicht ohne Risiko war. Doch in der Saison 2012/2013 folgte der endgültige Durchbruch...
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Curry wurde die Ehre zuteil, bei seinem ersten All-Star-Game direkt zu starten. Schnell zog er in der Gunst der NBA-Fans an Point-Guard-Liebling Chris Paul vorbei
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In der Postseason 2013 sorgten die Dubs für Aufsehen, als sie die Spurs um Spielmacher-Legende Tony Parker an den Rand der Niederlage brachten
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Durch seine starken Leistungen in der besten Basketballliga der Welt wurde Curry auch beim Team USA einer der wichtigsten Spieler. Zwar fehlt ihm noch Olympiagold, aber zwei Weltmeistertitel darf er bereits sein Eigen nennen
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Dass Curry der beste Distanzschütze der Association ist, stellte er beim Dreier-Contest 2015 unter Beweis. Mit 286 getroffenen Longballs in der Saison verbesserte er zudem seinen eigenen Rekord
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Im Rennen um den MVP Award setzte sich Curry mit einer bockstarken Saison gegen LeBron James und James Harden durch. Adam Silver überreichte ihm die Trophäe während der Playoffs 2015
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Auch privat läuft es für den Superstar. 2011 Heiratete er seine langjährige Freundin Ayesha Alexander...
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Nach einer Saison mit 76 Siegen spielten sich die Warriors 2015 in die Finals, wo es zu einem erbitterten Kampf mit den Cleveland Cavaliers kam
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Am Ende siegte Golden State mit 4-2 und holte die erste Championship seit 40 Jahren nach Oakland. Andre Iguodala, der die Kreise von LeBron James enorm einengte, wurde zum Finals-MVP gekürt - und Curry freute sich mit ihm
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2015/2016 läuft noch besser: Die Warriors jagen aktuell den 72-Siege-Rekord der Bulls (1995/1996) und haben schon 59 Erfolge auf dem Konto
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In dieser Saison hat sich Curry noch einmal verbessert und schon bis Anfang März 300 Dreier eingenetzt. Und das bei einer Quote von 46 Prozent
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Auch individuell stößt Curry in neue Sphären vor: Mit 30,4 Punkten pro Spiel, einem PER von 32,2, einem True Shooting von 67,9 Prozent sowie 13,9 Win Shares ist der MVP auf dem Weg zu einer historischen Saison
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Zum besten Spieler des Planeten hat es Curry vor allem dank seines Arbeitseifers geschafft. Und die Konkurrenz hat jetzt schon Angst davor, der Chef könnte in den nächsten Jahren noch stärker werden...
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"Wir können uns es nicht leisten, beim Rebound zuzuschauen und zu hoffen, dass der Ball zu uns kommt. Wir müssen alles in die Zone werfen und hinter jedem Ball hinterher gehen, dann können wir die Größennachteile ausgleichen", erklärte Draymond Green das Erfolgsrezept. Allerdings profitierte sein Team davon, dass es ungewöhnliche viele lange Rebounds fast bis zur Dreierlinie gab - und dort spielt die Länge beim Kampf um den Ball eher eine sekundäre Rolle.

Doch bei all der neu entfachten Euphorie beim Champion sollte nicht vergessen werden, dass der Heimvorteil trotzdem bei OKC liegt - und dass Thunder-Coach Billy Donovan in der Lage ist, auch auf das Pick'n'Roll-lose Spiel der Warriors eine defensive Antwort zu finden. Denn schon die Serie gegen die Spurs hat gezeigt, dass seine Gameplans durchaus unterschützt werden.

"Die Serie steht jetzt 1-1. Ganz einfach. Die Höhe der Niederlage spielt keine Rolle. Beide Teams haben jetzt genug Zeit, um sich auf Spiel 3 vorzubereiten. Deshalb wird es ganz anders bei uns in Oklahoma City", so Donovan. Damit wieder alles besser wird, sollten er und seine Jungs dafür sorgen, dass Game 3 länger dauert als nur 2 Minuten.

Der Spielplan im Überblick

Thorben Rybarczik

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