Marcel Schmelzer: Arjen Robbens Albtraum

Von Jochen Tittmar
Dienstag, 08.05.2012 | 19:49 Uhr
Marcel Schmelzer (l.) zeigte gegen Arjen Robben bislang immer sehr starke Leistungen
© Getty
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Linksverteidiger Marcel Schmelzer erwischte einen Seuchenstart in die Saison bei Borussia Dortmund und war im DFB-Team nur noch dritte Wahl. Doch in der Rückrunde ließ er reihenweise starke Leistungen folgen - mit etwas Glück winkt ihm bei der EM 2012 sogar der Stammplatz in der Nationalmannschaft.

Wie hässlich muss das im ersten Augenblick sein? Da wird man Deutscher Meister, es brechen alle Dämme, Emotionen, Bierduschen, Jubel überall - und mittendrin wird Marcel Schmelzer zur Dopingprobe abgeführt.

Dortmunds Linksverteidiger hatte nach dem entscheidenden Spiel gegen Gladbach, zugleich seine beste Partie in dieser Saison, das Pech, aus dem Lostopf der Kontrolleure gezogen zu werden. Doch wie zuvor auf dem Rasen präsentierte sich Schmelzer auch am Becher in Bestform und erledigte das notwendige Prozedere in Rekordtempo.

Schmelzer ohne Einheit im Trainingslager

Zurück auf dem Spielfeld platzte dann die Freude dermaßen aus ihm heraus, dass er in den Spross (5) von BVB-Physiotherapeut Peter Kuhnt hineinrannte und den Kurzen zum Weinen brachte.

Dieses Auf und Ab nach jenem Schlusspfiff steht ein wenig als Sinnbild für Schmelzers gesamte Saison. Die Zuverlässigkeit seines Körpers, die ihn im Vorjahr keine einzige Bundesligaminute verpassen ließ, war besonders im ersten Abschnitt der soeben abgelaufenen Spielzeit abhanden gekommen.

"Ich hatte schon am Ende der letzten Saison leichte Beschwerden, habe es aber durchgezogen", gibt Schmelzer heute zu. Das Ergebnis war eine komplizierte Sehnenreizung am linken Hüftmuskel, die letztlich einen Hüftschiefstand und Rückenprobleme verursachte, die dann auch noch ins Knie ausstrahlten. Im Trainingslager war der 24-Jährige während des gesamten Aufenthalts in der Schweiz zum Zuschauen verurteilt.

"Ich kam nie auf 100 Prozent"

Kaum hatte Trainer Jürgen Klopp Schmelzer wieder ans Mannschaftstraining herangeführt, rissen seine Muskelfasern zweimal in Serie.

Ein Seuchenstart für den einstigen Dauerbrenner, der ihn jedoch nicht davon abhielt, sich kaum halbwegs genesen immer wieder zur Verfügung zu stellen. Doch in seinen Leistungen der Hinserie blieb Schmelzer wenig überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück, die er mit seinen couragierten Auftritten im Meisterjahr 2011 schürte.

Die Selbstverständlichkeit war weg. Besonders die Partien in der Champions League offenbarten, dass Schmelzer im ständigen Drei-Tages-Rhythmus nur rudimentär an seiner Athletik arbeiten konnte. "Ich kam nie auf 100 Prozent", sagt er.

Löw entscheidet sich gegen Aogo und für Schmelzer

Diesem Umstand trug auch Joachim Löw Rechnung und schickte Schmelzer in den acht Länderspielen der Saison nur 45 Minuten gegen Polen (2:2) aufs Feld. Der Hamburger Dennis Aogo stand als erster Vertreter von Philipp Lahm nun höher in der Gunst des Bundestrainers.

Ebenjener Aogo muss jetzt jedoch konstatieren: "Der Bundestrainer begründete, er hätte sich aufgrund der Situation im Verein für Marcel Schmelzer entschieden."

Während Aogo mit den Rothosen von einer schwachen Vorstellung in die nächste stolperte, setzte Schmelzer mit Dortmund zur besten Rückrunde an, die je eine Mannschaft in der Bundesliga absolvierte.

Formanstieg in der Rückrunde

Den Grundstein dafür legte er im Wintertrainingslager in Spanien. Der Körper machte ihm nun endlich keinen Strich mehr durch die Rechnung, so dass Schmelzer die für sein laufintensives Spiel nötige Substanz aufbauen konnte.

Lediglich 118 Minuten verpasste er seitdem und hat nun "ein ganz anderes Körpergefühl als in der Hinrunde. Ich vertraue meinen Muskeln, kann 90 Minuten laufen."

Mit einigen grundsoliden Auftritten näherte er sich seiner Bestform, die pünktlich zu den drei wichtigen Partien gegen den FC Bayern, Schalke 04 und Mönchengladbach ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Dortmunds linke Malocherseite mit Schmelzer und Kevin Großkreutz, die im Gegensatz zu ihrem Pendant auf rechts für weniger Offensivspektakel steht, nahm nacheinander Arjen Robben, Jefferson Farfan und Marco Reus die Luft aus den Reifen.

Schmelzer vs. Robben, Teil 4

Was bei ihm besonders auffiel: Schmelzer spielt wieder mit breiter Brust, das Vertrauen in den Körper ließ die Sicherheit in seine Fähigkeiten anwachsen.

"Selbstvertrauen ist wichtig. Das lässt sich lernen. Man wiederholt die Dinge, die man gut kann und irgendwann verinnerlicht man sie. Dann gehst du in einen Zweikampf und weißt, du gewinnst ihn. Das jedenfalls spürt der Gegner, durch Körpersprache und die Art, wie du in die Zweikämpfe gehst", so Schmelzer.

Diese Aussagen dürften zusammen mit Schmelzers zuletzt gezeigten Leistungen höchste Alarmbereitschaft bei Bayerns Robben hervorrufen. Das Duell der beiden findet am Samstag beim DFB-Pokalfinale (19.45 Uhr im LIVE-TICKER) zum vierten Mal in Serie statt.

Stammplatz bei der EM?

Schmelzer verbiss sich dabei jedes Mal dermaßen in seine Aufgabe, dass er dem Holländer nicht einmal den Raum gestattete, den dieser braucht, um seine Schnelligkeitsvorteile im direkten Aufeinandertreffen auf die Strecke zu bringen. Traf Robben bislang auf Schmelzer, sah der Münchner kein Land.

Die Belohnung für die starke Rückserie bekam der gebürtige Magdeburger am Montag: Löw nominierte in Schmelzer den einzigen "echten" Linksverteidiger, der im vorläufigen EM-Aufgebot steht.

Dies spricht zwar dafür, dass der Bundestrainer weiterhin mit Lahm auf der linken Abwehrseite plant und in der Vorbereitungsphase die Baustelle auf der Rechtsverteidigerposition noch zuzuschütten versucht. Sollte dieser Plan aber misslingen und Lahm wie auch bei den Bayern rechts spielen, hätte es Schmelzer selbst in der Hand, bei der Endrunde zum Stammspieler aufzusteigen.

Und dafür würde er sicherlich noch die eine oder andere Dopingprobe in Kauf nehmen.

Marcel Schmelzer im Steckbrief

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