Fussball

Die Arbeit des Aufbauhelfers

Die Truppe von Borussia Dortmund vor einer Trainingseinheit in Bad Ragaz
© imago

Sicheres Passspiel mit automatisierten Abläufen in engen Räumen war einer der Schwerpunkte, auf den Borussia Dortmunds neuer Trainer Thomas Tuchel während des Trainingslagers im schweizerischen Bad Ragaz Wert legte. Wie gab sich "Aufbauhelfer" Tuchel als Coach auf dem Platz und wie sahen seine Übungen aus? SPOX war vor Ort und bietet einen Einblick - inklusive Bewegtbildmaterial.

Tuchel und sein Selbstverständnis als "Aufbauhelfer"

Borussia Dortmund hat zum Abschluss des Trainingslagers in der Schweiz am Samstag das erst seit wenigen Tagen im Training befindliche Juventus Turin mit 2:0 geschlagen. Als bloßes Ergebnis während der Vorbereitungsphase nicht mehr als ein Muster ohne Wert.

Die Art und Weise, wie es zustande kam, ließ BVB-Trainer Thomas Tuchel aber sagen: "Wir fahren mit einem sehr guten Gefühl nach Hause, weil wir es geschafft haben, aus einer sehr guten Woche eine Top-Woche zu machen."

Tuchel war die Bestätigung wichtig, dass seine Mannschaft die neuartigen Einflüsse auch nach vier Wochen gemeinsamer Zusammenarbeit vernünftig kanalisiert und die Entwicklungskurve nach oben zeigt.

Neues soll zur Gewohnheit werden

"In der Kompaktheit der Reihen kam das unseren Vorstellungen sehr nahe", fuhr Tuchel fort. Auch im Passspiel und Gegenpressing harmonierte sein Team schon sehr ordentlich.

Dennoch ist der Neustart beim BVB weiterhin in vollem Gange. Es stürzt aktuell viel Ungewohntes auf die Mannschaft ein, was sowohl an der Andersartigkeit des neuen Trainers, als auch schlicht an der Tatsache liegt, dass nach sieben Jahren nun eben eine andere Person als zuvor an der Seitenlinie steht.

Tuchels Schwerpunkte, das haben die Einheiten in Bad Ragaz gezeigt, liegen eindeutig auf einem effektiven Passspiel - verbunden mit der Frage, in welchen Bereichen des Spielfelds es sein Personal am besten aufziehen kann. Der Coach möchte das Passen, Prallen lassen, Drehen und Wenden in unübersichtlichen und engen Spielsituationen zur Gewohnheit werden lassen.

"Aufbauhelfer" Tuchel: "Ich bin ja Trainer"

Damit soll ein im Spieler verankerter Automatismus entstehen, dem man baldmöglichst intuitiv folgt: Nämlich immer eine Option für ein sicheres Abspiel zu besitzen und zugleich zu wissen, in welchen Räumen man sich dafür aufhalten muss.

Tuchel begann damit zunächst im Kleinen. Es ging ihm darum, den Spielern die Sinnhaftigkeit eines Passes zu erklären: Mit welchem Fuß passe ich? In welcher Schärfe? Auf welchem Fuß meines Mitspielers soll der Pass ankommen? In welche Bereiche des Spielfelds darf ich hinein spielen? In der Schweiz goss Tuchel dies nun in diverse Spielformen, die allesamt auf minutiös abgesteckten Feldern abgehalten wurden.

Wenn man Tuchel beim Arbeiten zuschaut, wird schnell deutlich: Dieser Coach packt überall mit an - weil dies schlicht seiner Definition des Trainerjobs entspricht. "Ich bin ja Trainer", sagte er vergangenen Montag mit einer Mischung aus Verwunderung und Rechtfertigung in der Stimme.

Tuchel und Michels bauen gemeinsam auf

Tuchel wurde gefragt, weshalb er schon weit vor dem Start der Einheiten am Platz aufwartet und gemeinsam mit seinem Co-Trainer Arno Michels die Spielfelder beinahe pedantisch drapiert und absteckt (siehe Video 1).

In Tuchels Selbstverständnis jedoch ein alternativloser Vorgang. Es könne schließlich vorkommen, dass eine zuvor in der Theorie festgelegte Spielfeldgröße sich auf dem Rasen plötzlich doch zu groß oder klein anfühle.

Und so kommt es, dass man Tuchel und Michels in trauter Zweisamkeit sowie mit Bändern und Stangen unter den Armen den Platz so lange abschreiten sieht, bis die idealen Räume gefunden sind, die wenig später mit einer Vielzahl an Spielern geflutet werden sollen.

Seite 1: Tuchel und sein Selbstverständnis als "Aufbauhelfer"

Seite 2: Passspiel- und Pressingübung - Tuchel als laustarker Kommandeur

Seite 3: Verteidigungsverhalten: Dauerfeuer mit Wettbewerbscharakter

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