Bundesliga: Ilja Kaenzig exklusiv

Investoren: Die Totengräber des Fußballs?

Von Interview: Haruka Gruber
Mittwoch, 12.11.2008 | 11:28 Uhr
Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch mit Freundin Daria Zhukowa
© Imago
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Alles nur Idioten, Mafiosi und Kriminelle - oder doch nicht? Fußball-Investoren vom Schlage eines Roman Abramowitsch sind steinreich und gleichzeitig höchst umstritten. Vor allem in Deutschland, wo durch die 50+1-Regelung nach wie vor verhindert wird, dass ein Investor mehr als die Hälfte der Anteile - sprich 50 Prozent plus eine Stimme - eines Vereins übernehmen kann.

Dennoch hat sich Ilja Kaenzig, ehemaliger Manager bei Bayer Leverkusen und Hannover 96, mit der Firma "Boutique Football" darauf spezialisiert, als Vermittler interessierte Unternehmer mit Fußball-Klubs zusammenzuführen. Wenn die 50+1-Regelung aufgehoben wird, könnte seine große Stunde in Deutschland schlagen.

Im SPOX-Interview spricht der 35-Jährige über Mega-Takeovers, einen widersprüchlichen Uli Hoeneß und das goldene Näschen von Flavio Briatore und Bernie Ecclestone.

SPOX: Herr Kaenzig, wollen Sie Paris Hilton zum Fußball locken?

Ilja Kaenzig: Wie bitte?

SPOX: Oder warum haben Sie Ihre Firma Boutique Football genannt?

Kaenzig: Heute würden wir uns vielleicht einen anderen Namen geben (lacht). Als wir vor zwei Jahren Boutique Football gegründet haben, spielten andere Überlegungen eine Rolle. Der Begriff Boutique steht in der Wirtschaft nämlich für ein hochspezialisiertes Unternehmen. Jetzt denken die Leute aber nicht mehr an die Finanzwelt, sondern an Lampenlicht und Glamour. Aber gut, dass in unserem Geschäft der Firmenname eine nicht so wichtige Rolle spielt. Es läuft über Kontakte und Netzwerke. Es ist ein People Business.

SPOX: Erklären Sie uns Ihr Geschäftsmodell.

Kaenzig: Ganz simpel formuliert: Wir wollen Klubs und Investoren zusammenführen. Boutique Football soll eine Schnittstelle sein für die Fußball- und Finanzwelt, denn wir verstehen die Sprache beider Welten.

SPOX: Sie möchten demnach in die Fußstapfen von Tausendsassa Pini Zahavi treten, der den Kauf des FC Chelsea durch Roman Abramowitsch eingefädelt hat?

Kaenzig: So ungefähr. Wobei man natürlich sagen muss, dass das Beispiel FC Chelsea fast schon einzigartig ist. Als ob Abramowitsch ein Gemälde gekauft hätte, das es nur einmal gibt. Und Pini Zahavi hat mit dem Deal sicherlich für seine Rente ausgesorgt (lacht).

SPOX: Sie gehen es also eine Nummer kleiner an?

Kaenzig: Für Investitionsprojekte, die ein Volumen von bis zu 500 Millionen Euro haben, kommen weltweit höchstens zwei Dutzend Vereine in Frage. Für den Bereich von 30, 40 bis 100 Millionen hingegen entsteht derzeit ein sehr großer Markt aus Klubs, die sich gut vorstellen könnten, mit Investoren zusammenzuarbeiten. Eine Konstellation, die es vor drei Jahren im Fußball noch nicht gab.

SPOX: Es geht also um die mittelgroßen und kleinen Klubs?

Kaenzig: Genau. Die in den Medien thematisierten Mega-Takeovers sind ja nur Sonderfälle, an denen man sich selbstverständlich gerne beteiligen würde. Das richtige Geschäft fängt aber in der Masse an - und sie wächst und wächst. Wir sind aktuell erst am Anfang. In naher Zukunft wird das Thema Investitionen im Fußball neue Dimensionen erreichen.

SPOX: Ein Beispiel?

Kaenzig: Sogar ein farbenfrohes Beispiel: die Queens Park Rangers. Wir waren vor zwei Jahren die ersten, die mit dem Klub verhandelt haben. Damals waren wir aber etwas zu früh dran und kein Investor hat sich für den Verein interessiert, obwohl er nur ein Spottpreis gekostet hätte. 

SPOX: Dann kamen Flavio Briatore und Bernie Ecclestone.

Kaenzig: Sie hatten das richtige Timing und haben die Beziehungen spielen lassen. Die Rangers hatten schon eine perfekte Lage, direkt in der Nähe des Westend. Dann kamen die zwei, haben den Verein gekauft, Logen bauen lassen, die Stadionnamensrechte verkauft, einen Ausrüster gefunden, und und und. Jetzt vergnügen sich die Schönen und Reichen bei den Rangers - obwohl der Verein noch Zweitligist ist. Wenn es mit dem Aufstieg klappt, wird der Wert des Klubs locker auf über 100 Millionen steigen. Und das für einen Kaufpreis von vielleicht einer Million. Sie sehen: Der Markt ist hochinteressant.

SPOX: Dementsprechend unzufrieden müssen jedoch Sie mit der DFL sein, die letzten Monat die Bundesliga-Vereine dazu geraten hat, weiterhin an der 50+1-Regelung festzuhalten.

Kaenzig: Wir werden sehen, wie es weitergeht.

SPOX: Klingt nicht allzu verärgert. Dabei wird wegen der Empfehlung der DFL die Übernahme von Klubs durch Großinvestoren doch weiterhin ein Riegel vorgeschoben - was Ihrem Geschäft schädlich sein müsste.

Kaenzig: Das liegt daran, dass ich die Entscheidung erwartet habe. Viel überraschender wäre es ja gewesen, wenn sich der deutsche Fußball auf einem Schlag für die Wirtschaft geöffnet hätte. Ich sehe den Vorstoß der DFL eher als ein positives Zeichen, damit in Deutschland endlich eine öffentliche Diskussion angestoßen wird.

SPOX: Mit welchem Ausgang?

Kaenzig: Ich bin überzeugt, dass im nächsten Jahr die 50+1-Regelung fällt. Aber nur unter der Voraussetzung, dass bei den Vereinen und den Fans Aufklärungsarbeit geleistet wird. Derzeit werden die Menschen stark von den Medien beeinflusst. Alles wird vermischt, nach dem Motto "Nein dem Kommerz, nein den Milliardären, nein den Investoren". Wenn jedoch klar Tisch gemacht wird, gehe ich davon aus, dass sehr viele Vereine plötzlich die Tür aufmachen.

SPOX: Sind Sie sicher, dass die Fans mitspielen werden?

Kaenzig: Das Votum der Anhänger ist verständlich. Deutschland ist da ein Sonderfall.

SPOX: Warum?

Kaenzig: In Deutschland haben wir das Pech, dass zwei Modelle in der Presse groß abgehandelt wurden, die nur wenig mit Investment zu tun haben - und dennoch in die Debatte rein geworfen wurden, um Klischees zu bedienen.

SPOX: Nämlich?

Kaenzig: Zum einen hatten wir das Beispiel Carl Zeiss Jena, als dubiose Unternehmer aus Russland Geld in den Verein stecken und angeblich nichts dafür zurückhaben wollten. Zum anderen haben wir Hoffenheim, das als Retortenklub natürlich polarisiert, weil jemand einfach gesagt hat: "Auf der grünen Wiese gönne ich mir jetzt einen Klub." Wenn hingegen ein Investor ein Traditionsverein wie Manchester City, Leeds United oder Sheffield Wednesday übernimmt, ist das eine andere Sache.

SPOX: Aber auch in England murren die Fans. Immer wieder heißt es, dass Investoren die Totengräber des Fußballs wären.

Kaenzig: Da muss ich aber auch mal eine Lanze für die so verteufelte Kommerzialisierung brechen. Kein Verein soll sich verkaufen, kein Verein soll seine Tradition über Bord werfen. Aber es gibt nun mal etliche Vereine, die ohne externe Hilfe nie wieder aus ihrem Mittelmaß herauskommen. Da können sie noch so viele Sponsoren finden und gute Spieler verpflichten, aber nach oben kommen sie nicht mehr, weil der Rückstand so groß geworden ist. Es bringt deswegen doch nichts, die Investoren so zu verunglimpfen.

SPOX: Gehen wir davon aus, dass sich in Deutschland das Klima wandelt und Großinvestoren zugelassen werden. Gibt es überhaupt genügend Unternehmer, die Interesse haben, in die Bundesliga einzusteigen? Jürgen L. Born, Bremens Vorsitzender der Geschäftsführung, hat dies im SPOX-Interview bezweifelt.

Kaenzig: Ich kann Ihnen eines sagen: Die Investoren sind heiß auf die Bundesliga. Wer sich weltweit einen Namen machen will, geht natürlich nach England. Die Premier League ist global, die Bundesliga kann dies alleine schon wegen der Sprache nicht bieten. Wenn ein Investor jedoch nicht hunderte von Millionen ausgeben kann und dennoch etwas aufbauen will, ist in Deutschland genau richtig. Die Infrastruktur ist weltklasse, es gibt kaum Schulden, die Liga ist gut organisiert, es ist ein Riesenland mit einem Riesenmarkt. Perfekt, um den Wert seines Investments zu steigern.

SPOX: Woher kommen die Interessenten?

Kaenzig: Von überall, egal ob es die Nordamerikaner, Russen oder Araber sind. Im Kommen sind die Chinesen, die Inder, die Lateinamerikaner. Fußball ist eben ein globales Geschäft. Sogar die Afrikaner muss man beachten.

SPOX: Zuletzt wurde berichtet, dass ein südafrikanisches Konsortium Portsmouth aufkaufen will. Wäre solch ein Vorgang auch in Deutschland zu erwarten?

Kaenzig: Da muss man abwarten, wie ernst das alles gemeint ist oder ob das nur eine PR-Aktion war. Aber klar ist: Es sind nicht nur die Südafrikaner. Auch in Nigeria oder Gambia gibt es sehr reiche Leute, die sagen: "Fußball ist das Ticket in die Welt. Wir werden so salonfähig."

SPOX: Mit der Folge, dass womöglich inkompetente Leute über das Schicksal eines Vereins entscheiden. So wie in Liverpool oder bei Heart of Midlothian.

Kaenzig: Da muss man differenzieren. In Liverpool haben sich die beiden Eigentümer verkracht und die Gruppe aus Dubai, die den Klub kaufen will, nutzt dies mit Hilfe ihrer Medienberater geschickt aus und lässt beide als Idioten darstellen. Bei Heart gebe ich Ihnen recht. Es ist eine Katastrophe, was Besitzer Wladimir Romanow mit dem Verein anstellt. Aber solche Auswüchse haben wir auch in Deutschland erlebt. Ich erinnere nur an Dortmund und den Fast-Bankrott.

Wie geht es in Liverpool weiter? Auch unterwegs top-informiert sein!

SPOX: Die 50+1-Regelung schützt nicht vor Inkompetenz. Aber immerhin verhindert sie, dass ein Ex-Premierminister, gegen den in seiner Heimat Thailand ein Haftbefehl erlassen wurde, die Mehrheit eines Klubs übernehmen kann.

Kaenzig: Andersrum argumentiert: Es liegt nicht am Fußball zu bewerten, welches Geld sauber ist oder nicht. Thaksin Shinawatra bekam von Großbritannien eine Aufenthaltsgenehmigung, durfte auf seine Konten zugreifen, Geschäfte tätigen und dementsprechend auch Manchester City kaufen und wieder verkaufen. Warum soll der Fußball einschreiten, wenn der Staat sagt, dass er in Ordnung ist? Das gleiche gilt für Abramowitsch. Keiner weiß so recht, wie er zu seinem Geld gekommen ist, dennoch haben die Regierungen kein Problem mit ihm. Es würde zu weit gehen, wenn der Fußball den moralischen Sheriff geben müsste.

SPOX: Wie erklären Sie sich dann, dass Bayern-Manager Uli Hoeneß im SPOX-Interview über die angebliche Öl-Mafia wettert, wenn es um Abramowitsch geht?

Kaenzig: Das ist eine schöne Geschichte. Uli Hoeneß, früher einer der Herrscher des Fußballs, positioniert sich heute als Robin Hood, der gegen das Unrecht kämpft. Was ich jedoch nicht verstehe: Er beschwert sich über die Öl-Mafia und klagt darüber, dass er jedes Mal den Feind finanziert, wenn er tanken geht. Gleichzeitig geht er aber im Sommer hin zu Zenit St. Petersburg und will für den Tymoschuk 20 Millionen hinblättern. Da passt doch was nicht.

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