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NBA - Der James Bond der NBA? Der irre Aufstieg von Spurs-Coach Gregg Popovich vom Fast-Spion zur Legende

Gregg Popovich und Tim Duncan prägten die Spurs-Dynastie der 2000er-Jahre.

Er nahm Agententraining bei der Air Force, bekam fast einen streng geheimen Regierungsjob in Moskau, verlor bei seinem Debüt als Head Coach in der dritten College-Liga 22 von 24 Spielen. Und doch wurde aus Gregg Popovich der Coach mit den meisten Siegen der NBA-Geschichte. Über den irren Aufstieg der Spurs-Legende.

Twitter und Gregg Popovich sind keine Freunde. Sie waren es nie und werden es wohl auch nie sein. Selbst im Jahr 2022 hält sich der 73-Jährige die gleiche Abneigung gegenüber dem Kurznachrichtendienst bei wie vor 13 Jahren. Damals, im Dezember 2009, brachte Twitter ihn einmal mehr auf die Palme. Wobei, eigentlich war es mehr Steve Nash.

"Steve ist auf Twitter? Ich habe all meinen Respekt für ihn verloren", platzte es damals in seiner typisch sarkastischen Art aus ihm heraus. "Steve Nash sollte kein Tweeter sein. Er ist ein Wettkämpfer, kein Tweeter. Wenn du auf Twitter bist, dann redest du zu viel. Wenn du Dinge für dich behalten willst, kannst du nicht tweeten." Und was ist mit den "Tweetern" in seiner eigenen Mannschaft? "Ich hasse sie alle!"

Popovichs Tirade hatte ihren Ursprung in einem kurz zuvor von Nash verfassten Dreizeiler, der ganze drei Likes generierte: "Wusste hier jemand, dass Coach Poppovich ein amerikanischer Spion in Russland war, bevor er mit dem Coaching begann? Kein Wunder, dass seine Teams schwer zu schlagen sind."

Der Rechtschreibfehler im Namen von Coach Pop war es nicht einmal, der den Trainingsleiter der San Antonio Spurs nervte. Vielleicht eher die Tatsache, dass der in der Öffentlichkeit ansonsten sein Privatleben betreffend schweigsame Coach nun von den Medien zu einer Anekdote aus seiner eigenen Vergangenheit ausgefragt wurde.

Ein Quantum Pop: "Der interessanteste Mann der NBA"

Rein sportlich gesehen sind die Geschichtsbücher der NBA voll mit den Errungenschaften von Gregg Charles Popovich, darüber hinaus hält er sich aber meistens bedeckt, wenn es um seine eigene Person geht. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen begleitet der Mythos Pop seit Jahrzehnten die Basketballwelt.

Schon 2013 titelte Bleacher Report in einer Ode an den Spurs-Coach: "Der interessanteste Mann der NBA". Hinter der Überschrift versteckten sich allseits gut bekannte Anekdoten, wie er sich selbst als Head Coach in San Antonio installierte beispielsweise. Wie er zum Schrecken aller Sideline-Reporter mutierte. Wie er den von Hack-a-Shaq genervten O'Neal foppte. Wie er gnadenlos "DNP-Olds" an seine Spieler verteilte. Oder wie er zum Weinkenner Nummer eins der Association wurde.

Und dieser Gregg Popovich soll also auch ein Spion in Russland gewesen sein? "Es ist absolut korrekt", scherzte er angesprochen auf den Tweet. "Ich habe meine Zeit beim Militär auf russischen Basketball-Plätzen in verschiedenen Städten verbracht und dabei so viele Out-of-Bounds-Plays gesammelt wie nur irgendwie möglich."

Ja, ein Scherz. Aber irgendwie auch nicht. Zum Spion reichte es für Pop nicht ganz. Nach allem, was er über seine Vergangenheit verraten hat, war er aber verdammt nah dran.

Gregg Popovich: Im Geheimdienst seines Präsidenten

Pops Geschichte startete nördlich von Colorado Springs, weit entfernt von seiner eigentlichen Heimat. Sein basketballerisches Talent reichte nicht aus, um die Elite-Colleges von sich zu überzeugen, also schrieb er sich an der in Colorado beheimateten Air Force Academy ein.

Der in East Chicago, Indiana, geborene Sohn einer kroatischen Mutter und eines serbischen Vaters arbeitete sich zum Teamkapitän und Topscorer des dortigen Basketball-Teams hoch. Nebenbei machte er seinen Abschluss in "Soviet Studies", anschließend dachte er über eine Karriere bei der CIA nach.

Nach seinem Abschluss 1970 stellte er sich aber erstmal weitere fünf Jahre in den aktiven Dienst der Air Force. Unter anderem mit dabei: mehrere Agententrainings, eine Bewerbung für einen laut Sports Illustrated "streng geheimen Regierungsjob in Moskau", den er allerdings aufgrund der verspäteten Abgabe des Papierkrams nicht bekommen sollte, sowie verschiedene Jobs beim Militär.

Gregg Popovich: Keine Zeit zu protzen

Nach Recherchen der San Antonio Express-News arbeitete der junge Popovich unter anderem für ein Team der Air Force, das Spionagesatelliten überwachte. Später war er als Nachrichtenoffizier in der Türkei, in der Nähe der Grenzen zu Syrien und Iran, stationiert, dabei ging es angeblich um die Überwachung sowjetischer Raketentests. Im Laufe seiner militärischen Karriere erhielt er mehrere Air-Force-Auszeichnungen.

"Die Leute stellen sich vor, dass ich Waffen getragen hätte und eine Art Spion war", wiegelte Popovich im Jahr 2013 gegenüber SI ab. "Ich war an der Grenze stationiert, aber es war nicht so, dass ich James Bond gewesen wäre."

Auf ehemalige Mitspieler aus dem Basketball-Team der Air Force machte der junge Popo, wie er damals genannt wurde, anfangs aber noch einen anderen Eindruck. "Als er in der Spionageschule war, fuhr er eine Corvette und trug einen 300 Dollar teuren Anzug bei seinem ersten Auftrag", erzählte sein ehemaliger Teamkollege Joe Kreimborg bei der Dallas Morning News einmal.

"Er kam ins Büro und das erste, was sie ihm sagten, war, er solle ins Einkaufszentrum gehen und einen anderen Anzug kaufen." Und am besten auf einen Chevrolet umsteigen.

Gregg Popovich: Basketballgrüße aus Moskau

Mit dem Leben als James Bond wurde es nichts, doch neben der militärischen Karriere begleitete Popovich auch weiterhin seine Leidenschaft aus Jugendtagen: Basketball. Als Teil der Mannschaft der U.S. Armed Forces tourte er Anfang der 1970er durch mehrere Länder in Osteuropa und die Sowjetunion, um an Basketball-Turnieren teilzunehmen.

An Spionage war dabei kaum zu denken, hinter dem Eisernen Vorhang wurde er auf Schritt und Tritt verfolgt, Kameras sofort einkassiert, wie er sich später erinnerte. Dafür nahm Popovich andere Erkenntnisse mit.

"Die Möglichkeit, mit Basketball zu reisen, hat mich besser verstehen lassen, wie viel Basketball auf der ganzen Welt gespielt wird. Und wie viele gute Spieler es gibt", sagte Popovich später in der New York Times. Auch deshalb sollte er mit San Antonio neue Maßstäbe beim internationalen Scouting setzen. Bis seine zweite Karriere so richtig Fahrt aufnahm, dauerte es aber noch eine Weile.

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