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NBA Legendenserie - Paul Pierce: Der Retter der Boston Celtics

Paul Pierce spielte insgesamt 15 Jahre im Trikot der Boston Celtics.

Paul Pierce wird am 11. September in Springfield, Massachusetts in die Hall of Fame des Basketballs aufgenommen. Aus diesem Anlass blicken wir auf die unglaubliche Karriere von "The Truth" zurück, ohne den die Boston Celtics heute nicht die Franchise wäre, die sie ist.

Alle weiteren Geschichten unserer NBA-Legendenserie findet Ihr in unserem Archiv.

Was bleibt von den großen Spielern der vergangenen Jahrzehnte in Erinnerung, die wir nur zu Teilen oder gar nie live in Aktion gesehen haben? Ihre Statistiken? Auf jeden Fall. Ihre Erfolge? Ebenso. Die Errungenschaften nach ihrer Karriere? Zu Teilen. Einigen Spielern wird diese "oberflächliche" Betrachtung weniger gerecht als anderen. Paul Pierce ist einer dieser Kandidaten, die darunter schon immer zu leiden hatten.

Wer an den Namen Paul Pierce denkt, hat wohl sofort das berüchtigte Rollstuhl-Foto im Kopf oder die medialen Fehltritte der jüngeren Vergangenheit. Schwindelerregende Vergleiche mit Dwyane Wade oder inhaltslose Rants gegen LeBron James haben das Bild von "The Truth" in den vergangenen Jahren stark beschädigt. Doch der unvergleichliche Spieler Pierce sollte dabei nicht in Vergessenheit geraten.

Paul Pierce: Das neue Gesicht der Boston Celtics

Pierce kam in einer Ära in die Liga, als die Reputation der legendären Boston Celtics stark angeknackst war. Die fetten 80er Jahre um Larry Bird, Kevin McHale und Robert Parish waren vorbei, die Saison 1996/97 mit 15 Siegen war der Tiefpunkt der Franchise. Die Organisation war händeringend auf der Suche nach dem nächsten "Big Thing".

Antoine Walker war zwar talentiert, das gewisse Etwas fehlte ihm aber. So dauerte es bis ins Jahr 1998 und bis zum 10. Pick des damaligen Drafts, als David Stern seine berühmten Worte verlas, die die Zukunft der Franchise auf Jahre prägen sollten: "With the 10th Pick of the 1998 NBA Draft the Boston Celtics select Paul Pierce, from the University of Kansas".

Angekommen in Boston spulte der Swingman eine starke Saison nach der anderen ab. Bereits in seiner dritten Spielzeit legte er über 25 Punkte im Schnitt auf und verlieh einem blassen Celtics-Team mit seinem Kampfgeist und seiner Mentalität ein neues Gesicht.

2002 führte er Boston erstmals seit sieben Jahren (die längste Durststrecke der Franchise-Geschichte) wieder in die Playoffs und das auf eine Art und Weise, die an LeBrons Finals-Run mit den Cavs 2007 erinnerte. Pierce war der Dreh und Angelpunkt eines Teams, dessen drittbester Scorer Rodney Rogers mit 10,7 Zählern im Schnitt war. Nichtsdestotrotz schaffte es diese Truppe bis in die Ost-Finals, wo erst die New Jerseys Nets zu stark waren.

Es folgten zwei weitere Playoff-Teilnahmen in Serie. 2002/03 mit einem Team, das in der regulären Saison nur Platz 24 im Offensive Rating und Platz 8 im Defensive Rating belegte und Indiana in der zweiten Runde dennoch in sechs Spiele zwang - vor allem wegen Pierce.

Paul Pierce: Einer der clutchesten Spieler aller Zeiten

Sobald es Frühling wurde und die Playoffs anstanden, konnte Pierce seine große Stärke ausspielen. Obwohl er nie der größte, stärkste, schnellste oder technisch versierteste Spieler war, konnte er sich seinen Wurf zu jeder Zeit und an jedem Ort erarbeiten.

Pierce konnte seinem Verteidiger genau sagen, was er als nächstes machen würde, dann genau dies auch tun und trotzdem den Wurf treffen. Und das in einer unheimlichen Regelmäßigkeit - vor allem in wichtigen Situationen.

Zwei Beispiele: Laut Stathead trafen in den Jahren 1996 bis 2017 nur drei Spieler mehr "Clutch Shots" als Pierce. Ihre Namen: Dirk Nowitzki, LeBron James and Kobe Bryant. In Bezug auf die reinen Buzzer Beater zum Sieg in diesem Zeitraum ist er gleichauf mit Kobe (10).

Paul Pierce machte seine Mitspieler besser

Pierce verstand es zudem, seine Mitspieler besser und aus schlechten Teams ernsthafte Contender zu machen. Dieser Umstand begleitete ihn auch auf seinen weiteren Stationen in Brooklyn und Washington und war für ihn Fluch und Segen zugleich.

Pierce war von den reinen Statistiken her ein absolutes Monster. Um das mal im Kontext zu betrachten: Er erzielte mehr Punkte als Jerry West, Charles Barkley und Larry Bird, traf mehr Dreier als Jason Kidd, Chauncey Billups und Dirk Nowitzki, hatte ein besseres Player-Efficiency-Rating als Kevin McHale, Bob Cousy und Steve Nash und eine bessere True-Shooting-Percentage als Michael Jordan, Larry Bird und Julius Erving.

Aufgrund der Erfolge beziehungsweise Misserfolge seiner Teams bekam er aber nie die Anerkennung, die er verdient hätte. Er wurde zehnmal All-Star, durfte allerdings kein einziges Mal starten. Er schaffte es nur ein einziges Mal in seiner Karriere in die Top 10 beim MVP-Voting, was in Anbetracht seiner Zahlen schon nahezu lächerlich erscheint. Zwischen 2001 und 2007 legte Pierce im Schnitt 24,8 Punkte, 6,7 Rebounds, 4,1 Assists und 1,6 Steals auf.

Paul Pierce: Sein Einfluss ist nicht in Statistiken zu messen

Sein wahrer Einfluss auf das Spiel war aber ohnehin nicht in Statistikbüchern zu finden. Pierce war kein Typ, der immer schöne Zahlen mit guten Quoten auflegte. Er erkämpfte sich seine Siege hart und tat dem Gegner dabei weh. Er hatte die Fähigkeit, das Spiel zu jedem Zeitpunkt an sich zu reißen - egal ob an einem Mittag im Februar oder in einem heiß umkämpften Playoff-Spiel.

Doch für den ganz großen Wurf reichte es für Pierce in seinen Anfangsjahren in Boston eben nie. Nach den anfänglichen tiefen Playoff-Runs folgten mehrere Erstrunden-Pleiten, anschließend legten die Celtics zwischen 2005 und 2007 eine katastrophale Bilanz von 57-107 hin, dennoch forderte Pierce nie einen Trade, was ihm bei den Fans große Sympathien einbrachte.

Zwar gab es Phasen, in denen er Krach mit Mitspielern und Coaches hatte und seinen Ärger auch öffentlich kundtat ("Ich bin der klassische Fall von einem guten Spieler in einem schlechten Team und es geht mir auf die Nerven", Boston Globe, 2007), aber er blieb seinem Herzensklub immer treu. Und schließlich wurde er dafür belohnt.

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