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NBA Legenden-Serie: Rasheed Wallace - Nur der Ball lügt nicht

Rasheed Wallace erlebte seine glücklichste Zeit bei den Detroit Pistons.

Rasheed Wallace war einer der besten und gleichzeitig kompliziertesten Spieler der jüngeren NBA-Geschichte. Der Power Forward war ein wandelnder Widerspruch - und ist nicht zuletzt deshalb zur Kultfigur geworden. Ein mehrfacher Rekordhalter ist er ebenfalls.

Alle weiteren Geschichten zu den Legenden der NBA gibt es hier in unserem Archiv!

Die späten 90er und frühen 00er Jahre waren das goldene Zeitalter der Power Forwards, eine Ära, die es bei aller Small-Ball-Wut und positionsloser Basketball-Schule wohl nicht so bald wieder geben wird.

Karl Malone bizepste sich noch durch die Zonen der Liga, Kevin Garnett, Tim Duncan, Dirk Nowitzki oder Chris Webber begannen ihre besten Jahre - und all diese Legenden spielten zeitgleich in der Western Conference. Eine derartige Dichte an Superstars, die eine Position dabei auf so viele verschiedene Arten interpretierten, hat es selten gegeben.

Rasheed Wallace hat die Liga nicht so geprägt wie Dirk, Duncan oder KG - und trotzdem gehörte auch er irgendwie in diese Aufzählung. Vom Talent her konnte er es mit jedem aufnehmen; vielleicht war sein Talentpaket sogar das kompletteste von allen. Und eins hatte er allen anderen definitiv voraus: Sheed war einer der kauzigsten Typen der NBA-Geschichte.

Rasheed Wallace: Der König der Technischen Fouls

Unvergessen seine Affinität für Meckern auf dem Court: In seinem dritten NBA-Jahr brach er mit 38 Technischen Fouls den Rekord für eine Saison, dieser hielt jedoch bloß ein Jahr und wurde, natürlich, noch mehrfach von Wallace selbst getoppt. Seine 41 Technicals in 77 Spielen aus der Saison 00/01 dürften nie überboten werden, allein schon deshalb, weil man nach heutigen Regeln nach 16 T's für ein Spiel gesperrt wird.

Wallace war jedoch nicht einfach nur ein Rüpel - er folgte einem gewissen Kodex. Der Ausspruch "Ball don't lie" hat bei ihm seinen Ursprung. Sheed sagte diesen Satz immer dann, wenn ein Gegenspieler nach einem vermeintlich falschen Foulpfiff einen Freiwurf versemmelte. Und das zog er konsequent durch, was beispielsweise im Dezember 2012 zu einer kuriosen Situation führte.

Wallace kassierte ein Technical, nachdem er Luis Scola von den Phoenix Suns schubste. Goran Dragic jedoch vergab den Freiwurf, also musste Sheed seinen Lieblingssatz von sich geben, natürlich ziemlich lautstark. Die Referees schickten ihn mit Technical Nr.2 unter die Dusche - Wallace hatte bis dahin ganze 1:25 Minuten gespielt.

Rasheed Wallace: Der Ruf hat ihm geschadet

Eine andere Ejection kassierte Wallace in einem Spiel gegen die Lakers, ohne ein Wort zu sagen; er hatte Schiedsrichter Ron Garrettson lediglich angestarrt. Natürlich verselbstständigte sich sein Ruf über die Jahre, sodass Wallace zeitweise völlig anders gepfiffen wurde als andere Spieler.

"Ich weiß noch, dass ich ihm gesagt habe, dass er einen Stempel bekommen wird, wenn er sich im Umgang mit Schiedsrichtern nicht besser kontrolliert. Ich glaube nicht, dass ich ihn damit erreicht habe", sagte der frühere Bullets-GM John Nash, der Wallace 1995 an 4. Stelle draftete, vor einigen Jahren zu Grantland. "Das hat ihm im Lauf seiner Karriere geschadet. Die Refs waren härter zu ihm, weil er so schwierig war."

Es ist schwer, dem zu widersprechen. Kein Spieler wurde in der NBA-Geschichte häufiger vorzeitig rausgeschmissen als Sheed. Diese Tatsache, gepaart mit "Ball don't lie" und seiner legendären "Both teams played hard"-Pressekonferenz ist gewissermaßen sein Vermächtnis - dabei war Sheed eigentlich noch so viel mehr.

Skills eines Superstars, Mentalität eines Rollenspielers

Der Big Man war komplex, ein wandelnder Widerspruch. Aufbrausend und feindselig im Umgang mit Medien und Schiedsrichtern, aber verehrt von sämtlichen Mitspielern und Coaches. Mit den Tools eines Superstars gesegnet, aber mit der Mentalität eines Rollenspielers. Wallace spielte so uneigennützig, dass ihn sein einstiger Coach bei den Trail Blazers Mike Dunleavy Sr. richtiggehend zum Werfen zwingen musste. "Wenn ich ein Play für ihn angesagt habe, war er erstmal dagegen", beschrieb der Coach.

Dunleavy sagte daher Plays an, in denen Damon Stoudamire als erste, Scottie Pippen als zweite und Wallace als dritte Option fungierten. Stoudamire und Pippen bekamen aber noch eigene Instruktionen. "Wenn einer von euch beiden wirft, erschieße ich euch", so Dunleavy. "Und so lief es dann. Der Ball ging zu Sheed in den Lowpost, er warf einen Jumper und wir gewannen das Spiel."

Rasheed Wallace: Kein echter Franchise Player

Nach seiner Rookie-Saison in Washington wurde Wallace getradet, weil die Bullets spät realisierten, dass drei junge, hochveranlagte Power Forwards (Webber, Wallace, Juwan Howard) mindestens einer zu viel waren. In Portland erlebte er dann seine wohl prägendsten Jahre, reifte zum zweifachen All-Star und führte die Blazers 1999 und 2000 jeweils in die Conference Finals.

2000 war eigentlich sogar mehr drin. Gegen die Lakers führten die Blazers in Spiel 7 mit 15 Punkten, doch am Ende fehlte Portland der Closer, der echte Superstar. Portland hatte in diesen Jahren mit Pippen, Steve Smith, Arvydas Sabonis oder auch Detlef Schrempf jede Menge hochkarätige Veteranen, die Rolle des Franchise Players hätte jedoch nur Sheed einnehmen können. Sie entsprach nicht seinem Naturell.

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