Suche...
NBA

NBA Legenden-Serie: Nate "Tiny" Archibald - Ikone der Kleinen und Schwachen

Von Gianluca Fraccalvieri
Tiny Archibald inspirierte eine gesamte Generation kleiner Guards.
© getty

Knapp 40 Jahre ist es her, dass Nathaniel "Tiny" Archibald eine der individuell stärksten Saisons der NBA-Geschichte hinlegte und dabei einen Rekord für die Ewigkeit aufstellte. Ein Rekord, der sportlich faszinierend ist, durch eine Reihe von glücklichen Umständen begünstigt wurde und dessen Nachwirkung Generationen von Basketballern für immer prägte. Heute wird der Hall of Famer 71 Jahre alt.

"Es ist interessant", sagte Archibald dem Magazin Sport im Jahr 1980, "wie Leute, die Drogen nehmen, immer andere mit reinziehen wollen, als würden sie Begleitung bei ihrem Untergang benötigen. Ich? Ich stand schon immer nur auf Basketball."

Diese Liebe zum Spalding war es wohl auch, die den jungen Archibald vor einem Leben auf der Straße oder hinter Gittern bewahrte. Aufgewachsen in den 1960er Jahren in den Patterson Houses, einer der berüchtigtsten Ecken der New Yorker Bronx, gab es für junge, schwarze Männer damals wenig Hoffnung. Drogen und Kriminalität regierten den Alltag, ein Ausweg erschien nahezu unmöglich. Aber eben nur nahezu.

Tiny Archibald: Der dünne, schüchterne Junge aus der Bronx

Wenn man den 16-jährigen Nathaniel heute sehen würde, würde man wohl kaum auf die Idee kommen, dass aus ihm einmal einer der besten Point Guards aller Zeiten werden sollte. "Tiny" Archibald, der seinen Spitznamen zwar seinem Vater "Big Tiny" zu verdanken hat, diesem aber auch augenscheinlich alle Ehre machte.

Ein zwar talentierter, aber zu kleiner, unglaublich schüchterner Highschool-Sophomore, der ohne jegliches Selbstbewusstsein auf dem Court rumstolperte und größtenteils verloren wirkte. Schlechte Leistungen im Unterricht in Kombination mit jener sportlichen Unterlegenheit kosteten ihn schließlich einen Platz im Basketball-Team der DeWitt Clinton High School und führten beinahe zu seinem Schulverweis.

Seine Freizeit verbrachte Archibald derweil größtenteils im Harlem Youth Center, wo er eines Tages vom ehemaligen NCAA-Champion Floyd Layne beim Basketballspielen entdeckt wurde. Ein Umstand, ohne den seine schillernde NBA-Karriere wohl undenkbar gewesen wäre.

Floyd Layne rettet Archibalds Karriere

Layne war ein guter Bekannter von Archibalds Highschool-School-Coach und redete so lange auf diesen ein, bis er versprach, dem schmächtigen Jungen noch eine Chance zu geben. Der Youngster dankte es ihm und schaffte es in seinem Junior Year endlich ins Schulteam, wobei er die meiste Zeit nur auf der Bank saß. Dies spornte ihn aber an, noch härter zu trainieren, sodass er jede freie Minute an seinen Handlings und Passfähigkeiten arbeitete - mit Erfolg.

In seinem Senior Year wurde er endlich Starter, führte sein Team als zweitbester Scorer zur Bronx Championship und später sogar zur New York City Championship und wurde mit einer Berufung ins All-City-Team belohnt. Der junge Archibald war endgültig dem New Yorker Armenviertel mit seinen trüben Zukunftsaussichten entkommen.

Über das Arizona Western Community College ging es für den Guard an die University nach El Paso, wo er in drei Saisons 20 Punkte im Schnitt auflegte und durch bärenstarke Leistungen in Exhibition-Games (51 Punkte beim Aloha Classic 1970 und knapp 40 Punkte im Schnitt bei fünf weiteren Auftritten) das Interesse einiger NBA-Teams auf sich zog.

Tiny Archibald: Der vermeintliche Hotelpage wird zum Zweitrundenpick

Dabei passte Tiny Archibald mit seiner schmächtigen, geradezu jungenhaften Statur eigentlich überhaupt nicht in die NBA der 70er Jahre. Die Liga war drauf und dran eine exklusive Spielwiese für die Größten der Großen, für die Riesen der Gesellschaft zu werden. Big Man dominierten - für kleine, flinke Guards schien kein Platz und noch weniger Respekt vorhanden zu sein.

Exemplarisch dafür steht auch die erste Begegnung zwischen Celtics-Legende Bob Cousy, damals Head Coach der Cincinnati Royals, und Archibald in einem Hotel in Memphis: Seine 1,85 Meter Körpergröße gepaart mit mageren 72 Kilogramm veranlasste Cousy zu denken, der damals 21-Jährige sei einer der Hotelpagen.

Allen Zweifeln zum Trotz wählten die Royals den vermeintlichen Hotelpagen in einem starken NBA Draft 1970, der Spieler wie Bob Lanier, Rudy Tomjanovich, Pete Maravich und Dave Cowens hervorbrachte, in der zweiten Runde an zweiter Position aus.

Glückliche Umstände begünstigen Archibalds NBA-Karriere

Den reibungslosen Start in seine NBA-Karriere hatte Archibald erneut einer glücklichen Fügung zu verdanken. Da Veteran-Guard Flynn Robinson mit den Royals in Vertragsstreitigkeiten stand, rutschte der Youngster unverhofft in die Starting Five und legte respektable 16 Punkte im Schnitt auf. Jedoch war schnell klar, dass Archibald nie ein guter Verteidiger werden würde und auch seine Anfälligkeit für Turnover brachte Coach Cousy das ein oder andere Mal auf die Palme.

Diese Umstände und eine Bilanz von 33-49 veranlassten die Verantwortlichen darüber nachzudenken, das "Projekt" Archibald abzubrechen und den Guard für einen - Überraschung! - Big Man zu traden. Stattdessen schnappte sich Cincinnati aber den damaligen Bulls-Center Jim Fox und Archibald übernahm nach der Verletzung von Scoring Leader und Kapitän Tom Van Arsdale überraschend die Rolle des Spielmachers.

Mit dieser neuen Verantwortung im Nacken spielte Archibald eine starke erste Saisonhälfte 1971-72, wurde bei der All-Star-Wahl jedoch nicht berücksichtigt und schraubte seine Punkteausbeute in der Konsequenz auf 34 Zähler pro Spiel hoch. Mit der Wahl ins All-NBA Second Team fanden seine Leistungen ligaweit endlich Anerkennung, die Royals trudelten jedoch weiterhin im Niemandsland der Tabelle rum (30-52).

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung