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Fussball

Erik Botheim: Einst Haalands Sidekick bei den Flow Kingz, heute Zerstörer von Mourinhos Roma

Von Gabriel Wonn
Ziemlich gute Freunde: Erik Botheim (l.) und Erling Haaland.

Er gilt seit langem als einer der besten Freunde von Erling Haaland, nun hat Erik Botheim selbst europäische Fußballgeschichte geschrieben.

Wir schreiben das Jahr 2016, als sich in Norwegen drei Jugendliche treffen, um ein Musikvideo aufzunehmen. "Flow Kingz" nennen sich die Nachwuchsrapper, die zeitgleich als Top-Talente des norwegischen Fußballs gelten. Dass das fertige Video einmal von über acht Millionen Menschen auf YouTube angesehen werden würde, konnte wohl keiner ahnen. Dies sollte vor allem an einem der drei Freunde liegen, der wenige Jahre später von halb Fußball-Europa gejagt werden würde: Erling Haaland.

Dass der heutige Dortmunder Starstürmer sich einmal als Rapper versucht hatte, ist für viele Fußballfans Grund genug, sich das Video anzuschauen. Seine beiden Sidekicks wurden hierbei stets als Statisten angesehen. Bis zum 21. Oktober 2021.

Denn an diesem Tag schlägt die große Stunde von Erik Botheim. Mit 6:1 besiegt sein Klub, der norwegische Überraschungsmeister Bodö/Glimt, die AS Rom in der UEFA Europa Conference League - und fügt Startrainer Jose Mourinho eine der demütigendsten Niederlagen seiner schillernden Karriere zu.

Botheim: Von Haalands Sidekick zum Mourinho-Zerstörer

Botheim, bis heute einer besten Freunde von Haaland und stets in dessen Schatten unterwegs, überragt beim Gala-Auftritt des Underdogs. Zwei Tore, drei Assists und damit an fünf der sechs Tore seines Teams direkt beteiligt - so lautet die beeindruckende Bilanz des 21-Jährigen nach der Partie. Und während Mourinho seine Roma-Spieler im Anschluss an das Match gnadenlos öffentlich zerlegt, kann Botheim den größten Triumph seiner bisherigen Karriere genießen.

Es ist eine Genugtuung für den Norweger, der einst im Vergleich zu seinem berühmten Kumpel Haaland als der talentiertere Spieler wahrgenommen wurde. Mit elf Jahren durfte Botheim beim großen FC Barcelona ein Probetraining absolvieren, mit 15 gab der Angreifer für Lyn Oslo sein Debüt in der dritten norwegischen Liga und wurde anschließend gar von Rosenborg Trondheim unter Vertrag genommen. Mit 16 Jahren war er beim größten Klubs seines Landes angekommen, während Haaland seinerzeit noch in der zweiten Liga für Bryne auf Torejagd ging.

Erik Botheim einst größeres Talent als Erling Haaland

Doch der Entwicklungsprozess junger Fußballer verläuft eben nicht immer linear. Während Haaland plötzlich quasi explodierte, stagnierten Botheims Leistungen. Der Durchbruch bei Rosenborg rückte in weite Ferne, eine Leihe nach Stabaek endete trostlos ohne ein einziges erzieltes Tor. 2020 wurde sein Vertrag in Trondheim aufgelöst.

Wie es der Zufall wollte, suchte Sensationsmeister Bodö/Glimt in genau diesem Moment händeringend nach Angreifern. Jens Petter Hauge, heute auf Leihbasis in Frankfurt, wechselte zu Milan, Philip Zinckernagel heuerte bei Watford an und Kasper Junker suchte sein Glück in Japan. Botheim war nicht nur günstig, sondern sogar ablösefrei - und dies war im Prinzip der einzige Grund, weshalb Bodö/Glimt ihn verpflichtete.

Freddy Toresen, Korrespondent bei Avisa Nordland, verriet SPOX und Goal: "Es gab überhaupt keine Erwartungen an Erik. Er war bei Stabaek gescheitert und kostete nichts. Niemand dachte, dass er aufblühen wurde, aber genau das passierte." Denn Botheim fühlt sich wohl bei seinem Klub, zu dem ihm laut eigener Aussage auch Haaland geraten hat. Der Trainer vertraut ihm von Beginn an, dies bestätigt gegenüber SPOX und Goal auch TV2-Kommentator Endre Lubeck.

Bodö/Glimt: Endlich braucht Botheim Haaland einmal nicht

Und Botheim zahlt zurück: Aktuell stehen für ihn 13 Tore in der norwegischen Liga sowie sechs weitere in der Europa Conference League zu Buche. Bodö/Glimt ist trotz der prominenten Abgänge erneut auf dem ersten Platz der Eliteserien. Und natürlich haben ausgerechnet sowohl Rosenborg als auch Stabaek bereits Botheim-Tore kassiert.

Nach dem Sieg gegen die Roma ist Haaland per Twitter einer der ersten Gratulanten, es ist anzunehmen, dass er sich besonders für einen seiner besten Freunde freut. Für Botheim aber dürfte das Schönste sein, dass er seinen weltberühmten Kumpel in diesem Moment erstmals nicht braucht, um ins Scheinwerferlicht zu kommen. Er ist an diesem Abend nicht Haalands ehemaliger Sidekick, sondern selbst der Star. Der Zerstörer von Jose Mourinho. Und das ist bislang auch Erling Haaland nicht gelungen.

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