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Fussball

Tobias Jänicke: "Die 3. Liga schadet mir nicht"

Von Interview: Kevin Bublitz/Mark Heinemann
Seit 2003 spielt Tobias Jänicke bei Hansa Rostock und stieß aus der Jugend zur ersten Mannschaft
© Getty

Tobias Jänicke ist ein Paradebeispiel für den neuen Rostocker Weg. Seit seinem fünften Lebensjahr ist er mit der Hansa verbunden. Als Fan ist er traurig, als Spieler sieht er die 3. Liga als förderlich für die Entwicklung. Im SPOX-Interview sprach der 21-Jährige über das neue Konzept, heiße Derbys, Toni und Felix Kroos und verrät, warum er Angebote aus der Bundesliga ausschlug.

SPOX: Herr Jänicke, Sie sind seit einem Jahr Profi und haben schon viel erlebt. Wie kommen Sie damit klar?

Tobias Jänicke: Für mich persönlich war es kein so schlechtes Jahr. Ich habe viele Einsätze in der 2. Liga bekommen und bin im Profifußball angekommen. Allerdings hoffe ich, dass ich in meiner Karriere nicht mehr so viele Abstiege erleben muss. Das war schon sehr hart. Aber wir sind gerade dabei, ein bisschen Wiedergutmachung zu betreiben.

SPOX: Der Abstieg wurde im Verein für einen kompletten Umbruch genutzt. War der jetzt einfach nötig?

Jänicke: Der bisherige Saisonverlauf bestätigt das. Hoffen wir, dass es so weiter geht und der Verein in Zukunft wieder für positive Schlagzeilen sorgt.

SPOX: Und wie sehen Sie als Fan von Hansa die Entwicklung der letzten Jahre?

Jänicke: Seitdem ich fünf Jahre alt bin, spiele ich Fußball und seitdem bin ich auch Hansa-Fan. Ich war hier jahrelang im Stadion und habe Bundesliga-Fußball gesehen. Da ist man schon traurig, wenn man plötzlich in der 3. Liga spielt. Das ist nicht leicht zu verkraften, zumal die Ansprüche andere sind. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Hansa wieder dahin kommt, wo der Klub mal war. Das dauert, aber wir sind da auf einem guten Weg.

SPOX: Stefan Beinlich und ihr Trainer Peter Vollmann gehen diesen Weg mit einer Mischung aus gestandenen Spielern und Talenten aus dem eigenen Nachwuchs, wie Sie es sind. Das scheint zu funktionieren.

Jänicke: Ich denke, das ist auch eine unserer ganz großen Stärken. Sowohl das Management, als auch der Trainer und einige meiner Teamkollegen haben genug Erfahrung, um uns die Dinge vermitteln zu können, auf die es jetzt ankommt. Gerade für uns junge Spieler ist diese Hilfestellung in einer solch schwierigen Findungsphase extrem wichtig. Wir haben dieses Jahr wieder eine hungrige Mannschaft auf dem Platz, die einen vollkommen anderen Charakter hat. Dieses Team identifiziert sich meiner Meinung nach noch mehr mit der Region und dem Verein, als es vorher der Fall war.

SPOX: Es gab letzte Saison einige Probleme mit den Fans. Sind die Wogen Ihrer Meinung nach wieder geglättet?

Jänicke: Die Zuschauerzahlen sind natürlich etwas zurückgegangen, aber wir haben um die 12.000 im Schnitt, da hat der Verein mit weniger kalkuliert. Unsere Fans peitschen uns nach vorne und haben uns so sicher den einen oder anderen Punkt in dieser Saison gesichert. Die Atmosphäre im Umfeld kann man wohl am besten mit der "Jetzt-erst-recht-Einstellung" beschreiben. Ich habe das Gefühl, dass Mannschaft und Fans die 3. Liga gemeinsam anpacken. Das macht sich auch bei den Auswärtsspielen bemerkbar.

SPOX: Jena, Heidenheim, Dresden sind die nächsten Gegner. Da sind zwei Prestigeduelle dabei, oder?

Jänicke: (lacht) Ich würde ja lügen, wenn ich das abstreite. Europa- und weltweit sind Derbys immer ganz besondere Spiele. Da ist es vollkommen egal, ob das jetzt bei uns in der 3. Liga, in London oder in Glasgow ist. Wir freuen uns darauf, das sind schöne und heiße Spiele, die sicher auch eine andere Aufmerksamkeit als andere Spiele in der 3. Liga genießen. Auch wenn es da nur um drei Punkte geht, wollen wir da natürlich etwas bieten.

SPOX: Wie schätzen Sie Jena ein?

Jänicke: Jena ist gefährlich, da brennt der Baum und die Mannschaft steht mit dem Rücken zur Wand. Gerade solche Gegner darf man nicht unterschätzen. Die haben ein Heimspiel, werden alles in die Waagschale werfen und versuchen, uns ein Bein zu stellen. Da müssen wir gewarnt sein.

SPOX: Wie sieht die Fußballausbildung in Rostock aus?

Jänicke: Erstmal glaube ich, dass hier für die jungen Spieler optimale Bedingungen herrschen, um den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Das sieht man am aktuellen Kader.

SPOX: Wie wichtig ist es, dass die Jugendmannschaften in den höchsten Ligen vertreten sind?

Jänicke: Sehr wichtig. Entscheidend dabei ist aber, dass die Spieler da ein Gefühl bekommen, an den Profikader herangeführt zu werden. Für junge Spieler ist es wichtig, eine Perspektive zu haben. Wenn man sieht, dass der Abstand vielleicht gar nicht so groß ist, wie man denkt, ist die Motivation eine ganz andere. Unser Fördertraining zeigt das den jungen Talenten immer wieder und sowohl die letzte als auch diese Spielzeit haben gezeigt, dass in Rostock hoher Wert auf den eigenen Nachwuchs gesetzt wird.

SPOX: Nehmen Sie die Entwicklung ehemaliger Rostocker wie Toni und Felix Kroos wahr, oder dienen die beiden Brüder sogar als Vorbild?

Jänicke: Man liest viel über die beiden, besonders über Toni. Kontakt besteht eher zu Felix, gerade wenn wir gegen die Reserve von Werder Bremen spielen. Ansonsten guckt man sich das gerne an, wenn ein ehemaliger Weggefährte in der Champions League spielt, aber der Kontakt zu Toni ist eigentlich nicht mehr da. Aber man freut sich, dass so ein Spieler mal hier gespielt hat.

SPOX: Trainer Peter Vollmann hat in Ghana und dem Irak viel Fußball-Entwicklungshilfe geleistet. Erleichtert ihm diese Erfahrung die Arbeit mit jungen Spielern?

Jänicke: Er profitiert davon, dass er im Ausland war. Das merkt man am Umgang und der Ruhe, die er besonders in schwierigen Situationen ausstrahlt.

SPOX: Wie macht sich das bemerkbar?

Jänicke: Er weiß zum Beispiel, wann es auch mal nötig ist, auf den Tisch zu hauen. Dabei bleibt er aber stets menschlich. Für ihn ist die Hansa-Familie wichtig.

SPOX: Die familiäre Atmosphäre ist auch für Ihre Entwicklung wichtig. Wie viel Zeit geben Sie dem Verein jetzt, um wieder in der Bundesliga zu spielen?

Jänicke: Es wäre der falsche Weg, so was zu erzwingen. Wir müssen uns festigen, neu sortieren und wieder aufbauen. Dann kann man schauen, dass man wieder hochkommt. Die familiäre Atmosphäre ist immer dann besonders wichtig, wenn es nicht so gut läuft. Bei Verletzungen zum Beispiel. Das kann dann sehr viel Druck nehmen. Der Verein hat mir bei meiner schweren Verletzung ebenso geholfen wie meine Eltern.

SPOX: Ihre Eltern standen also von früher Kindheit mit Ihnen auf dem Fußballplatz?

Jänicke: Ja, sie haben mich zu den Spielen gefahren und mich begleitet. Dafür bin ich auch dankbar. Sie haben mir viele Freiheiten gelassen, wenn Entscheidungen anstanden.

SPOX: Sie hatten nach dem Abstieg Angebote aus Bremen und Berlin. Gab es nach dem Abstieg nie den Gedanken, zu wechseln?

Jänicke: Jeder Fußballer möchte höherklassig spielen, aber Hansa war immer mein erster Ansprechpartner. Ich wollte wissen, was hier möglich ist. Das Konzept hat mich überzeugt, daher war es klar, dass ich bleibe. Die 3. Liga schadet meiner Entwicklung nicht. Es war die richtige Entscheidung.

SPOX: Sie haben Abitur. Wie wichtig ist eine Bildung außerhalb des Platzes für den modernen Fußballer?

Jänicke: Ich habe eine Sportschule besucht, hatte also Schule und Training. Mir war es wichtig, das Abitur zu machen. Das ist keine Voraussetzung für den Profifußball, aber die Vereine achten mittlerweile auf eine gute Ausbildung auch außerhalb des Platzes. Ich finde es wichtig, dass ich mich immer weiterbilde und entwickle.

SPOX: Planen Sie schon die nächsten Schritte außerhalb des Fußballsports?

Jänicke: Momentan ist es noch ziemlich stressig, aber ich bemühe mich schon, dort Ordnung rein zu bekommen und dann wäre ein Studium sicherlich eine Option. Ich halte meine Augen auf.

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