Montag, 26.01.2015

Die Legion of Boom in der Datenanalyse

Das vierköpfige Monster

Wenn die Seattle Seahawks ihren Super-Bowl-Titel als erstes Team seit den New England Patriots 2004 und 2005 verteidigen wollen, muss gegen ebenjene Pats ein erneutes Meisterstück der Defense her. Höchste Zeit für eine Detail-Analyse der Legion of Boom - inklusive des möglichen X-Faktors für den Super Bowl.

Die Legion of Boom ist das Prunkstück der Seattle Seahawks
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Die Legion of Boom ist das Prunkstück der Seattle Seahawks

Weite Pässe, spektakuläre Catches und Touchdowns sind die Stichwörter, die die NFL längst beschreiben und mit denen sie vor allem assoziiert werden will. Die Regeln bevorteilen seit Jahren das Passspiel und halten Teams dazu an, offensiv zu spielen und dadurch Zuschauer anzuziehen. Doch Seattle fungiert hier als eine Art Gegenpol.

Seitdem die Defense ihre Verletzungssorgen aus der ersten Saisonhälfte überwunden hatte, ließen die Hawks in den letzten sechs Spielen der Regular Season im Schnitt nur unfassbare 6,5 Punkte pro Spiel zu. Wie schon im Vorjahr trug die Defense das Team in den Super Bowl und steht kurz davor, eine mögliche neue Dynastie einzuleiten. Immerhin sind fast alle Säulen der Defensive langfristig gebunden.

Es ist eine Defense, die über die Drafts von 2010 bis 2012 ihren entscheidenden personellen Schliff bekam, als Earl Thomas, Kam Chancellor, Richard Sherman, K.J. Wright, Malcolm Smith, Bobby Wagner und Bruce Irvin auf drei Jahre verteilt aus dem College nach Seattle kamen. Doch wie bringt Seattle seine PS auf den Rasen - und wie könnte das gegen die Patriots aussehen?

1. Die Basis-Defense

Seattle spielt prinzipiell eine 4-3 Under Formation, ein System, das Head Coach Pete Carroll bereits in Arkansas als Assistent von Monte Kiffin aus erster Hand lernte. Carroll übernahm das System sowohl bei den Vikings als auch bei USC und brachte es schließlich nach Seattle mit. Einfach gesagt bedeutet das: Es stehen vier D-Line-Men sowie drei Linebacker auf dem Platz, wobei aber häufig ein Hybrid-LB-DE dabei ist - sodass es sich vom Personal her auch um eine 3-4-Defense handeln könnte.

Die meisten Spieler an der Line sind nur für eine Gap verantwortlich. Markenzeichen sind außerdem Aggressivität, Geschwindigkeit und Flexibilität - die Defense kann ihren Fokus auf beide Richtungen verlagern (also auch "Over" spielen) und für Überzahlsituationen sorgen. Die Seahawks interpretieren es meist so, dass mit Bruce Irvin, dem Sam-LB, ein Outside Linebacker in Richtung der Strong Side der Offense verschiebt und so der Eindruck einer 5-2-Front entsteht (und diese ohne Zweifel auch nach dem Snap wie eine 5-2-Front agieren kann).

Flexibilität und Geschwindigkeit sind dabei auch das Thema in der Secondary. Seattle spielt gerne aus dieser Formation heraus entweder eine Cover 3, oder eine Cover-1-Robber-Defense. Letzteres heißt: Ein Safety (Earl Thomas) sichert gegen weite Pässe ab und bleibt hinten, während sich der zweite Safety (der deutlich physischere Kam Chancellor) zwischen den Linebackern und dem tiefen Safety postiert.

So verbreitet er Angst und Schrecken bei Crossing Routes - wie etwa bei seinem Hit früh im Super Bowl der vergangenen Saison gegen Demaryius Thomas. Gleichzeitig kann er aber auch innerhalb von Sekunden die Line of Scrimmage angreifen, sollte der Gegner einen Lauf-Spielzug versuchen, oder aber als QB-Spy fungieren, etwa wenn ein robuster QB wie Cam Newton Option-Lauf-Spielzüge versucht.

Thomas und Kam Bam: Das Herz

Generell ist Seattles All-Pro-Safety-Duo Herz und Seele der Legion of Boom, wenngleich Richard Sherman ob seiner dominanten Persönlichkeit die meiste mediale Aufmerksamkeit erhält. Kaum eine Advanced Stat symbolisiert das besser, als die Positive Expected Points Added der beiden.

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Hierbei geht es um den Einfluss eines Verteidigers auf einzelne Spielzüge, wobei nur für die ganze Defense positive Plays berücksichtigt werden, also solche Plays, bei denen die Defense den Offense-Raumgewinn geringer hält, als statistisch (berechnet aus Down, Distance und Field Position) zu erwarten ist. Unter allen Safeties der Liga rangieren Thomas (44,4 Punkte) und Chancellor (43,7) in diesem Jahr in der Top Fünf.

Die beiden verfügen außerdem über unfassbare Instinkte sowie enorm hohes Spielverständnis und werden dementsprechend nahezu perfekt eingesetzt: Chancellor liegt unter den drei besten Safeties, was Success Count, also die Anzahl der Plays, in denen er direkten Einfluss auf ein positives Defense-Play hatte, angeht (56). Darüber hinaus hat kein Safety mehr Fumbles erzwungen als Thomas (4), der enorme Freiheiten genießt und überall auf dem Platz zu finden ist.

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Adrian Franke

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