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Die Hatz nach den Erwartungen

Von Max Marbeiter
Dienstag, 03.02.2015 | 13:29 Uhr
Noah, Rose und Butler (v.l.n.r.) kassierten mit den Bulls zuletzt zwei Pleiten in Serie
© getty
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Das neue Jahr verläuft noch nicht wie gewollt. Zwischenzeitlich verloren die Chicago Bulls sogar sechs von acht Spielen, immer wieder setzt es Pleiten gegen die schwächeren Teams der Liga. Coach Tom Thibodeau wird bereits angezählt, auch Derrick Rose steht in der Kritik. Dennoch sollte niemand die Bulls abschreiben.

Erwartungen sind nichts Besonderes. Jeder hat sie. Ob nun im täglichen Leben, im Beruf, im Sport. Mal sind sie etwas niedriger angesetzt, mal realistisch, mal völlig überzogen. Nur präsent sind sie immer. Scheinen gewisse Dinge einen positiven Verlauf zu nehmen, steigen sie zusätzlich. Unausweichlich.

Ein Beispiel: Ein Basketball-Team erhält nach zwei Jahren endlich einen ehemaligen MVP zurück, verstärkt sich dazu mit einem zweifachen Champion, dessen Fachgebiet noch dazu ausgerechnet eine der größten Schwachstelle dieses Teams lindern könnte. Natürlich besitzt selbige Franchise bereits ein durchaus passables Gerüst aus fähigen Rollenspielern, Spezialisten, sogar einen Defensive-Player of the Year.

Sie besitzt zudem eine feste Identität, die ihr in den vergangenen Jahren NBA-weit größten Respekt eingebracht hat. Nicht zu vergessen einen Coach, der als einer der besten seines Fachs gilt, der sogar bereits zum Besten der gesamten Associtation gewählt wurde. All das ergibt in der Summe einen Mitfavoriten auf den Titel. Einen Contender. Unausweichlich.

Willkommen in Chicago!

Willkommen in Chicago! Mit Derrick Rose' Rückkehr, mit der Verpflichtung Pau Gasols, dank Joakim Noahs überragender, vergangener Saison, angesichts der Leistungen auch ohne den MVP von 2011 sollten die Bulls doch tatsächlich um den Titel mitspielen. Nein, sie sollten gemeinsam mit Cleveland den Osten dominieren. Soweit die Erwartungen.

Mittlerweile sind gut die Hälfte der 82 Saison-Spiele absolviert. 30 haben die Bulls gewonnen, 19 verloren. Keine schlechte Bilanz, aber eben keine dominante. Keine, mit der Chicago die Eastern Conference anführen würde. Bei weitem nicht. Und schon zeigt sich die Kehrseite hoher Erwartungen. Die Enttäuschung. Plötzlich wirkt vieles negativer als es eigentlich ist. Plötzlich drängen sich Fragen auf.

Was läuft nur schief am Lake Michigan? Wie kann es sein, dass es den Bulls, diesem Team, das in den vergangenen Jahren jedes Spiel anging, als ginge es um die Meisterschaft, häufig an Intensität mangelt? Wie kann ein Titelkandidat immer und immer wieder gegen deutlich schwächere Konkurrenten verlieren? Auch das Team selbst scheint sich mittlerweile derlei Fragen zu stellen.

Off-Nights, immer wieder Off-Nights

Derrick Rose beschrieb die Leistung seines Teams nach der Klatsche in Cleveland sogar als "f***** irritating." Wenig später sprach der MVP von 2011 davon, dass das Team zusammenhalten müsse. "So lange wir das nicht tun, wird uns der Hintern versohlt werden." Gesagt, getan. Binnen zweier Nächte folgten Siege gegen die Spurs und Mavs. Endlich alles gut, also? Weit gefehlt. Gegen Miami verfielen die Bulls wieder in dunkelste Zeiten, spielten schwach, verloren.

Sie hatten sich eine der Off-Nights geleistet. Wie so häufig zuvor. Boston. Orlando. Utah. Brooklyn. Die Lakers. Allesamt Teams, die, wenn überhaupt, nur im Entferntesten mit den Playoffs zu tun haben - und dennoch gegen Chicago gewannen. Natürlich rückte da das angeblich zerrüttete Verhältnis zwischen Coach Tom Thibodeau und dem Front Office auf die Agenda. Grundsätzlich passiert dies einmal pro Saison, nur die Deutlichkeit ist neu.

Kritik an Thibodeau

Thibodeau habe seinen Locker Room verloren, nicht mehr die Unterstützung seiner Spieler, heißt es zudem. Die Diagnose: Thibs' intensives Training, das schlechte Minuten-Management, kurz: die hohen Belastungen, wären im mittlerweile fünften Jahr einfach zu viel. Die harte Gangart ginge den Spielern, gelinde gesagt, auf die Nerven.

Ob Jimmy Butler gern weniger spielen würde, ist zwar nicht überliefert. Fakt ist jedoch, dass Chicagos Topscorer in dieser Saison mal wieder länger auf dem Feld steht als jeder andere Spieler der Association. 39,8 Minuten reißt Jimmy Buckets pro Spiel ab - und es zeigt Wirkung.

Butler leidet

Legte Butler im Dezember im Schnitt noch 21,5 Punkte auf, kam auf ein True Shooting von 57,9 Prozent, so sanken seine Werte im Januar auf 17,9 Zähler sowie 54,5 Prozent. Klar ist der Swingman für Chicago unersetzlich, spielt deshalb viel. Wo Butler früher jedoch hauptsächlich defensiven Aufgaben ausgesetzt war, ist er mittlerweile Topscorer der Bulls - und taucht - wie selbst gewünscht - auch offensiv in den Scouting Reports des Gegners auf.

Mitunter wird er gedoppelt, ist damit größeren Belastungen ausgesetzt. Dazu die exzessive Spielzeit. Das allnächtliche Verteidigen des besten gegnerischen Flügels. All das scheint sich mittlerweile auf die Leistung auszuwirken. Andererseits legte Butler in L.A ein Career High auf (35 Punkte) und kam gegen Phoenix immerhin auf 22 Punkte (44,4 Prozent FG) sowie 7 Rebounds.

Auf Gnade seines Coaches muss er ohnehin nicht hoffen. "Du musst dir dein Team und deine Situation ansehen", sagte Thibodeau kürzlich. "Leute nutzen San Antonio als Beispiel, aber Tim Duncan spielte während seiner ersten sieben Jahre auch an die 40 Minuten." Thibs verwies zudem auf Michael Jordan und Scottie Pippen, die während ihrer Zeit in Chicago ebenfalls einen Großteil des Spiels auf dem Feld verbracht hätten.

Auch zur Kritik, er ließe zu hart trainieren, hatte der Coach etwas zu sagen. "Der einzige Weg, um Ausführung und Timing zu verbessern, ist Wiederholung", erklärt Thibodeau. "Der einzige Weg, Dinge zu wiederholen, ist Training. Es gibt diese Denkweise, dass weniger Minuten besser sind. Gleichzeitig gibt es die Denkweise, dass du dich verschlechterst, wenn du zu weniger machst."

Seite 1: Kritik an Thibodeau und Marathon-Mann Butler

Seite 2: Schwächelnde Defense und Mirotic als Noah-Partner

Seite 3: Rose' Probleme und Schlüssel Dunleavy

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