Dienstag, 23.11.2010

Skispringen - Martin Schmitt im Interview

"Es gibt keinen Grund aufzugeben"

Martin Schmitt ist seit Jahren das Aushängeschild des deutschen Skispringens, dabei scheint er seine besten Jahre längst hinter sich zu haben. Im Gespräch mit SPOX macht der 32-Jährige dennoch einen äußerst ausgeglichenen Eindruck, erklärt, was ihn noch immer antreibt und spricht über Ehrgeiz, Lockerheit und den SC Freiburg.

DSV-Ikone Martin Schmitt wirkt vor dem Saisonstart besonders locker
© Getty
DSV-Ikone Martin Schmitt wirkt vor dem Saisonstart besonders locker

SPOX: Herr Schmitt, Sie stammen aus der Nähe von Freiburg und sind großer Fußball-Fan. Waren Sie in dieser Saison schon mal beim SC im Stadion?

Martin Schmitt: Nein, leider noch nicht. Oder besser Gott sei Dank.

SPOX: Warum Gott sei Dank?

Schmitt: Naja, die sind in dieser Saison ja richtig gut drauf. Vielleicht, weil ich noch nicht im Stadion war. (lacht)

SPOX: Dennoch verfolgen Sie den SC Freiburg genau. Warum läuft es denn aktuell so gut?

Schmitt: Ich bin kein Experte, aber ich glaube, dass man in Freiburg einfach sehr ruhig und konzentriert arbeitet. Außerdem haben sie mit Robin Dutt einen guten Trainer, der die Jungs im Griff hat und sehr akribisch arbeitet. Der ganze Verein steht für ehrliche Arbeit und setzt sich darüber hinaus keine unrealistischen Ziele. Das wird momentan belohnt.

SPOX: Welche Ziele haben Sie sich für diesen Winter gesetzt?

Schmitt: Ich hoffe, auch keine unrealistischen. (lacht)

SPOX: Das heißt?

Schmitt: An Ergebnissen will ich das nicht festmachen. Ich träume auch nicht mehr von irgendwelchen Erfolgen. Ich habe den Ehrgeiz, das Maximale aus mir herauszuholen, in jedem einzelnen Bereich. So gehe ich jede Aufgabe an. Mein Antrieb ist, dass ich es schaffe, an meinem absoluten Limit zu springen. Und wenn mir das gelingt, dann bin ich auch konkurrenzfähig.

SPOX: Was verstehen Sie unter "konkurrenzfähig"?

Schmitt: Wenn ich an mein Optimum heran komme, dann kann ich vorne mitspringen. Ich weiß nicht, ob ich nochmal ein Springen gewinnen werde, aber ich traue mir auf jeden Fall noch zu, an einem guten Tag mit den Top-Leuten mithalten zu können.

SPOX: Im letzten Jahr waren Sie von den Top-Leuten allerdings häufig weit entfernt. Auch in diesem Sommer lief es nicht besonders rund.

Schmitt: Körperlich bin ich in einem Top-Zustand. Aber wenn man wieder angreifen will, dann muss man auch einige andere Dinge wie zum Beispiel das Material überprüfen, Risiken eingehen und verschieden Sachen ausprobieren. Das habe ich gemacht. Ich gehe davon aus, mich im Winter in einer guten Form präsentieren zu können. Die Frage ist nur: wann? (lacht)

SPOX: Sie wirken viel entspannter und gelassener als vor einigen Jahren.

Schmitt: Ich weiß nicht, ob ich jetzt lockerer bin. Ich bin sicherlich erfahrener, kann gewisse Situationen besser einschätzen und lasse mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Ich glaube, ich habe mittlerweile die richtige Mischung zwischen Ehrgeiz und der nötigen Lockerheit gefunden. Aber grundsätzlich bin ich immer noch der gleiche Mensch.

SPOX: Also gehen Sie noch immer extrem ehrgeizig an die Sache heran?

Schmitt: Lockerheit ist kein Patentrezept. Jeder Sportler hat seinen eigenen Charakter und eine eigene Herangehensweise an die Dinge. Ich bin sicherlich sehr ehrgeizig und habe es in Vergangenheit auch das eine oder andere Mal erzwingen wollen. Wenn ich diesen Ehrgeiz allerdings nicht hätte und mich schlechte Ergebnisse nicht in dem Maße ärgern würden, dann wäre ich heute wahrscheinlich gar nicht mehr aktiv.

SPOX: Die schlechten Ergebnisse als Antrieb? Andere hören gerade deshalb auf.

Schmitt: Für mich gibt es einfach keinen Grund aufzugeben. Die Herausforderung ist im Laufe der Zeit sicher immer größer geworden. Aber gerade das ist doch spannend. Ich überprüfe mich da selbst: Kann ich das noch schaffen? Und noch traue ich mir das zu. Das Beste aus mir herauszuholen, das ist meine Motivation. Mich würde es viel mehr aufregen, wenn ich mit 28 Jahren aufgehört hätte und jetzt zuhause sitzen würde und mir eingestehen müsste, dass ich zu früh Schluss gemacht habe.

SPOX: Dann ist auch noch kein Karriereende in Sicht?

Schmitt: Meine ganze Konzentration gilt jetzt erstmal dieser Saison. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Im Moment hätte ich allerdings noch Lust auf ein weiteres Jahr und kann mir eigentlich schon gut vorstellen, bis 2012 zu springen.

SPOX: Sie sind nach wie vor das Aushängeschild des DSV. Wie stark ist die deutsche Mannschaft in diesem Jahr?

Schmitt: Japan und Polen waren im Sommer sehr stark. Aber der Gradmesser wird sicherlich wieder Österreich sein. Ich bin allerdings keiner, der auf die anderen schaut. Mit unserem Team müssen wir uns sicherlich vor keiner Nation verstecken, da sind wir auch stärker als im letzten Jahr. Wir haben eine gute Mannschaft, in der die Mischung aus alt und jung stimmt.  Was uns zum Beispiel im Vergleich zu den Österreichern abgeht, ist ein Siegspringer.

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