Sonntag, 15.07.2012

Teppichnägel auf der Strecke sorgt für viele Defekte

Sabotage-Akt überschattet 14. Tour-Etappe

Cadel Evans stand hilflos ohne Hinterrad auf dem Gipfel der Mur de Peguere, der Kroate Robert Kiserlovski krümmte sich mit großen Schmerzen auf dem Asphalt und sogar das TV-Motorrad wurde mit einem Plattfuß aus dem Verkehr gezogen. Ein Sabotage-Akt hat die 14. Etappe der 99. Tour de France überschattet. Zahlreiche Teppichnägel waren auf die Strecke geworfen worden, sodass es zu etlichen Defekten bei den Spitzenfahrern kam.

Als Vorjahressieger Evans nach mehreren Defekten das Ziel erreichte, war ihm der Frust anzusehen
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Als Vorjahressieger Evans nach mehreren Defekten das Ziel erreichte, war ihm der Frust anzusehen

"Dramatischer Tag heute bei der Tour. Drei Platten auf den letzten 38 Kilometern - alle durch Teppichnägel", twitterte Cadel Evans im Ziel - und lieferte den Beweis gleich mit.

"So viele Defekte sind verdächtig. Es ist etwas auf die Straße geworfen worden. Das war ein dummer Streich. Es war sehr gefährlich für die Fahrer", schimpfte Tourchef Christian Prudhomme und Renndirektor Jean-Francois Pescheux ergänzte: "30 von 50 Fahrern hatten einen Platten. Wir konnten das Rennen nicht neutralisieren, weil alles so schnell ging. Wir wissen nicht, wer der Täter war."

Besonders heftig hatte es Kiserlovski und Vorjahressieger Evans erwischt. Kiserlovski stürzte so schwer, dass er das Rennen mit Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch aufgeben musste. Evans musste indes gleich dreimal das Hinterrad und einmal das Vorderrad wechseln. Immer wieder standen Fahrer am Straßenrand, die Mechaniker waren quasi im Dauereinsatz. So sprach Evans' BMC-Teamchef Jim Ochowicz gleich von einem "kriminellen Akt".

Tour de France 2012: Die zweite Woche
Wo ist Waldo? Die zweite Woche der Tour de France hatte jede Menge Berge auf dem Programm, und Berge = Fans überall. Da sieht man die Fahrer kaum
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Bradley Wiggins fuhr bereits in Gelb, aber durch seinen Sieg im Zeitfahren baute er seinen Vorsprung aus. Da war auch Cancellara chancenlos
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So ließ es sich den ersten Ruhetag genießen. Wiggins ist nur Haut und Knochen - aber auf dem Rad eine Maschine
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Es schlug die Stunde der Franzosen. Thomas Voeckler holte sich die 11. Etappe. Aber das reichte Team Europcar noch nicht...
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...denn am nächsten Tag schlug sein Teamkollege Pierre Roland zu und siegte auf dem Weg nach La Toussuire. Und das trotz Sturz!
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Das gepunktete Trikot riss sich der Schwede Fredrik Kessiakoff unter den Nagel. Sein Rezept: Ausreißen, was die Beine hergeben
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Bitter für Cadel Evans: Nachdem er im Zeitfahren viel an Boden verlor, konnte er Wiggins auch in den Bergen nicht Paroli bieten. Adé Titelverteidigung!
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Härtester Konkurrent für Wiggins ist jetzt der Italiener Vincenzo Nibali, der ihm am Berg den einen oder anderen Nadelstich versetzen konnte
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Härtester Konkurrent für Wiggins ist jetzt der Italiener Vincenzo Nibali, der ihm am Berg den einen oder anderen Nadelstich versetzen konnte
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Nicht zu vergessen: Gorilla Greipel! Für den Rostocker gab es am Samstag bereits den dritten Etappensieg. Power pur!
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Aber am besten lachen haben natürlich die Fans von Bradley Wiggins. Go Wiggo, Paris ist nicht mehr weit
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"Wussten sofort, dass etwas nicht stimmt"

Auch Spitzenreiter Bradley Wiggins war nicht unbeschadet davongekommen, der Brite musste einmal das Rad wechseln. Zuvor hatte der Bahn-Olympiasieger aber Größe bewiesen und seine Mitstreiter in der Favoritengruppe angewiesen, das Tempo zu drosseln, bis Evans und alle weiteren abgehängten Fahrer wieder aufgeschlossen hatten.

"Es ist traurig, aber als Radsportler müssen wir es wohl hinnehmen. Im Fußballstadion wäre man sofort verhaftet worden. Wir sind nun einmal verwundbar. Ich hoffe, dass das nicht noch einmal passiert. Was soll man machen? Man kann das nicht kontrollieren", sagte Wiggins und fügte hinzu: "Wir wussten sofort, das irgendwas nicht stimmt. Plötzlich hatten 15, 16 Fahrer einen Platten."

Für sein Verhalten erhielt Wiggins viel Lob. "Es war sehr ehrlich und fair von ihm, dass er gewartet hat", lobte BMC-Sportdirektor John Lelangue. Aber auch die Begleitfahrzeuge waren betroffen. Das TV-Motorrad musste beispielsweise auch mit einem Plattfuß stoppen.

Sanchez hängt Sagan ab

Der Sabotage-Akt war auch ein Grund dafür, warum sich die Favoriten einen Rückstand von gut 18 Minuten auf Tagessieger Luis Leon Sanchez eingehandelt hatten. Der Spanier und seine Mitstreiter in der Ausreißergruppe waren jedenfalls von dem Vorfall nicht betroffen und machten den Sieg unter sich aus.

So siegte nach 191 Kilometern von Limoux nach Foix Solist Sanchez mit einem Vorsprung von 47 Sekunden vor den Mitausreißern Peter Sagan (Slowakei) und Sandy Casar (Frankreich). Es war bereits der fünfte Tour-Etappensieg in der Karriere des Spaniers.

"Ich wusste, dass ich attackieren muss. Im Sprint hätte ich gegen Sagan kaum eine Chance gehabt", sagte Sanchez, der einer von nur noch vier Rabobank-Profis im Feld ist. "Wir hatten viel Pech, aber unsere Mannschaft hat ordentlich gearbeitet."

Wiggins weiter 2:05 Minuten vor Froome

Das Gelbe Trikot von Wiggins war beim Einstieg in die Pyrenäen so oder so zu keiner Zeit in Gefahr. Der Bahn-Olympiasieger geht mit einem Vorsprung von 2:05 Minuten auf seinen Landsmann und Sky-Teamkollegen Christopher Froome in die letzte Tour-Woche und hat den ersten britischen Gesamtsieg in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt weiter fest im Visier.

Andre Greipel hatte am Sonntag angesichts der zwei Berge der ersten Kategorie mit dem Ausgang des Rennen nichts zu tun. Dafür hatte der deutsche Topsprinter sein Soll bereits auf der 13. Etappe voll erfüllt.

Am Cap d'Agde hatte Greipel dem slowakischen Überflieger Peter Sagan mit einem kraftvollen Sprint die Grenzen aufgezeigt und war zum dritten Mal auf das oberste Treppchen gefahren, womit er sich selbst schon einmal zu seinem 30. Geburtstag am Montag vorzeitig beschenkte. Drei Etappensiege bei einer Frankreich-Rundfahrt waren von den deutschen Profis nur Erik Zabel, Rudi Altig, Jan Ullrich und Didi Thurau geglückt.

Tour de France 2012: Alle Etappen im Profil
Die 99. Tour de France bietet auf einer Strecke von 3497 km neun Flachetappen, vier hügelige Abschnitte, zwei Zeitfahren und fünf Tage am Berg. SPOX stellt die Etappen vor
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Samstag, 30. Juni: Prolog in Lüttich (6,4 km)
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Sonntag, 1. Juli: 1. Etappe von Lüttich nach Seraing (198 km)
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Montag, 2. Juli: 2. Etappe von Visé nach Tournai (207,5 km)
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Dienstag, 3. Juli: 3. Etappe von Orchies nach Boulogne-sur-Mer (197 km)
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Mittwoch, 4. Juli: 4. Etappe von Abbeville nach Rouen (214,5 km)
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Donnerstag, 5. Juli: 5. Etappe von Rouen nach Saint-Quentin (196,5 km)
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Freitag, 6. Juli: 6. Etappe von Épernay nach Metz (207,5 km)
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Samstag, 7. Juli: 7. Etappe von Tomblaine nach La Planche des Belles Filles (199 km)
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Montag, 9. Juli: 9. Etappe von Arc-et-Senans nach Besancon (41,5 km Einzelzeitfahren)
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Mittwoch, 11. Juli: 10. Etappe von Mâcon nach Bellegarde-sur-Valserine (194,5 km)
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Donnerstag, 12. Juli: 11. Etappe von Albertville nach La Toussuire (148 km)
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Freitag, 13. Juli: 12. Etappe von Saint-Jean-de-Maurienne nach Annonay Davézieux (226 km)
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Samstag, 14. Juli: 13. Etappe von Saint-Paul-Trois-Châteaux nach La Cap d'Agde (217 km)
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Sonntag, 15. Juli: 14. Etappe von Limoux nach Foix (191 km)
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Montag, 16. Juli: 15. Etappe von Samatan nach Pau (158,5 km)
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Freitag, 20. Juli: 18. Etappe von Blagnac nach Brive-la-Gaillarde (222,5 km)
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Samstag, 21. Juli: 19. Etappe von Bonneval nach Chartres (53,5 km Einzelzeitfahren)
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Sonntag, 22. Juli: 20. Etappe von Rambouillet nach Paris (120 km)
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Vor allem aber muss die Art und Weise, wie Greipel siegte, die Konkurrenz mit Blick auf das olympische Straßenrennen in Alarmstimmung versetzen. Selbst der fürchterlich steile Mont Saint-Clair 23 Kilometer vor dem Ziel hielt den Mann, den sie "Gorilla" nennen, nicht auf. "Ich war bei den Junioren mal deutscher Bergmeister", scherzte Greipel. Allerdings sei er damals zehn Kilo leichter gewesen.

Weiter geht es am Montag mit der 15. Etappe über 158,5 Kilometer von Samatan nach Pau. Das Profil der 158,5 Kilometer spricht eigentlich für eine Sprintentscheidung, denn es gibt lediglich drei kleinere Bergwertungen. Allerdings geht es auf der Fahrt mit den Pyrenäen in Sichtweite ständig auf und ab, sodass Ausreißer - den Ruhetag am Dienstag im Hinterkopf - einiges riskieren werden.

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