Endlich eine Entscheidung

Montag, 19.05.2014 | 14:40 Uhr
DBB-Präsident Ingo Weiss (l.) hat sich gegen Bundestrainer Frank Menz entschieden
© imago
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Nach Monaten der Tatenlosigkeit zwingt sich der DBB mit der Degradierung von Frank Menz vom Bundestrainer zum U-20-Trainer zu einem Neuanfang. Aber warum wurde kostbare Zeit vergeudet? Und warum die fundamentale Kritik von allen Seiten so lange ignoriert? Ein Kommentar von SPOX-Chefredakteur Haruka Gruber.

Der kundige Basketball-Journalist führte in den letzten Wochen teils wundersame Telefonate. Wundersam deshalb, weil es sehr selten vorkommt, dass sich die Gesprächspartner so einig sind, obwohl diese ansonsten unterschiedlichste Intentionen verfolgen.

Agenten versuchen üblicherweise, die Berichterstattung über jene Trainer und Spieler positiv zu beeinflussen, die sie offiziell oder über Mittelsmänner vertreten. Sportdirektoren wiederum betreiben Lobbyismus im Sinne ihres Vereins. Und wenn Trainer oder Spieler direkt anrufen oder sich anrufen lassen, dann häufig, um ihre ureigene Agenda zu verfolgen.

In der jüngeren Vergangenheit allerdings haben sich weite Teile von Basketball-Deutschland auf eine kuriose Art verbündet - und das bei einer der wichtigsten Fragen überhaupt: Wer soll die deutsche Nationalmannschaft trainieren?

Zweifel an Menz

Die gut informierte "BIG" wagte als erstes Medium, offen über die Coaching-Debatte beim DBB zu berichten. Nach dem EM-Desaster 2013 versteckte sich der Basketball-Bund aus einem Gefühl der Rechtfertigung heraus hinter skurrilen Ausreden ("Die EM ist nicht wichtig") und behielt als Konsequenz Bundestrainer Frank Menz im Amt.

Und das, obwohl jeder, wirklich JEDER, mit dem SPOX sprach, Menz bei allem Fleiß als nicht ausreichend qualifiziert ansieht für den absoluten Top-Bereich, sei es aus zwischenmenschlichen und/oder basketballerisch-taktischen Gründen. Zu dem Kreis jener Gesprächspartner gehören zahlreiche aktuelle und ehemalige Nationalspieler, Trainer und Funktionäre von BBL-Klubs sowie einflussreiche Spielerberater - die aber allesamt nicht zitiert werden möchten.

Allerdings wurde mehrmals die Bitte herangetragen, zum Wohle des deutschen Basketballs die Diskussion journalistisch anzufachen, um die Tatenlosigkeit des DBB zu beenden. Immerhin geht es um das vielleicht wichtigste Amt im deutschen Basketball. Als umso befremdlicher wurde das Vorgehen des DBB bewertet, nach der EM acht Monate lang wenig bis nichts zu unternehmen (DBB-Pressemitteilung: "Wir haben in Ruhe abgewägt") - nur um jetzt den Trainer auszutauschen.

Mutapcic offenbar Topfavorit

Denn am Montag kam nun doch Bewegung in die Personalie und Menz wurde mit sofortiger Wirkung zurück in die U 20 beordert, nachdem sich der DBB lange in halbgare Dementis zu retten versuchte. Wie "BIG" und "Sport1" berichten, ist nun Bayerns Co-Trainer Emir Mutapcic der Topfavorit. Aber wer auch immer die Nachfolge antritt, mit der Menz-Degradierung wurde endlich die notwenige, längst fällige Entscheidung getroffen.

Menz' Verhältnis zu einem Großteil der Nationalmannschaft ist gestört oder arg ramponiert, zugleich fehlt ihm die komplette Rückendeckung aus der BBL und aus der Gilde der Spielerberater. "Es ist egal, wer der neue Bundestrainer ist. Hauptsache, es gibt einen neuen Bundestrainer", hört man allzu oft.

Sommer 2014: Nur die EM-Quali, dennoch eminent wichtig

Der Tenor ist derart eindeutig, dass es verwundert, warum der DBB so zögerte. Wenn Menz geblieben wäre, wäre er durch das Verhalten in den letzten Wochen unnötig geschwächt gewesen. Jetzt, da er gehen muss, wurden acht Monate seit der EM verschwendet, in welchem sich der neue Trainer mit den Nationalspielern hätte auseinandersetzen können, um sie auf eine der wichtigsten Phasen der jüngeren DBB-Geschichte vorzubereiten.

Die diesjährige Qualifikation zur EM 2015 mag nicht reizvoll und besonders anfordernd sein, doch sie ist ideal, um eine neue Mannschaft im Sinne des neuen Trainers zu finden und zusammenwachsen zu lassen, bevor bei der Europameisterschaft im kommenden Sommer die Tickets für Olympia 2016 vergeben werden.

Fakt ist: Vor allem dank der Bemühungen der BBL und der Klubs verfügt Deutschland mittlerweile über einen Pool an talentierten Basketballern zwischen 20 und 25 Jahren, der selbst im Vergleich zu europäischen Topnationen mehr als respektabel ist. Was fehlt, ist die Gewissheit, wer diese Mannschaft verantwortet.

Fleming der perfekte Bundestrainer?

Nebenbei bemerkt: Es ist eines der schlecht gehüteten Geheimnisse der BBL, dass Bambergs viermaliger Meistercoach Chris Fleming in dieser Saison mehrmals nur Millimeter vor der Entlassung stand. Fleming, über den viele sagen, dass er der perfekte Bundestrainer sei, ist bei Michael Stoschek, Boss des Hauptsponsors Brose, nicht wohl gelitten.

Und Wolfgang Heyder, lange die einzig entscheidende Instanz und stärkster Befürworter des Trainers, wurde durch die Einberufung von Co-Geschäftsführer Marko Beens geschwächt.

Sprich: Spätestens nach dem Playoff-Viertelfinal-K.o. gegen Artland am Sonntag dürfte die Trennung von Fleming beschlossen sein. Wobei: Auch hier fehlen die klaren Statements...

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