Boxen

"Mikkel Kessler ist der Topfavorit!"

Von Interview: Stefan Maurer
Markus Beyer boxte vor drei Jahren Mikkel Kessler, Abrahams vielleicht größten Konkurrenten
© Getty

Markus Beyer war Weltmeister im Supermittelgewicht. Grund genug für SPOX, mit ihm über das anstehende Super-Six-Turnier, den Kampf zwischen Arthur Abraham und Jermain Taylor, Abrahams Umstellung auf die höhere Gewichtsklasse und das eigene Interesse an einem Super-Six zu sprechen.

SPOX: Wie sehr freut sich der Boxfan in Ihnen auf das Super-Six-Turnier?

Markus Beyer: (lacht) Eigentlich bin ich selbst ja gar kein Boxfan. Aber das ist eine tolle Sache. Das neue System bringt frischen Wind in das Boxen. Fraglich ist, ob die Attraktivität über die Gesamtdauer von eineinhalb Jahren hinweg gehalten werden kann. Ich weiß nicht, ob das die Zukunft des Boxens sein wird, weil es ja zwischen den Weltverbänden immer Animositäten und Interessenskonflikte gibt. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass dieses Turnier zustande kam.

SPOX: Hätten sie während ihrer aktiven Karriere auch gerne an einem solchen Event teilgenommen?

Beyer: Auf jeden Fall. Wenn die Möglichkeit da gewesen wäre, hätte ich sicher mitgemacht.

SPOX: Von Gedankenspielen in die Realität: Arthur Abraham und Jermain Taylor machen am Samstag in Berlin den Anfang. Wie wird König Arthur Ihrer Meinung nach mit dem Wechsel ins Supermittelgewicht klar kommen?

Beyer: Rein körperlich hat er nun andere Kaliber vor sich stehen als bisher im Mittelgewicht. Wenn ich da nur an Mikkel Kessler denke, den ich ja selbst geboxt habe. Das ist ein Pfund. Ein weiterer Nachteil ist natürlich die Körpergröße - er ist kleiner als seine Kontrahenten und muss das durch Schnelligkeit wettmachen.

SPOX: Abraham selbst hat gesagt, dass ihm der Schritt nach oben gut tut.

Beyer: Für ihn ist es auf jeden Fall eine Erholung, weil er nicht mehr so viel Gewicht machen muss. Er fühlt sich so wohler. Das kenne ich auch aus meiner Karriere. Das ist einfach der unangenehmste Teil des Jobs.

SPOX: Trotz dieses Schrittes, wie schätzen Sie die Chancen von Abraham gegen Taylor ein?

Beyer: Das wird ein sehr interessanter Kampf. Bei Taylor wird es ganz stark davon abhängen, wie gut er vorbereitet ist. Das ist bei Amerikanern eine Sache, die man nie ganz genau beurteilen kann. Aber ich gehe davon aus, dass er durch das Turnier seine Chance wittert, wieder voll durchzustarten. Taylor hat mit Bernard Hopkins einen überragenden Boxer zwei Mal geschlagen. Das sagt viel über ihn aus. Wenn Jermain taktisch gut eingestellt ist, hat er gute Chancen, den Kampf zu gewinnen.

SPOX: Können Sie etwas über die Stärken und Schwäche von Jermain Taylor sagen?

Beyer: Ich denke, er ist physisch nicht so stark wie Abraham, aber er hat eine unglaubliche Erfahrung in großen Kämpfen.

SPOX: Sie haben den Größennachteil angesprochen: Wie muss Abraham einen größeren Kämpfer wie Taylor boxen?

Beyer: Arthur wird deutlich mehr agieren müssen als zuletzt im Mittelgewicht. Er war oft in den ersten Runden zu inaktiv und hat die Kämpfe nur über seine starke Physis und seinen Punch gwonnen. Das kann so gegen Taylor gefährlich werden.

SPOX: Viele Experten sehen in Abraham trotz allem den Turnier-Favoriten. Sie auch?

Beyer: Für mich ist Mikkel Kessler der absolute Favorit. Er ist ein gestandener Supermittelgewichtler und der kompletteste Boxer von allen. Chancen haben aber alle, die antreten. Sollte Taylor gegen Abraham gewinnen, wird er sofort zum Geheimfavoriten. Für mich ist Andre Ward die größte Unbekannte. Olympiasieger wird man nicht im Vorbeigehen. Da muss also viel Potential da sein.

SPOX: Hat Abraham gegen die Supermittelgewichtler die Power für zwölf Runden?

Beyer: Doch, auf jeden Fall bringt er genügend Power mit. Dass weiß ich aus dem Sparring mit ihm. Vor allem, da er nicht mehr so viel Abnehmen muss. Das ging zuletzt ja auch auf Kosten der Power und Ausdauer, deshalb musste er sich in den Kämpfen auch ab und zu ein bisschen ausruhen.

SPOX: Hätten sie als Boxer diese Phasen nicht ausgenutzt? Wie wären sie Arthur im Ring begegnet?

Beyer: Das ist eine schwierige Frage, weil Arthur mit Ulli Wegner einen echten Taktik-Fuchs in seiner Ecke hat. Ich würde aber versuchen, Arthur zu Beginn eines Kampfes unter Druck zu setzen, dass er nicht zur Entfaltung kommt. Mit den ersten gewonnenen Runden im Rücken würde ich ihn dann auf Distanz halten, ihn ins Leere laufen lassen und das eine oder andere Mal auskontern. Seltsamerweise hat noch keiner so gegen ihn geboxt, aber das ist auch leichter gesagt als getan.

Die Abraham-Kolumne: "Darum werde ich Taylor schlagen"

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