Superstar-Fluch: Wer kann Robben ersetzen?

Von SPOX
Samstag, 05.06.2010 | 13:55 Uhr
Arjen Robben muss nach seiner Oberschenkelverletzung um die WM zittern
© Imago
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Dass Deutschland bei der WM ohne Michael Ballack auskommen muss, war ein harter Schlag für Joachim Löw. Doch der Bundestrainer ist nicht der einzige Coach, dem bei der WM ein Schlüsselspieler fehlt. In Nigeria fällt der Kopf des Teams aus, die Niederländer bangen um Arjen Robben. Zuvor erwischte es bereits vier weitere Stars. SPOX bewertet die Situation dieser Länder.

Niederlande: Arjen Robben

Es war ein Schock für die niederländische Nationalmannschaft: Arjen Robben vom deutschen Meister Bayern München erlitt beim 6:1 im WM-Test gegen Ungarn am Samstag in Amsterdam ohne Fremdeinwirkung eine Verletzung im linken Bein.

Der 26-Jährige fliegt nicht mit der holländischen Auswahl zur WM-Endrunde nach Südafrika. Am Sonntag will sich Robben einer Kernspintomografie unterziehen. "Das ist eine Katastrophe. Ich hoffe aber, dass er vielleicht doch noch mitfahren kann. Solange eine kleine Chance besteht, werde ich ihn mitnehmen", sagte Bondscoach Bert van Marwijk schockiert.

Wie wird der Ausfall personell kompensiert? Obwohl die Offensive der Niederlande so gut und vor allem so tief besetzt ist wie bei keiner anderen Top-Nation, gehörte Robben - anders als beispielsweise Rafael van der Vaart - zu den Fixgrößen von van Marwijk. Nach seiner Einwechslung gegen Ungarn war Robben nicht zufällig mit zwei Toren der beste Mann der Oranje. Sollte der 26-Jährige jedoch ausfallen, bleiben van Marwijk ausreichend Optionen. Dirk Kuyt kann nach links ausweichen, Hamburgs Eljero Elia fühlt sich am linken Flügel am wohlsten, van der Vaart und Ryan Babel kennen die Position ebenfalls. Und auch Robin van Persie ist eine Option, obwohl er als Stoßstürmer eingeplant war. Zur Not beginnt dann Klaas-Jan Hunterlaar oder Kuyt in der Sturmmitte.

Was heißt der Ausfall für das Spiel der Niederlande? Im Grunde nicht viel, außer dass der Oranje nun ein torgefährlichster Außenspieler abgeht. Die Niederlande hält aus Überzeugung am 4-3-3 oder je nach Lesart am 4-2-3-1 fest - egal ob sich einer verletzt oder nicht. Selbst Robben.

Was ändert sich durch den Ausfall im Team? Auch wenn Robben in der Form seines Lebens zur WM gereist wäre und in dieser Saison zu den drei besten Spielern der Welt gehört hat: Er hätte nicht zu den Führungsspielern gezählt, von daher wäre ein möglicher Ausfall zumindest für die Hierarchie zu verschmerzen. Die Leader sind andere, zum Beispiel Kapitän Giovanni van Bronckhorst und Mark van Bommel. Im Gegenteil: Robben sorgte in der Vorbereitung für Dissonzanzen im Holland-Lager, weil er sich unzufrieden darüber äußerte, nicht wie bei den Bayern rechts, sondern auf dem linken Flügel spielen zu müssen.

Nigeria: John Obi Mikel

Michael Ballack, Didier Drogba, Jose Bosingwa, Michael Essien und jetzt auch John Obi Mikel: Es ist nicht vermessen, von einem Chelsea-Fluch zu sprechen, nachdem jetzt schon der fünfte Star der Blues für die WM ausfällt.

Die bittere Nachricht für Nigeria wurde am Samstag publik: Aufgrund der nicht ausgeheilten Knieverletzung fällt der Kopf der Super Eagles für die WM aus. Noch vor wenigen Tagen gaben die Nigerianer grünes Licht für den Einsatz des Mittelfeldspielers. Nun herrscht aber bittere Gewissheit.

Die chaotische WM-Vorbereitung mit kurzfristigem Trainerwechsel, nicht richtig organisierten Testspielen und Problemen um das WM-Quartier, hat nun ihren Höhepunkt erreicht. Nigeria wird ohne seinen Leader in Südafrika antreten. Die Quoten für ein Weiterkommen in der Gruppe B sind seit Mikels Aus deutlich gestiegen.

Wie wird der Ausfall personell kompensiert? Ganz unvorbereitet trifft der Ausfall Nigerias Trainer Lars Lagerbäck nicht. Mikel laboriert seit Monaten an seiner Knieverletzung und konnte die Vorbereitung auch nicht vollends mitmachen. Sollte Nigeria weiter im 4-3-3 auflaufen, wird er vermutlich durch Haruna Lukman vom AS Monaco ersetzt. Der erst 19-Jährige würde mit den gesetzten Yussuf Ayila (Dynamo Kiew) und Dickson Etuhu (FC Fulham) das Mittelfeld bilden. Lukman beeindruckte Lagerbäck in der Vorbereitung, ist aber mit einem einzigen Länderspiel noch sehr unerfahren. Getestet wurde auch Sani Kaita (Wladikawkas).

Was heißt der Ausfall für das Spiel Nigerias? Bisher ist offen, ob Nigeria beim 4-3-3 bleibt. Trainer Lars Lagerbäck, der ohnehin kein großer Freund des Systems ist, aber aufgrund der knapp bemessenen Zeit keine großen Änderungen vornehmen wollte, könnte jetzt endgültig auf sein favorisiertes 4-4-2 zurückgreifen. Yussuf und Etuhu würden in dieser Formation die Zentrale im Mittelfeld besetzen - sie sollen das Spiel verwalten, wobei beide in der Vorwärtsbewegung jedoch ihre Schwächen haben. Daher kommt in einem möglichen 4-4-2 den beiden Flügelspielern große Bedeutung zu - doch im Kader fehlen die Typen dafür. Chinedu Obasi und Peter Odemwingie sind eigentlich zu offensiv, Kalu Uche ist eher ein Mann für das zentrale offensive Mittelfeld.

Was ändert sich durch den Ausfall im Team? Auch mit Systemumstellungen und Hereinnahmen von Nobodys wie Lokman kann Nigeria den Ausfall Mikels sportlich nicht kompensieren, aber auch als Leader ist der einzige richtige Star des Teams unersetzlich. Mikel ist das Gesicht des nigerianischen Fußballs - nun muss Lagerbäck ohne einen wichtigen Ansprechpartner auskommen. Mit Okocha, Okechukwu, Finidi, Oliseh oder Amokachi hatte Nigeria in früheren Turnieren Hochkaräter in Hülle und Fülle. Inzwischen steht und fällt das Team mit einem Mann wie Mikel. Jetzt muss sich  Oldie Nwankwo Kanu als Wortführer noch mehr in Szene setzen.

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