Deutschlands peinlichste Auftritte

Als Rudi explodierte

Von Für SPOX in Vaduz: Stefan Rommel
Samstag, 06.09.2008 | 15:47 Uhr
Rudi, Völler, Waldi, Hartmann
© Imago
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Für gewöhnlich ist Joachim Löw sehr zurückhaltend, was seine Prognosen vor einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft angeht.

Der Bundestrainer versucht dann immer, auch auf die Stärken des Gegners hinzuweisen und dass seine Mannschaft gewarnt sein müsse.

Vor dem Auftakt zur WM-Qualifikation gegen das Fürstentum Liechtenstein, 36.000 Einwohner stark, darunter rund 1500 aktive Fußballer (20.30 Uhr im SPOX-Ticker), aber lässt Löw keine Zweifel am Ausgang der Partie gelten.

"Wir müssen und werden dieses Spiel gewinnen. Wir brauchen den Gegner nicht stark reden. Aber wir müssen ihn ernst nehmen."

Dass einige deutsche Mannschaften ihre Gegner nicht immer allzu ernst nahmen, zeigt ein Blick in die Historie.

SPOX erinnert sich ungern zurück an eine handvoll peinlicher Auftritte der deutschen Nationalmannschaft.

Albanien - Deutschland 0:0 (EM-Qualifikation 1967)

In Tirana sind Hotel und Essen miserabel, der Platz ist holprig - und das Ticket für die EM in Italien plötzlich futsch. Es ist das erste und einzige Mal in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes, dass sich die Nationalmannschaft in einem Ausscheidungswettbewerb nicht für ein großes Turnier qualifiziert. Das Versagen des Star-Ensembles um Netzer, Overath und Löhr kostete Bundestrainer Helmut Schön beinahe seinen Job. Albanien hatte damals in der Fußballwelt einen Stellenwert wie Luxemburg oder Liechtenstein heute.

Malta - Deutschland 0:0 (EM-Qualifikation 1979)

Auf dem Sandplatz in Maltas Hauptstadt Valetta dümpelte Deutschland zu einer müden Nullnummer. Danach beklagten sich Rummenigge, Allofs, Fischer und Co. über den skandalösen Zustand des Geläufs. Das einzig Skandalöse aber war, dass ein standhafter maltesischer Verteidiger namens Buckingham zweimal auf der Linie rettete. Immerhin gab es noch ein Happy-End: Deutschland gewann das Rückspiel auf echtem Bremer Rasen mit 8:0 und erreichte die EM-Endrunde - welche sie ein Jahr später dann auch gewann.

Algerien - Deutschland 2:1 (WM-Vorrunde 1982)

Erstes Spiel bei der Endrunde in Spanien, ein lockerer Aufgalopp gegen einen recht unbekannten Gegner. 90 Minuten später haben die Welttitelkämpfe eine ihrer größten Sensationen erlebt und Deutschland ein echtes Problem. Rabah Madjer - Torschütze zum 1:0 und später mit dem FC Porto und seinem legendären Hackentricktor Killer des FC Bayern - trat zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs in Erscheinung.

Der krude Spielplan der FIFA erlaubt den Deutschen nach einem klaren Sieg über Chile aber, am letzten Spieltag nach dem Spiel der Algerier ran zu dürfen. Der Nährboden für die Schande von Gijon war bereitet. Deutsche und Österreicher schummelten sich in die Zwischenrunde, die veräppelten Algerier waren draußen.

Deutschland - Albanien 2:1 (EM-Qualifikation 1983)

Letzter Spieltag der EM-Qualifikation. Gegen den Underdog Albanien muss nur noch ein Sieg her, dann ist Deutschland an Tabellenführer Nordirland vorbei und bei der EM in Frankreich dabei. Nach 80 Minuten steht es aber nur 1:1, zu wenig für das Team von Jupp Derwall, immerhin ja Titelverteidiger.

Der aufgerückte Libero Gerd Strack verhindert zehn Minuten vor dem Ende per Kopf dann doch noch die Katastrophe. Bei der Endrunde scheitert eine der schwächsten deutschen Mannschaften aller Zeiten dann aber gleich in der Vorrunde.  

Deutschland - Färöer Inseln 2:1 (EM-Qualifikation 2002)

Kurz vor Schluss läuft der durchgebrochene Christian Hoegni Jacobsen  - von Beruf Lagerist in einer Fischfabrik - auf Kahn zu und vergibt die Chance zur größten Sensation in der Geschichte des Inselstaats. Selbst das heroische 1:0 gegen Österreich 1990 wäre damit in Vergessenheit geraten.

Kahn sei dank bleibt Deutschland die Schmach erspart und im Zusammenhang mit den Färöer Inseln darf weiterhin ausschließlich über Österreich gewitzelt werden.

Deutschland - Litauen  1:1 (EM-Qualifikation 2003)

Ein Tor per Hackentrick von Zerstörer Carsten Ramelow - und es reicht trotzdem nicht zum Sieg. Das sagt alles. Ein gewisser Tomas Razanauskas bestrafte den Schlafwagen-Fußball der DFB-Elf damals im Nürnberger Frankenstadion.

Island - Deutschland 0:0 (EM-Qualifikation 2003)

Das Grauen hat einen Namen. Deutschland rumpelt sich in Reykjavik einen zurecht und zittert ernsthaft um die Qualifikation zur Endrunde in Portugal. Das Spiel wäre trotz seiner abgrundtiefen Hässlichkeit wohl schon längst vergessen, wäre nicht Teamchef Rudi Völler danach im "ARD"-Studio explodiert, als er den armen Waldemar Hartmann zwar wüst beschimpfte (Stichworte: Scheißdreck, drei Weißbier) und ihm dadurch aber in zweiter Instanz einige äußerst lukrative Werbeverträge und eine fruchtbare Liaison mit Chef-Zyniker Harald Schmidt verschaffte.

Färöer Inseln - Deutschland 0:2 (EM-Qualifikation 2003)

Vom Winde verweht... Die DFB-Elf drückt im zugigen Stadion auf der Schafinsel 90 Minuten vergebens und verstolpert sogar zweimal vor dem leeren Tor. Der Vize-Weltmeister wird immer fahriger und bricht in den letzten Minuten in panischen Aktionismus aus. Miroslav Klose und Fredi Bobic verhindern in der Nachspielzeit gerade noch das Desaster.

Deutschland in Liechtenstein - so wollen sie spielen

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