Gebürtiger Brasilianer spielt für Italien

Thiago Motta im Porträt: Der Spätberufene

Von Christian Bernhard
Dienstag, 08.02.2011 | 13:15 Uhr
Thiago Motta und seine Tochter Sophia nach dem Gewinn der Champions League 2010
© Getty
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Acht Jahre lernte er beim FC Barcelona, dann startete er in Italien durch. Jetzt soll der gebürtige Brasilianer Thiago Motta die italienische Nationalmannschaft wieder nach oben führen. Doch wer ist der Mittelfeldspieler von Inter Mailand, dessen Karriere vor einigen Jahren an einem seidenen Faden hing? Ein Porträt.

Die Einberufung lag bereits auf seinem Tisch, da entschied sich Thiago Motta, das Ganze noch mal auf dem Feld zu untermauern. Inter-Kollege Samuel Eto'o legte mit dem Kopf ab und Motta drückte das Leder ebenfalls per Kopf aus wenigen Metern über die Linie. Es war Inters zwischenzeitliches 4:1 im Spitzenspiel gegen die Roma am Sonntag.

Am Montag fuhr der 28-Jährige mit seinen Teamkollegen Giampaolo Pazzini und Andrea Ranocchia ins italienische Verbandszentrum nach Coverciano und startete dort sein Abenteuer im Dress der Azzurri.

"Meine Entscheidung stand schon lange: Entweder Italien oder nur Inter", sagte der gebürtige Brasilianer der "Gazzetta dello Sport". "Dieser Schritt ist keine Rache an Brasilien, sondern etwas, das ich mir sehr gewünscht habe. Für mich und meine Familie ist das ein sehr bedeutender Moment."

Thiago Motta: Prandellis dritter "Nicht-Italiener"

Thiago Motta ist also der dritte "Nicht-Italiener" unter Cesare Prandellis Führung. Zuvor berief der Nachfolger von Marcello Lippi bereits Lazios Cristian Ledesma (Argentinien) und Stürmer Amauri (Brasilien) ein. Diese Entscheidungen hatten in Italien nicht überall für Begeisterung gesorgt.

Prandelli rückt allerdings keinen Millimeter von seinem Weg ab: "Ich finde es herausragend, dass Spieler das Italien-Trikot tragen wollen, die nicht hier geboren worden sind. Ich nominiere jene, die es sich verdienen und sehe über all die Polemiken zur multiethnischen Nationalmannschaft hinweg. Der Fußball vereint, diese Diskussionen schaden nicht nur unserem Sport, sondern auch Italien."

Sportlich kann Motta den Azzurri auf jeden Fall weiterhelfen: Seit er Ende November nach überstandenen Knieproblemen bei Inter wieder voll in Tritt ist, hat er in der Liga vier Tore erzielt und drei Vorlagen geliefert - und das, obwohl er als Spielmacher vor der Abwehr agiert.

Futsal-Vergangenheit charakterisiert Mottas Spiel

Auch von dieser eher defensiven Position schaltet sich Motta immer wieder in die Offensive mit ein und stößt in die freien Räume, genau das sind Mottas größte Stärken. Dort kommen ihm dann seine gute Grundtechnik und besonders seine Futsal-Vergangenheit zu Gute.

"Bis ich 14 Jahre alt war, habe ich Futsal gespielt. Mein Spiel heute zehrt noch wahnsinnig viel davon. Die Sohle benutzen, das Freilaufen - solche Dinge bleiben einem", erzählte Motta Genuas größter Tageszeitung "Il secolo XIX". Viele Ballkontakte, kurze Pässe, den Ball abgeben und sich sofort freilaufen - das ist Thiago Mottas Spiel.

Prandelli betonte, dass Motta kein Ersatz für den verletzten Andrea Pirlo ist: "Wir haben ihn schon beobachtet, als Andrea fit war. Ich möchte ein qualitativ hochwertiges Mittelfeld und er garantiert mir das. Er kann sowohl vor der Abwehr spielen als auch die restlichen Mittelfeld-Positionen bekleiden." Ein Allrounder, wie er im Bilderbuch steht. Aber auch ein Spätberufener.

Sportliche Wiederauferstehung in Genua

Denn vor noch nicht allzu langer Zeit stand es alles andere als gut um Mottas fußballerische Karriere. Das Knie war schuld. Bänderrisse, Meniskusschäden - immer wieder gab das Gelenk nach. Motta war bereits Stammgast bei Knie-Spezialist Richard Steadman in den USA.

Deshalb löste Atletico Madrid den Vertrag mit dem Mittelfeldspieler im Sommer 2008 auf und der FC Genua schlug ablösefrei zu. Ein Risiko, denn es war unklar, ob Motta überhaupt noch auf hohem Niveau spielen kann. Am Ende gewannen beide.

Motta arbeitete mit einem spezifischen Programm unheimlich hart an seinem Knie. Er kam als Erster zum Training und ging als Letzter - und spielte dann wie das ganze Team eine überragende Saison.

Der Lohn: Platz fünf für Genua und ein Vertrag für Motta bei Inter Mailand. Zusammen mit Diego Milito wechselte er im Doppelpack zu den Nerazzurri. Damals ahnte wohl niemand, dass dieser Doppeltransfer der Beginn eines Märchens sein sollte.

Sechs Jahre bei Barca: Debüt unter van Gaal

Denn genau ein Jahr später hatte Motta mit den Nerazzurri das Triple eingefahren - obwohl er im legendären Champions-League-Halbfinalrückspiel in Barcelona mit Rot vom Platz geflogen war. Ausgerechnet in Barcelona, dem Startpunkt seiner Karriere.

Sechs Jahre hatte er zwischen 2001 und 2007 für die Blaugrana gespielt, zuvor noch zwei Jahre in Barcas zweiter Mannschaft.

"Phillip Cocu war mein Meister. Ein kompletter Spieler", erzählte Motta, der unter Louis van Gaal bei den Barca-Profis debütierte. 2004 beginnen allerdings seine Knieprobleme, die er erst in Genua in den Griff bekommen sollte.

Ein unfassbar bescheidener Junge

"Obwohl er zweimal Meister in Spanien wurde und einmal die Champions League gewonnen hat, ist er unfassbar bescheiden geblieben. Auf dem Rasen ist er ein Leader, besonders in den entscheidenden Spielphasen vertrauen wir den Ball am liebsten ihm an", schwärmte sein damaliger Genua-Teamkollege Raffaele Palladino.

Mittlerweile kann er einen zweiten Champions-League-Titel sein eigen nennen. Und auch dieser Triumph hat ihn nicht verändert: Ruhig, oft unauffällig und doch so wichtig - das ist Thiago Motta.

Für Inter ist er es bereits die zweite Saison. Für die Azzurri vielleicht die nächsten Jahre.

Thiago Motta im Steckbrief

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