Anderlechts revolutionäres Jugendkonzept

Bloß keine Metzger

Von Philipp Böhl
Dienstag, 09.12.2014 | 15:50 Uhr
RSC Anderlecht hat sich in der Jugendarbeit einen guten Namen gemacht
© getty
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RSC Anderlecht ist in Europa schon lange keine wirklich große Nummer mehr. Die Jugendarbeit des RSC ist aber eine der revolutionärsten weltweit. Tackling-Verbote, den eigenen Verteidigern absichtlich das Leben schwer machen und der personelle Aderlass gehören dabei zum Alltag. Ein Mann hat besonderen Anteil daran, dass Spieler wie Youri Tielemans, Dennis Praet, Romelu Lukaku oder Vincent Kompany zu Belgiens "Goldener Generation" gehören.

Jean Kindermans sitzt in seinem Büro. 49 Jahre alt, kurzes schwarzes Haar und stets mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Im Hintergrund, nur wenige Meter entfernt, erkennt man hinter einer Glasscheibe das Trainingsgelände des RSC Anderlecht. Kindermans wird für eine Dokumentation interviewt und beantwortet Fragen der Journalisten mit voller Überzeugung - aber auch mit erkennbarem Stolz.

Kindermans ist als Jugendkoordinator einer der Hauptverantwortlichen für den Erfolg des RSC Anderlecht - nicht unbedingt auf Profi- geschweige denn internationaler Ebene - aber in der Jugendarbeit.

Vincent Kompany, Romelu Lukaku, Adnan Januzaj sind Gesichter Belgiens "Goldener Generation". Es sind die wohl bekanntesten Namen, die "Sporting", wie der RSC in Belgien genannt wird, zuletzt herausbrachte. Doch die Liste lässt sich scheinbar unendlich lang fortsetzen. Youri Tielemans oder Dennis Praet sind weitere Namen, die schon lange auf den Zetteln europäischer Topklubs stehen.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Dass der RSC auf die Jugend setzt, ist klar. Dass hierbei aber nahezu revolutionäre Ideen angewendet werden, ist nur den Wenigsten bekannt. Dabei machten die Belgier ursprünglich aus der Not eine Tugend, wie Kindermans bescheinigt: "Das alles hier", sagt er, während er auf dem nassen Kunstrasen steht und den Kindern beim Training zuschaut, "ist dem schweren Wettbewerb geschuldet."

Und damit hat er Recht: Anderlecht hatte im internationalen Wettbewerb in den letzten zwei Jahrzenten kaum mehr etwas zu melden, ist weit entfernt vom Ruhm vergangener Tage.

Zwar nahmen die Lila-Weißen seit 1964 ununterbrochen an europäischen Wettbewerben teil, was eine durchaus respektable Statistik ist, der letzte Titel datiert aber auf das Jahr 1983. Da entschädigen auch die insgesamt 33 Meisterschaften in der Jupiler Pro League nicht, zumal die Belgische Liga keinesfalls mit den europäischen Topligen mithalten kann.

Sprungbrett für Europa

Was also tun, um einen Verein wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen? Eine neue Marschroute musste her: "Unsere Philosophie in Anderlecht ist es, ein Sprungbrett für Europa zu sein. Wir haben ein Ziel: Lasst uns ausbilden", definiert sie Kindermans. Hat man damit Erfolg, seien auf Dauer wieder größere Sprünge möglich.

Doch diese Philosophie, die der RSC verfolgt, ist ebenso durchdacht wie einzigartig: So ist es den Spielern bis zur U 21 verboten, zu grätschen: "Wir wollen technisch starke Spieler liefern, keine Metzger", begründet Kindermans diese außergewöhnliche Regelung.

Vier Verteidiger? Zu einfach!

Nicht nur das ist ein Indiz dafür, dass Ausbildung in der 113.000-Einwohner-Gemeinde in der Nähe von Brüssel vor kurzfristigem Erfolg steht. So spielen die Belgier in der Jugend absichtlich mit einem 3-4-3-System, nicht etwa, um Spieler auf das spätere System der Profis vorzubereiten - im Gegenteil: Das teilweise suboptimale Gefüge wird verwendet, um die Talente vor Herausforderungen zu stellen.

"Wenn du mit vier Verteidigern spielst, bringst du die jungen Abwehrspieler doch in eine komfortable Situation. Wir spielen also mit drei Verteidigern, um die Jungs in Schwierigkeiten zu bringen", sagt Kindermans.

Dass zusätzlich die Marschroute gilt, pro Spiel mindestens 70 Prozent Ballbesitz zu haben, scheint nur ein kleiner Nebeneffekt zu sein. Dennoch sollen die Spieler auch "lernen zu gewinnen."

Das Konzept und sein Erfolg

Und auch das tun sie. In der Saison 2013 holten die Teams der U 12 , U 15, U 17, U 19 und U 21 allesamt die nationalen Meisterschaften. Kein Wunder also, dass Kindermans behauptet, dass "ganz Europa das Erfolgsrezept des RSC Anderlecht wissen will."

Dieses Projekt, namentlich "Purple Talents" getauft, gibt es mittlerweile seit sieben Jahren. Tielemans und Praet haben es also schon lange verinnerlicht. Doch was ist, wenn der Sprung zu den Profis nicht klappen sollte? Auch dann hat Kindermans eine Lösung parat und macht stets auf dieses Problem aufmerksam.

"Jeden Tag trainieren hier 220 Jungs zwischen sechs und 21 Jahren. Sagen Sie mir, wie viele davon ein professionelles Level erreichen sollen? Maximal zehn Prozent", lenkt der gebürtige Brüsseler ein. "Wenn du kein guter Ausbilder bist, sagst du 'die 200, die es nicht schaffen sind nicht mein Problem'. Ich aber sage: 'Doch, das ist genau mein Problem.'"

Dies ist ein Grund, weshalb verantwortungsbewusst gearbeitet und zusätzlich auf schulische Leistungen geachtet wird. Spieler, die in der Schule schlecht abschneiden, müssen teilweise im Training kürzer treten.

Nachwuchskicker und ihr Plan B

So rigoros das ganze Verfahren ist, so effektiv wirkt es sich aus: "Wir müssen den Jungs zu verstehen geben, dass, auch wenn sie kein professionelles Level erreichen, sie immer noch einen Schulabschluss haben können, der ihnen die Möglichkeit gibt, einen Job zu finden und jemand mit intellektuellen Fähigkeiten zu werden," gibt Kindermans, der zwischen 1983 und 1986 selbst das RSC-Trikot überstreifte, zu verstehen.

Mit zwei Schulen hat Anderlecht bereits eine Partnerschaft organisiert, zudem wird es dort ermöglicht, drei bis vier Mal die Woche ein zusätzliches Techniktraining im schulischen Umfeld, allerdings mit Anderlecht-Angestellten, zu absolvieren. Kindermans wollte mehr Zeit haben, "um die Jungs zu entwickeln."

Betteln gegen den Aderlass

Insgesamt haben wohl alle Schüler dort das Ziel, einmal von Scouts entdeckt zu werden - wie damals, der junge Adnan Januzaj, dem das mit 16 gelang. Zu früh, wie Kindermans behauptet.

Zwar gesteht er sich ein, dass man solche Spieler nicht ewig halten könne, dennoch verärgert ihn das Ganze merklich. Deshalb er stets an die jungen Talente, fast schon bettelnd, appelliert: "Lasst uns ein, zwei oder drei Jahre sportlichen Erfolg mit euch haben bevor ihr geht. Geht nicht mit 14 oder 15. Dann nimmt der Spieler ein großes Risiko in Kauf und wir sind enttäuscht."

Langfristiger Erfolg oder schnelles Geld?

Im Endeffekt sucht dabei nämlich auch den Royal Sporting Club ein Problem heim, das eine gute, in diesem Fall sogar beispielhafte Jugendarbeit häufig zur Folge hat: Personeller Aderlass.

Spieler wie Januzaj werden von internationalen Scouts immer früher entdeckt, eine Ausbildungsentschädigung von 550.000 Euro, die für eine Verpflichtung eines vertragslosen Jugendspielers wie Januzaj laut UEFA-Regelment fällig wird, deckt sich dabei keineswegs mit dem Potenzial eines solchen Spielers.

Hier denkt Kindermans aber ebenfalls langfristig: "Heute freuen wir uns vielleicht, dass wir 550.000 Euro für einen jungen Spieler kriegen. Aber was ist, wenn er in zwei bis vier Jahren in Manchester Uniteds erster Mannschaft spielt?"

Diese Weitsicht könnte auf Dauer tatsächlich dazu führen, dass aus Anderlecht wieder eine größere Adresse im europäischen Fußball wird. Voraussetzung dafür wäre, dass Spieler dem Klub länger treu bleiben und gehalten werden können. Bis dahin ist und bleibt der RSC wohl nur ein revolutionäres Sprungbrett, von dem praktisch ganz Europa profitiert.

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