"Die Trainersuche ist der Hammer!"

Von Interview: Haruka Gruber
Montag, 29.11.2010 | 23:08 Uhr
Manuel Ott mit Philippinens Nationalmannschaft im Trainingslager in Tacloban
© Manuel Ott
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Am Dienstag endet die Bewerbungsphase des philippinischen Fußball-Verbands bei der Suche nach einem neuen Nationaltrainer. Die einzigartige Kooperation mit SPOX ist jetzt schon ein großer Erfolg, unter anderem berichteten namhafte Medien in Frankreich, Italien und der Schweiz über die Aktion - sehr zur Freude von Nationalspieler Manuel Ott. Der 18-Jährige vom FC Ingolstadt über die "Mission Top 100", seine Vergangenheit mit Supertalent Moritz Leitner und sein "blutendes Herz".

SPOX: Die Suche nach einem neuen Nationaltrainer für die philippinische Nationalmannschaft sorgte für internationales Aufsehen, mittlerweile sind über 100 Bewerbungen aus aller Welt eingetrudelt. Wie haben Sie von der Aktion erfahren?

Manuel Ott: Ich wusste natürlich von der Suche, aber an dem Tag, als der Artikel online ging, konnte ich ihn nicht gleich lesen, weil ich die ganze Zeit unterwegs war. Dennoch habe ich schnell erahnen können, welche Ausmaße die Aktion annimmt, weil mich sofort Schulfreunde angerufen und mich darauf angesprochen haben. Auch viele Profis von Ingolstadt waren auf SPOX und fragten mich gleich, was dahintersteckt. Es ist einfach nur der Hammer, was in Gang gesetzt wurde.

SPOX: Wussten die Profis, dass Sie der aktueller A-Nationalspieler sind?

Ott: Die meisten wissen das schon, aber jetzt muss ich nicht mehr jedem erklären, was es mit den Philippinen auf sich hat und warum ich zuletzt für mehrere Tage mit der Nationalmannschaft unterwegs war.

SPOX: Sie halfen dabei mit, dass sich Ihr Land für den AFF Suzuki Cup, die südostasiatischen Meisterschaften, qualifizierte. Das Turnier findet im Dezember in Vietnam aber ohne Sie statt. Warum?

Ott: Auf das Turnier hätte ich riesig Lust gehabt, immerhin hätten wir die meisten Spiele wohl vor voller Kulisse gespielt. Zu den Partien von Ingolstadt kommen in der Regel ja nur wenige hundert Zuschauer. Andererseits bin ich derzeit in der 12. Klasse und ich will im Sommer mein Fachabitur schaffen, von daher haben wir mit der Schule entschieden, dass ich auswähle: Entweder ich werde für das Winter-Trainingslager mit Ingolstadt oder für den Suzuki Cup freigestellt. Ich habe mich wegen der Perspektiven für den Klub entschieden, was absolut Sinn macht, dennoch blutet mir das Herz.

SPOX: Warum ist es Ihnen so wichtig, für die Philippinen zu spielen, obwohl die Reisen so beschwerlich und zeitraubend sind?

Ott: So ist unsere Mentalität. Stephan Schröck und ich sind zwar in Deutschland aufgewachsen und haben urdeutsche Namen, aber wir tragen die Philippinen in unseren Herzen. Man kann das Gefühl gar nicht richtig beschreiben, aber es schweißt uns alle zusammen, egal ob in welchem Land wir eben.

SPOX: Der Verband macht sich Hoffnungen, dass zukünftig auch Jonathan de Guzman für die Philippinen aufläuft. Vor wenigen Jahren galt er noch als eines der größten niederländischen Talente und ist nun Leistungsträger beim spanischen Erstligisten Mallorca.

Ott: Wenn das klappt, wäre es überragend...

SPOX: ... auch wenn Sie wegen ihm Ihren Stammplatz verlieren könnten?

Ott: Aber wer bekommt schon die Möglichkeit, mit einem Star aus der Primera Division zu trainieren? Mir geht es erstmal darum, viel zu lernen, und da wäre jemand wie de Guzman ein perfektes Vorbild.

SPOX: Was wird neben der Integration neuer Spieler die zentrale Aufgabe des neuen Trainers sein?

Ott: Ich würde sagen: die Entwicklung einer eigenen, philippinischen Philosophie. Das größte Problem ist, dass die Spieler aus den verschiedensten Ligen kommen und daher fußballerisch unterschiedlich aufgewachsen sind. Die einen bevorzugen das Kurzpassspiel, die anderen hauen den Ball einfach nach vorne oder versuchen es mit langen Diagonalpässen. Wenn die verschiedenen Stile aus Deutschland, den Niederlanden, England, Island oder den USA gemischt werden können, würden wir einen großen Schritt nach vorne machen.

SPOX: Der nächste Coach soll auch dabei helfen, die Strukturen rund um die Nationalmannschaft zu modernisieren. Geht es bisher tatsächlich so chaotisch zu, wie man es sich als Westeuropäer vorstellt?

Ott: Als ich im Januar erstmals bei der Nationalmannschaft war, ging es wesentlich chaotischer zu als zuletzt. Anfragen für ein Länderspiel kamen viel zu spät oder es wurde vergessen, Visa zu beantragen. Aber der neue Teammanger Dan Palami hat für neuen Schwung gesorgt und man merkt jetzt schon, dass etwas vorangeht.

Philippinen: Aus dem Abgrund des Weltfußballs

SPOX: Palami ist ein millionenreicher Eisenbahn-Unternehmer, der den Wunsch hat, den philippinischen Fußball unter den Top 100 der Welt zu etablieren. Wie kann man sich Palami vorstellen?

Ott: Ich habe mich während des Qualifikationsturnier für den AFF Suzuki Cup häufiger mit ihm unterhalten. Dafür, dass er so reich ist, wirkt er sehr bodenständig und nett. Er scheint auch wirklich Ahnung von Fußball zu haben.

SPOX: Aber ist das Ziel realistisch, zu den besten 100 Nationalmannschaften zu gehören? Vor vier Jahren lagen die Philippinen noch auf Platz 192.

Ott: Die Top 100 wird mit dem jetzigen Kader schwierig. Aber wenn sich weitere Profis aus Europa überzeugen lassen, bin ich sehr zuversichtlich. Uns fehlt vor allem ein Rechtsverteidiger, aber das Problem könnte sich mit Stephan Schröck erledigt haben. Ein Stürmer und ein Flügelspieler wären auch nicht schlecht.

SPOX: Sie selbst sind in der Nationalmannschaft gesetzt, genauso wie in der zweiten Mannschaft von Ingolstadt, die in der Bayernliga Tabellenzweiter ist. Wann folgt Ihr Profidebüt? Immerhin spielten Sie bei Ihrer vorherigen Station bei 1860 München an der Seite von Supertalent Moritz Leitner im zentralen Mittelfeld.

Ott: Ich bin nach fünf Jahren in der Jugend von 1860 nach Ingolstadt gewechselt, weil ich hier die besseren Perspektiven sehe. Und hier raten mir der Trainer und der Jugendleiter genauso wie mein Berater allesamt dazu, mit den Philippinen so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Ich glaube fest daran, dass ich von den internationalen Einsätzen profitiere und dass ich es in den Profi-Fußball schaffe.

Einzigartige Kooperation mit den Philippinen: SPOX sucht den Nationaltrainer!

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