"Die Bayern konnten mich nicht stoppen"

Von Interview: Haruka Gruber
Freitag, 20.05.2011 | 23:00 Uhr
Der beste Bachirou Salou: Im Finale 1998 rannte er Matthäus weg und erzielte Duisburgs Führung
© Imago
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Duisburgs letzte Sternstunde liegt 13 Jahre zurück - und ist mit einem Namen verbunden: Bachirou Salou. Der 40-jährige Ex-Bundesliga-Stürmer (254 Spiele, 51 Tore) über Michael Tarnats brutales Foul, seine kuriose Laufbahn und die Chancen des MSV gegen den FC Schalke 04 im Pokalfinale (19.30 Uhr im LIVE-TICKER).

SPOX: Sie wurden als verdienter Spieler des MSV zum Finale nach Berlin eingeladen. Wie oft denken Sie noch an Ihr Endspiel 1998 gegen den FC Bayern?

Bachirou Salou: Noch sehr, sehr oft. Die Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Mich konnte damals nichts halten, ich wusste gar nicht wohin mit der ganzen Energie. In der Saison gab es den besten Salou aller Zeiten. Umso bitterer war es, wie das an sich erfolgreichste Jahr meiner Karriere endete.

SPOX: Mit einem unglücklichen 1:2.

Salou: Ich habe lange gebraucht, um darüber hinwegzukommen. Am schlimmsten empfand ich gar nicht die Niederlage an sich, sondern vielmehr das Wissen, dass man so nah dran war an der Sensation. Die Bayern mit den Stars gegen uns, den angeblichen Namenlosen. Jeder unterschätzte uns, dabei hatten wir einige gute Spieler - Michael Zeyer, Stig Töfting oder Tomasz Hajto -, und wir standen zusammen wie eine Familie. Mit diesem Zusammenhalt hätten wir die Bayern packen können. Hätten.

SPOX: Sie waren der überragende Spieler auf dem Platz und erzielten das 1:0 - dank eines noch immer legendären Sprints, als Sie Gegenspieler Lothar Matthäus davonliefen.

Salou: Ich hatte ein solches Vertrauen in meinen Körper, dass ich beinahe geplatzt bin vor Selbstbewusstsein. Das sah man beim 1:0. Langer Ball aus dem Mittelfeld, ich renne los, nehme Matthäus gleich einige Meter ab, bin plötzlich alleine vor Olli Kahn, haue voll drauf - drin!

SPOX: Duisburg hätte nachlegen können, stattdessen drehten die Bayern die Partie, nachdem Sie sich wegen eines Fouls von Michael Tarnat auswechseln lassen mussten. War Ihre Verletzung tatsächlich spielentscheidend?

Salou: Wenn dieses blöde Foul nicht passiert wäre, hätten wir gewonnen. Unser Konzept basierte auf zwei Säulen: hinten dicht machen und vorne den Bachi in Eins-gegen-eins-Situationen bringen. Trainer Funkel, die Mitspieler, ich, wir wussten alle, dass die Bayern mich nicht stoppen konnten. Der Plan hatte auch wunderbar funktioniert...

SPOX: ... bis Sie von Tarnat umgenietet wurden. Mehmet Scholl deutete an, dass Tarnat eigens den Auftrag bekommen habe, Sie aus dem Spiel zu nehmen.

Salou: Das ist ihm auch gut gelungen: Ich erlitt eine vier Zentimeter lange Risswunde, die unfassbar wehtat. Ich konnte nicht mehr. Aber ich glaube dennoch nicht, dass mich Tarnat mit Vorsatz verletzt hat. Er wollte definitiv Härte zeigen und war in dieser Situation zu spät dran, so etwas passiert im Duell zwischen Männern. Daher bin ich auch nicht sauer auf ihn. Viel schlimmer fand ich, dass Schiedsrichter Strampe Tarnat nicht einmal die Gelbe Karte zeigte, obwohl es klar Rot hätte geben müssen.

SPOX: Die damalige Taktik des MSV war simpel, dennoch wirkungsvoll. Wie könnte Duisburg gegen Schalke eine Überraschung gelingen?

Salou: Die Voraussetzungen sind nicht so schlecht: Schalke ist außer Form und verunsichert, außerdem ist Milan Sasic ein Fuchs. Aber die vielen Ausfälle werden nicht zu kompensieren sein. Und: Damals hatten wir eine sehr erfahrene Mannschaft, die sich in der Bundesliga etabliert hatte, während die aktuelle Generation womöglich zu unerfahren ist, um mit dem Druck zurechtzukommen. Wenn sie die Lockerheit aus der Hinrunde jedoch wiederfindet, wer weiß...

SPOX: Ist die Besinnung auf junge Spieler der richtige Weg für den MSV?

Salou: Absolut. Diese Saison fehlte noch die Kadertiefe und die Erfahrung, deswegen rutschte der MSV auch ab. In der kommenden Saison gehe ich davon aus, dass Duisburg ganz oben mitspielt. Julian Koch und Olcay Sahan gehen zwar, aber die Mannschaft besitzt ein Fundament und wird weiter verstärkt, mit Jula, mit Shao, mit vielen Talenten. Ich habe das Gefühl, dass der Verein mit dem wenigen Geld, das zur Verfügung steht, sehr gut umgeht.

SPOX: Koch und Sahan nutzten die Saison für den nächsten Karriereschritt und wechseln als bewährte Profis zurück zu Dortmund beziehungsweise nach Kaiserslautern. Für Sie war Duisburg ebenfalls ein Sprungbrett und Sie gingen nach Dortmund.

Salou: Witzigerweise wollte mich damals auch Schalke, außerdem hatte ich Angebote von PSG, Fenerbahce und weiteren Klubs aus dem Ausland. Aber ich wollte in Deutschland bleiben und entschied mich für Dortmund.

SPOX: Sie kosteten eine für damalige Verhältnisse sehr hohe Ablöse von 4,5 Millionen Euro - und enttäuschten beim BVB. Lag es an den hohen Erwartungen?

Salou: Nein, ich hatte nie Druck verspürt, weil ich wusste, dass ich das Geld wert war. Es lief einfach unglücklich: Mich hatte Nevio Scala verpflichtet, dann kam plötzlich Michael Skibbe. Das erste Halbjahr lief noch ordentlich, dann sagte mir Skibbe in der Winterpause, dass er in mir nur einen Konterspieler sieht, er hingegen einen Fußball mit viel Ballbesitz bevorzugt. Ich war daraufhin so was von sauer. Ich nur ein Konterspieler? Als ob wir beim MSV den Ball nur vorgebolzt hätten und ich den Ball hinterhergelaufen wäre.

Bachirou Salou über seinen legendären Magath-Diktator-Spruch und die Auto-Suche in Togo: Hier geht's zu Teil II!

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