Damals im Aztekenstadion

Von Matti Peters
Freitag, 07.03.2014 | 13:19 Uhr
Der Chef und der Torjäger: Emre Can (l.) und Samed Yesil
© imago
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Bei der U-17-WM 2011 sorgte eine neue DFB-Generation für Furore. Nach großartigen Leistungen musste sich die Mannschaft von Steffen Freund erst dem späteren Weltmeister Mexiko beugen. Mit einem dramatischen 4:3 gegen Brasilien vor fast 100.000 Zuschauern im legendären Aztekenstadion, sicherte man sich letztlich den dritten Platz. Danach begann für die Youngster der Weg ins Profigeschäft. Wer hat den Sprung geschafft?

Der Musterschüler

Emre Can (Mittelfeld, Bayer Leverkusen): Der Star und Kopf der Mannschaft. Er führte die U-17-Bubis als Kapitän fast ins Finale. Unvergessen ist sein Durchmarsch im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Mexiko, als er aus der eigenen Hälfte startete, die halbe Abwehr austanzte und die zwischenzeitliche Führung erkämpfte. 2012 erhielt der Deutsch-Türke einen Profivertrag beim FC Bayern, konnte sich jedoch gegen die starke Konkurrenz im Mittelfeld nicht durchsetzen. Im Sommer darauf unterschrieb Can einen Vierjahresvertrag bei Bayer Leverkusen. Die Münchner kassierten eine Ablösesumme von fünf Millionen Euro, haben aber eine Rückkaufoption. Unter Trainer Sami Hyypiä reifte der 20-Jährige zum Stammspieler und wird variabel im Mittelfeld und in der Abwehr eingesetzt.

Weiter im Blickfeld

Mitchell Weiser (Mittelfeld, Bayern München): Einer der Garanten für den Achtungserfolg in Mexiko. Beim 1. FC Köln wurde er zum jüngsten Debütanten der Vereinsgeschichte in der Bundesliga. Es blieb allerdings bei dem einen Einsatz. Im Sommer 2012 erhielt er einen Dreijahresvertrag bei den Bayern. Genau wie bei Can war die Konkurrenz bei den Münchnern zu groß, sodass er in der Wintertransferphase 2013 an den 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen wurde. Mit gesammelter Spielpraxis (13 Einsätze für den FCK) kehrte der 19-Jährige wieder zurück in die bayrische Landeshauptstadt. Zu mehr als gelegentlichen Trainingseinheiten mit den Profis und einem Kurzeinsatz in der Champions League reicht es beim jungen Talent mit der Powerlocke allerdings (noch) nicht. Bei der zweiten Mannschaft des FCB gehört Weiser allerdings regelmäßig zur Stammelf.

Koray Günter (Abwehr, Galatasaray): War der Stabilisator im Abwehrverbund. Er schaffte im Sommer 2012 den Sprung in die Amateurmannschaft von Borussia Dortmund. Während der Saison-Vorbereitung trainierte er unter Trainer Jürgen Klopp mit den Profis. Für mehr als einen Kurzeinsatz in der Bundesliga reichte es bislang aber nicht. Im Winter 2014 lockte Galatasaray den Deutsch-Türken für 2,5 Millionen an den Bosporus. Der aktuelle U-20-Nationalspieler erhielt einen Viereinhalbjahresvertrag bis 2018. Der BVB kann Günter für eine festgeschriebene Ablösesumme von sieben Millionen Euro auf Grund des Rückkaufsrechts für die Saison 2015/2016 zurückholen. Seinen ersten Einsatz für Gala hatte der 19-Jährige im Februar beim Pokalspiel gegen Tokatspor. Ihm werden Chancen auf regelmäßige Einsätze ausgerechnet.

Rani Khedira (Mittelfeld, VfB Stuttgart): Khedira kam beim Turnier in Mexiko immer wieder zu Kurzeinsätzen als Rotationsspieler. Gegen Brasilien durfte er über die volle Distanz ran. Ende 2012 wurde Khedira in den Bundesliga-Kader des VfB Stuttgart befördert. In der laufenden Saison mauserte sich der deutsch-tunesische Mittelfeldmann zur Stammkraft. Vor allem seine Übersicht überzeugt. "Er hat sich in den Kader reingespielt. Ein Spieler, der sehr fleißig ist...noch nicht ganz so weit ist, wie es der Sami vielleicht war zu diesem Jahrgang[...] Er ist auf einem guten Weg", sagte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic im Interview mit SPOX. Rani ist eine ähnliche Entwicklung zuzutrauen wie seinem großen Bruder Sami.

Samed Yesil (Stürmer, FC Liverpool U21): Der Torgarant. Mit sechs Treffern war Samed der zweiterfolgreichste Torjäger des Turniers von 2011. Er brachte es nur zu einem Bundesligaeinsatz für Bayer Leverkusen und wurde 2012 vom FC Liverpool auf die Insel geholt. Der Düsseldorfer mit türkischen Wurzeln kam im League Cup zu seinem Debüt für die Reds. Ein Kreuzbandriss wenige Monate später warf ihn aber zurück. In der Folge wurde er in der U 21 der Reds behutsam an den Profi-Kader herangeführt. Britische Medien haben ihn bereits als den nächsten Didier Drogba bezeichnet. Im Januar 2014 erleidet Yesil erneut einen Kreuzbandriss.

Levent Aycicek (Mittelfeld, Werder Bremen): Spielte bei der WM häufig in der offensiven Zentrale der DFB-Bubis. Ebenfalls eine wichtige Säule in der Mannschaft von Steffen Freund. Aycicek zog sich wenige Wochen nach dem Turnier in Mittelamerika einen Kreuzbandriss zu und hatte in der Folge immer wieder Probleme mit dem beschädigten Knie. Trotz alledem erhielt er im Herbst 2012 einen Profivertrag bis 2015 bei Werder Bremen. Feierte im Februar sein Bundesligadebüt als Einwechselspieler und erzielte beim 1:5 gegen Dortmund den Ehrentreffer für Werder. Der 20-Jährige ist fester Bestandteil der Amateure der Hanseaten und spielt nach der Zwangspause auch wieder für den DFB in der U-20-Nationalmannschaft.

Kaan Ayhan (Abwehr, Schalke 04): Für ihn war 2011 die rechte Außenseite in der Verteidigung reserviert. Ayhan wurde mit der A-Jugend des FC Schalke 04 deutscher Meister und unterschrieb einen Profivertrag über zwei Jahre ab 2013. Dieser wurde nach seiner positiven Entwicklung um weitere zwei Jahre bis 2017 verlängert. In der laufenden Bundesliga-Saison kam der Deutsch-Türke als Perspektivspieler zu vier Kurzeinsätzen für die Knappen. Außerdem entschied er sich gegen eine Karriere beim DFB und wechselte zur U 21 des türkischen Verbandes. Sein Debüt gab er im Oktober 2013 gegen Griechenland. Der endgültige Durchbruch des 19-Jährigen ist nur eine Frage der Zeit.

Marvin Ducksch (Stürmer/OFM, Borussia Dortmund): Einer der wichtigen Rollenspieler der Mannschaft. Zwei Tore und zwei Vorlagen in fünf Spielen waren die Ausbeute des Dortmunder Mittelstürmers. Zur Rückrunde der Saison 2011/2012 wurde Ducksch in die zweite Mannschaft der Borussia hochgezogen. Schon damals hielt sein Trainer Sascha Eickel große Stücke auf den Blondschopf: "Marvin hat überragende individuelle Fähigkeiten im Torabschluss. Er zählt in seinem Jahrgang zu den besten Stürmern Deutschlands." Wie viele der DFB-Bubis erhält der 19-Jährige durch die Abwesenheit der EM-Teilnehmer die Möglichkeit, bei den Profis unter Jürgen Klopp die Saisonvorbereitung mitzumachen. Ein Jahr später unterschreibt Ducksch einen Profi-Vertrag, kommt bislang aber nur auf fünf Einsätze für die Schwarz-Gelben. Die Konkurrenz ist mit Robert Lewandowski, Julian Schieber und Neuzugang Pierre-Emerick Aubameyang momentan zu stark. Allerdings könnte Lewandowskis Abgang neue Möglichkeiten für den Youngstar bieten.

Robin Yalcin (Abwehr/Mittelfeld, VfB Stuttgart): Der Ersatz-Kapitän spielte beim DFB eine ungewohnte Rolle. Im Verein als Innenverteidiger ausgebildet, bei der Nationalmannschaft im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Der Deutsch-Türke hatte leichte Startschwierigkeiten, war aber spätestens ab der K.o.-Phase gesetzt. Seine Leistungen in Mexiko wurden mit der silbernen Fritz-Walter-Medaille belohnt. Yalcin kam in der Folgezeit nur sporadisch bei der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart zum Einsatz. Im Sommer wurde er zu den Profis hochgezogen und kam Anfang Februar zu seinem ersten Bundesligaeinsatz: "Im Training wird viel getestet. Aber wir kennen Robin lange genug. Seine Entwicklung in den letzten sechs, sieben Monaten war positiv. Er hat gut gearbeitet und sich verdient, dabei zu sein", sagte Bobic kürzlich der "Bild". Eine Doppelsechs mit Rani Khedira ist also im Bereich des Möglichen.

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