So logisch wie dumm

Sonntag, 12.04.2015 | 18:59 Uhr
Emir Spahic absolvierte für Bayer Leverkusen insgesamt 49 Bundesligaspiele (3 Tore)
© getty
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Nach einer Schlägerei mit dem hauseigenen Ordnungsdienst bleibt Bayer Leverkusen nichts anderes übrig, als den Vertrag von Abwehrspieler Emir Spahic mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Der Verein hat mit dieser folgerichtigen Entscheidung keine sportlichen Nebenwirkungen zu befürchten - Spahic dagegen schon. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jochen Tittmar.

Am Ende ging es doch schneller als angekündigt. Nach dem 3:2-Auswärtssieg in Mainz hieß es von Seiten Bayer Leverkusens noch, eine Entscheidung im Falle Emir Spahic werde am Montag übermittelt.

Doch nach Schlusspfiff waren die Aussagen von Trainer Roger Schmidt und einigen Spielern zu eindeutig. Aus ihnen ging klar hervor, dass der Klub beim prügelnden Spahic die Reißleine ziehen wird.

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Also erfolgte die Stellungnahme bereits am Sonntag. Das DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern, in dessen Anschluss sich Spahic und seine Entourage eine wüste Schlägerei mit dem hauseigenen Ordnungsdienst lieferten, war der letzte Auftritt des Bosniers im Leverkusener Dress. Spahics Vertrag wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst.

Spahic-Vorfall eine neue Dimension

Wenn man sich die Brutalität der Bilder vor Augen hält, die Spahics Aus letztlich beschleunigten, fällt der Verein damit die einzig richtige Entscheidung.

Ohrfeigen in Trainingseinheiten, Tumulte in Diskotheken, Faustschläge in den Katakomben - alles schon da gewesen. Spahics Vergehen vor laufender Kamera, der übertragende Sender ARD hatte seine Geräte noch nicht abgeschaltet, nimmt allerdings eine neue Dimension an.

Die festgehaltenen Szenen schockierten Verantwortliche wie Mannschaft gleichermaßen. Der Bosnier handelte wie von Sinnen, er beging keine Affekthandlung und ließ sich auch nicht mehr beruhigen.

Keine sportlichen Bauchschmerzen

Spahic hätte spätestens irgendwann im Verlaufe des eskalierten Streits dämmern müssen, welch Lawine eine solche Szenerie im Stadioninneren auslösen könnte. Doch dazu war er vor blinder Wut nicht in der Lage. Das Handy-Video eines unbeteiligten Zuschauers richtete letztlich über seine Zukunft - dümmer geht's kaum.

Der Rauswurf ist auch deshalb alternativlos, weil Bayer davon keine sportlichen Nebenwirkungen zu befürchten hat - kurz- wie mittelfristig. Spahic zog sich gegen die Bayern, das ging während der Turbulenzen beinahe unter, einen Anriss der Syndesmose zu und hätte ohnehin mindestens für die Hälfte der verbliebenen sechs Saisonspiele nicht zur Verfügung gestanden.

Coach Schmidt löste dies bereits in Mainz mit dem wiedergenesenen Tin Jedvaj als Innenverteidiger. Sein Team hat die letzten sechs Saisonspiele allesamt gewonnen, ist defensiv stabil und liegt mit zehn Punkten Vorsprung auf Rang vier. Die Eroberung von Platz drei bleibt bei zwei Zählern Rückstand zwar ein lohnenswertes Ziel, Wohl und Wehe der Saisonbeurteilung hängt davon aber nicht mehr ab.

Nachfolger stehen schon bereit

Und: Für die neue Spielzeit ist Bayer ebenfalls glänzend aufgestellt. In Andre Ramalho wechselt ein Innenverteidiger-Sechser-Hybrid zur Werkself, mit dem Schmidt bereits in Salzburg zwei Jahre zusammengearbeitet hat. Neben dem gesetzten Ömer Toprak steht zudem Jedvaj zur Verfügung. Über eine Verpflichtung von Kyriakos Papadopoulos ist noch nicht entschieden, auch Philipp Wollscheids Leihgeschäft endet.

Spahic, dessen Vertrag im Sommer 2016 ausgelaufen wäre, wird im August 35 Jahre alt. Diese Eckdaten lassen nicht unbedingt auf eine glänzende Zukunft schließen. Mit seiner Dummheit hat Spahic nun nicht nur die in Leverkusen, sondern möglicherweise auch jene als Fußballer weggeworfen.

Emir Spahic im Steckbrief

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