Montag, 11.11.2013

Timo Werner und der Aufschwung in der VfB-Offensive

Das Schlitzohr bei den Erwachsenen

Unter Thomas Schneider präsentiert sich die Offensive des VfB Stuttgart so gefährlich wie lange nicht mehr. Längst muss Vedad Ibisevic offensiv nicht mehr den Alleinunterhalter mimen. Vor allem der erst 17-jährige Timo Werner begeistert die Fans. Doch der weitere Weg wird nicht leichter.

Timo Werner (l.) hat sich beim VfB Stuttgart in die Stammformation spielen können
© getty
Timo Werner (l.) hat sich beim VfB Stuttgart in die Stammformation spielen können

Jede Mannschaft auf diesem Planeten hat einen Spielstil, der sich von anderen Teams unterscheidet. Jeder Trainer eine andere Philosophie. Und dennoch gibt es selbst im Fußball Regeln, die fast überall und für jedermann gelten. Dribble nicht im eigenen Strafraum wäre so eine. Oder auch: Spiele einen Angriff in Überzahl nicht alleine aus.

Timo Werner scheint von diesen Grundfesten des Fußballs nicht allzu viel zu halten. In der Bundesliga-Partie zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart erkämpft sich der 17-Jährige in einem Laufduell gegen gleich zwei Freiburger den Ball und steht plötzlich völlig frei vor dem Freiburger Schlussmann Oliver Baumann.

Parallel zu ihm läuft Vedad Ibisevic, der Mann, der es gewohnt ist, in der Stuttgarter Offensive bedient zu werden. Ein Querpass genügt, Ibisevic würde seinen neunten Saisontreffer erzielen und Stuttgart könnte durch das 3:1 den Sack gegen Freiburg endgültig zumachen. Doch Werner schließt selbst ab, befördert den Ball gekonnt an Baumann vorbei in die Maschen des Freiburger Tores. Ibisevic wirkt so überrascht von der Entscheidung seines Mitspielers, dass er sich im ersten Moment gar nicht mitfreuen kann.

Get Adobe Flash player

"Das hätte ich mich nie getraut"

Es ist eine dieser typischen Situationen, die einen Spieler zum Helden oder Deppen werden lassen. "Wenn er das Tor nicht macht, bekommt er von Vedo was zu hören", erklärt sein Trainer Thomas Schneider lächelnd nach dem Spiel. Doch Werner macht das Tor und hat somit in den Augen der Stuttgarter Anhänger alles richtig gemacht. Er ist an diesem Abend nicht nur der Matchwinner für seinen VfB, sondern krönt sich auch noch zum jüngsten Doppelpacker in der Geschichte der Bundesliga.

Es ist eine Aktion, wie sie typischer kaum sein könnte für den Youngster, der neben seiner Fußballkarriere derzeit auch noch sein Abitur geregelt kriegen muss. Werner ist kein Egoist, auf dem Platz agiert er schlitzohrig und unbekümmert. "Der ist so frech, das hätte ich mich als junger Spieler nie getraut", staunt selbst Lothar Matthäus.

Käme Werner aus ärmlicheren Verhältnissen in Südamerika, würde man ihn wohl als klassischen Straßenfußballer bezeichnen. Eine Umschreibung, die allerdings nicht allzu gut auf einen Spieler passt, der seit seinem vierten Lebensjahr im Fußballverein aktiv ist und abseits des Platzes ein völlig anderes Bild abgibt.

Bodenständiger Schüler

Werner geht weiterhin regelmäßig zur Schule, sein Vater muss ihn täglich zum Training des VfB fahren. Autogramme möchte er in seinen Unterrichtspausen nicht geben. "Ich kann mich noch nicht als Profi bezeichnen", sagt er bescheiden, "das ist noch ein weiter Weg." In der Kabine blickt er immer noch zu "den Erwachsenen", wie er seine Teamkollegen nennt, auf, wenn sie von ihren ereignisreichen Karrieren oder auch von ihren großen Häusern oder teuren Autos erzählen. Werner selbst hat kein Auto, sondern nur ein Schülerabo für die Straßenbahn. "Und aus meinem Kinderzimmer gibt es auch nichts Interessantes zu berichten", fügt er lachend hinzu.

Auf dem Feld ist Werner mittlerweile trotzdem ein wichtiger Bestandteil der VfB-Offensive. Sechsmal stand er in dieser Saison bereits in der Startaufstellung von Trainer Thomas Schneider. Dass er dreimal erst von der Bank ins Spiel kam, war eher seinem Trainingsrückstand durch den Schulstress als einer Formschwäche geschuldet. "Wir wägen das sorgfältig mit seiner Situation in der Schule ab", erklärt Schneider. "Wir jagen ihn nicht von einem Spiel ins andere, sondern bauen ihn vernünftig auf."

Verbesserte Offensive unter Schneider

Seit dem Amtsantritt des neuen Trainers traf der VfB in allen neun Bundesligaspielen. Eine Serie, die in Deutschland einzig und allein die derzeit übermächtigen Bayern toppen können. Auch wenn hinten noch der Schuh drückt, sind die Stuttgarter in der Offensive so variabel wie vielleicht seit der Meistersaison 2007 nicht mehr.

Stürmer Vedad Ibisevic gehört sowohl in der Bundesliga als auch in der WM-Qualifikation zu den vier besten Torjägern. Und obwohl der 29-Jährige so gut trifft wie seit fünf Jahren nicht mehr, ist die Offensive der Schwaben lange nicht mehr so abhängig von den Toren des Bosniers.

Die Top-Torjäger der Bundesliga 2013/14
Rang 1: Robert Lewandowski von Borussia Dortmund (20 Tore)
© getty
1/18
Rang 1: Robert Lewandowski von Borussia Dortmund (20 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling.html
Rang 2: Mario Mandzukic von Bayern München (18 Tore)
© getty
2/18
Rang 2: Mario Mandzukic von Bayern München (18 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=2.html
Rang 3: Josip Drmic vom 1. FC Nürnberg (17 Tore)
© getty
3/18
Rang 3: Josip Drmic vom 1. FC Nürnberg (17 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=3.html
Rang 4: Adrian Ramos von Hertha BSC (16 Tore)
© getty
4/18
Rang 4: Adrian Ramos von Hertha BSC (16 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=4.html
Rang 4: Marco Reus von Borussia Dortmund (16 Tore)
© getty
5/18
Rang 4: Marco Reus von Borussia Dortmund (16 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=5.html
Rang 4: Roberto Firmino von 1899 Hoffenheim (16 Tore)
© getty
6/18
Rang 4: Roberto Firmino von 1899 Hoffenheim (16 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=6.html
Rang 7: Raffael von Borussia Mönchengladbach (15 Tore)
© getty
7/18
Rang 7: Raffael von Borussia Mönchengladbach (15 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=7.html
Rang 7: Stefan Kießling von Bayer Leverkusen (15 Tore)
© getty
8/18
Rang 7: Stefan Kießling von Bayer Leverkusen (15 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=8.html
Rang 7: Shinji Okazaki vom FSV Mainz (15 Tore)
© getty
9/18
Rang 7: Shinji Okazaki vom FSV Mainz (15 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=9.html
Rang 10: Ivica Olic vom VfL Wolfsburg (14 Tore)
© getty
10/18
Rang 10: Ivica Olic vom VfL Wolfsburg (14 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=10.html
Rang 11: Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund (13 Tore)
© getty
11/18
Rang 11: Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund (13 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=11.html
Rang 11: Thomas Müller vom FC Bayern München (13 Tore)
© getty
12/18
Rang 11: Thomas Müller vom FC Bayern München (13 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=12.html
Rang 11: Pierre-Michel Lasogga vom Hamburger SV (13 Tore)
© getty
13/18
Rang 11: Pierre-Michel Lasogga vom Hamburger SV (13 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=13.html
Rang 14: Anthony Modeste von 1899 Hoffenheim (12 Tore)
© getty
14/18
Rang 14: Anthony Modeste von 1899 Hoffenheim (12 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=14.html
Rang 14: Admir Mehmedi vom SC Freiburg (12 Tore)
© getty
15/18
Rang 14: Admir Mehmedi vom SC Freiburg (12 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=15.html
Rang 14: Klaas-Jan Huntelaar von Schalke 04 (12 Tore)
© getty
16/18
Rang 14: Klaas-Jan Huntelaar von Schalke 04 (12 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=16.html
Rang 14: Max Kruse von Borussia Mönchengladbach (12 Tore)
© getty
17/18
Rang 14: Max Kruse von Borussia Mönchengladbach (12 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=17.html
Rang 14: Andre Hahn vom FC Augsburg (12 Tore)
© getty
18/18
Rang 14: Andre Hahn vom FC Augsburg (12 Tore)
/de/sport/diashows/bundesliga-saison-2013-2014/torjaeger-2013-2014/bilder-der-besten-knipser-stuermer-torschuetzen-huntelaar-aubameyang-lewandowski-kiessling,seite=18.html
 

Alternativen machen Druck

Einer der Gründe für die neugewonnene Variabilität in der Stuttgarter Offensive ist Alexandru Maxim. Der Rumäne erweckt derzeit den Eindruck, dass er der Kreativposten in der Zentrale sein kann, den Raphael Holzhauser oder auch Tamas Hajnal in den letzten Jahren nie wirklich darstellen konnten. In der laufenden Saison ist der 23-Jährige der beste Vorlagengeber und Standardschütze der Bundesliga. Die Zeiten, in denen Maxim aufgrund seiner mangelnden Fitness auf der Bank Platz nehmen musste, sind vorüber.

Während dem Trainer in der Defensive fast das Personal ausgeht, treffen das Team Formschwächen der Offensivspieler mittlerweile weniger hart. Spieler wie Martin Harnik oder Ibrahima Traore hatten in der Vorsaison noch einen großen Anteil an der Qualifikation zu den Europa-League-Playoffs des VfB und kamen zusammen auf 58 Bundesliga-Spiele von Beginn an. Aufgrund der großen Konkurrenz in der offensiven Dreierreihe finden sich die beiden derzeit allerdings nur noch auf der Bank wieder.

Blick richtet sich nach vorne

Sechs Punkte trennen die Stuttgarter aktuell vom CL-Quali-Platz, derselbe Abstand besteht allerdings auch zu Platz 15 und dem damit verbundenen Abstiegskampf. Trotzdem richtet sich der Blick des Vereins (wie gewohnt) nach oben. "So konstant sind die Mannschaften, die vor uns sind, auch nicht", glaubt Daniel Schwaab, eine der wenigen Konstanten in der Defensive der Schwaben, "deshalb müssen wir schauen, dass wir dran bleiben, die Punkte noch vor der Winterpause machen."

Ein Unterfangen, das für den VfB allerdings alles andere als einfach werden dürfte. Drei der nächsten vier Gegner in der Bundesliga stehen derzeit auf einem Platz im oberen Tabellendrittel. Auch Angstgegner Bayern empfängt Stuttgart noch in der Hinrunde.

Hoffnung auf eine neue Serie

Nach vier sieglosen Partien in Folge soll der Erfolg in Freiburg jetzt allerdings für einen Aufschwung bei Thomas Schneider und seinem Team sorgen. Nach der Länderspielpause will der VfB gegen Gladbach gleich nachlegen und vertraut dabei in erster Linie auf seine starke Offensive.

Viele Fans erhoffen sich bereits weitere Wunderdinge von Timo Werner. Vor allem wünschen sie sich, dass er seine Unbekümmertheit nicht verliert. Der VfB braucht Werners Tore. Und was erklärte der Youngster noch gleich selbst? "Wenn ich zu viel nachdenke, treffe ich weniger."

Timo Werner im Steckbrief

Jan Dafeld

Diskutieren Drucken Startseite
14. Spieltag
15. Spieltag

Bundesliga, 14. Spieltag

Bundesliga, 15. Spieltag

Die Bundesliga in Zahlen - Alle Opta-Daten zur Saison 2015/2016
Trend

Mats Hummels wechselt vom BVB zum FC Bayern. Richtige Entscheidung?

Ja
Nein

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.