Der VfL Wolfsburg am Scheideweg

Sackgasse Mittelfeld? Bitte wenden!

Von SPOX
Mittwoch, 02.05.2012 | 18:54 Uhr
Die Kaderplanung steht an: Lässt VW-Boss Winterkorn (r.) Felix Magath noch einmal ans Lenkrad?
© Imago
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Während die Saison dem Ende zugeht, naht die nächste Shopping-Tour des VfL Wolfsburg. Oder doch nicht? Felix Magath will von einem großen Umbruch nichts wissen und setzt auf punktuelle Verstärkungen. Dazu könnte neben Ivica Olic auch ein Kracher aus der Serie A zählen.

"Wir haben nicht vor, immer im Mittelfeld zu spielen, geschweige denn gegen den Abstieg." Eine gewisse Leidenschaft zum Fußball kann man Martin Winterkorn nicht abschreiben. Immerhin hütete der VW-Chef in jungen Jahren das Tor beim TSV Münchingen in Baden-Württemberg.

Und dennoch ist Winterkorn vor allem eines: Geschäftsmann, der am Ende des Jahres eine Bilanz ziehen muss. So wird es in der Automobilbranche gemacht, und so steht es auch den Verantwortlichen des VfL Wolfsburg bevor.

Soll heißen: Felix Magath muss Rechenschaft ablegen für eine Saison, die vor allem von konstanter Unkonstanz geprägt wurde. Dass mit einem Sieg am letzten Spieltag in Stuttgart und einer gleichzeitigen Niederlage Hannovers gegen Kaiserslautern sogar noch der internationale Wettbewerb möglich ist, mag ein kleiner Lichtblick sein.

Allerdings überdeckt dies nicht die offensichtlichen Mängel während der Saison. Die Defensive ist mit 57 Gegentreffern auf dem Niveau der Abstiegskandidaten aus Berlin und Köln. Der Profi-Kader ist mit 35 Spielern weiterhin zu aufgebläht und sorgt im Zuge dessen für einen Etat (ca. 50 Millionen Euro), der ohne VW kaum finanzierbar wäre.

Magath bleibt - folgt der Großeinkauf?

Die Transferaktivitäten des Managers Magath hatten vor der Saison beziehungsweise in der Winterpause weiterhin den Anschein, als würden sie dem Trial-&-Error-Prinzip folgen. Einzig die Offensive hat sich dank Mario Mandzukic und dem wiedererstarkten Patrick Helmes in der Rückrunde stabilisiert und liegt mit 45 Toren im Mittelfeld der Liga.

Mittelfeld. Da ist es wieder, das Wort, das Winterkorn eigentlich vermeiden will. Im nächsten Jahr soll der Blick nach oben gehen. Und zwar mit Magath, wie der VW-Chef zuletzt betonte: "Ich bin überzeugt davon, dass Felix Magath einer der besten Trainer der Bundesliga ist. Wir sind froh, dass wir ihn haben. So einfach ist das."

Das angebliche Interesse der Spurs am 58-Jährigen scheint dabei nicht mehr als ein kleines Strohfeuer gewesen zu sein. Offenbar sind sich beide Seiten über eine vorzeitige Verlängerung des noch bis 2013 dauernden Vertrages um zwei weitere Jahre bereits einig. "Das Thema ist durch. Es gibt nur noch ein paar Formalien zu erledigen", zeigte sich Winterkorn optimistisch.

Doch wohin führt Wolfsburgs Weg mit Magath? Zyniker behaupten, dass im Sommer wahrscheinlich erst mal eine erneute Shoppingtour anstehen werde. Doch der Alleinherrscher gibt sich noch ungewohnt zurückhaltend und betonte zuletzt: "Wir haben die Basis geschaffen, in der nächsten Saison erfolgreicher zu spielen. Es fehlt nicht mehr viel. Der Umbruch wird nicht so groß sein."

Im Sturm gut besetzt

Magath will im Gegensatz zur letzten Saison, als er für 20 neue Spieler 50 Millionen Euro ausgegeben hat, offenbar kleinere Brötchen backen und seine Verstärkungen gezielt aussuchen.

Zwei Zugänge stehen dabei bereits fest. Ivica Olic kommt ablösefrei von den Bayern, Vaclav Pilar wechselt für 1,5 Millionen Euro von Hradec Kralove zu den Niedersachsen.

Gerade im Sturm scheint Wolfsburg dadurch gut gerüstet zu sein, auch für eine eventuelle Dreifach-Belastung. Denn trotz des einen oder anderen Gerüchte sieht Magath die Zukunft seiner derzeitigen Goalgetter nur beim VfL.

"Patrick Helmes und Mario Mandzukic haben Verträge, die noch über die kommende Saison hinausgehen", betonte Magath Mitte April in der "NDR"-Sendung "Sportclub". "Von daher sind die beiden bei uns. Es gibt nicht die Absicht, sich von den Spielern zu trennen."

Auch Helmes scheint nach seiner Achterbahnfahrt endlich in Wolfsburg angekommen zu sein: "Inzwischen fühle ich mich in der Stadt wohl und schwimme sportlich auf einer Welle."

Leihverträge en Masse

Wie immer Leben gilt jedoch: Des einen Glück ist des anderen Pech. Das fünfte Rad am Wagen ist in diesem Falle Srdjan Lakic, der im Winter an 1899 Hoffenheim ausgeliehen wurde. Glücklich wurde der Stürmer allerdings auch im Kraichgau nicht.

Der Kroate kam - von einer Knie-Verletzung Anfang März geplagt - nie über die Reservistenrolle hinaus. Die logische Konsequenz: Die TSG nahm Abstand von einer möglichen Verpflichtung. Lakic kehrt damit im Sommer zunächst wieder nach Wolfsburg zurück.

Doch der Stürmer ist nicht der einzige Leihspieler, der wieder beim VfL anklopfen wird. Insgesamt zehn Spieler, die momentan woanders kicken, stehen noch mehr oder weniger auf Wolfsburgs Gehaltsliste.

Was ist mit Diego?

Am interessantesten dürfte die Situation wohl bei Diego sein. Der Brasilianer überzeugte in dieser Saison bei Atletico Madrid, was Magath nach einem Europa-League-Spiel gegen 96 zur Aussage verleitete: "In so einer Form wie gegen Hannover ist Diego ein Gewinn für alle Mannschaften. Seine Situation muss neu bewertet werden."

Nach seinem unrühmlichen Abschied aus Wolfsburg scheint eine dauerhafte Rückkehr dennoch mehr als fraglich. Ähnlich stellt sich die Situation bei Peter Pekarik (Kayserispor), Mittelfeldspieler Thomas Kahlenberg (Evian) und Stürmer Caiuby (Ingolstadt) dar, deren derzeitige Vereine Kauf-Interessen hegen.

Auch Simon Kjaer dürften die Wolfsburger Fans wohl erst mal nicht zu Gesicht bekommen. Der Innenverteidiger wird laut der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" für ein weiteres Jahr an den AS Rom verliehen, nur die Unterschrift fehlt noch.

Die Zukunft von Sotirios Kyrgiakos (Sunderland), Mittelfeldspieler Tuncay Sanli (Bolton) sowie Nassim Ben Khalifa (Bern) ist dagegen noch offen. Magath selbst besteht angeblich nur darauf, dass Ja-Cheol Koo (Augsburg) wieder zurückkehrt.

Handlungsbedarf in der Abwehr

Ob der Südkoreaner dann auch auf Hasan Salihamidzic treffen wird, ist ungewiss. Dessen Vertrag läuft genauso wie bei Torwart Andre Lenz, der seine Karriere beendet und Teammanger wird, aus. Noch will sich Magath bei Brazzo nicht festlegen: "Es gibt keine Entscheidung vor dem Saisonende. Wir werden das in Ruhe nach dem letzten Spiel analysieren."

Mehr Planungssicherheit hat dagegen Diego Benaglio. Der Keeper unterschrieb vor kurzem einen neuen Kontrakt bis 2017. "Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass ich hier weiterhin gebraucht werde und dass der Verein auf mich baut", so der Schweizer, der nach anfänglichen Patzern eine der wenigen Konstanten in diesem Jahr war.

Damit sind die Baustellen in der Defensive aber noch längst nicht geschlossen. Gerade die Innenverteidigung braucht dringend eine Frischzellenkur. Chris verlässt den Verein, Alexander Madlung wirkt häufig wie ein Relikt aus englischen Kick-and-Rush-Zeiten und Winter-Zugang Felipe Lopes konnte seine Fähigkeiten bislang nur selten auf dem Platz bringen.

Einzig Marco Russ versprühte einen Hauch von Sicherheit. Es ist also kaum verwunderlich, dass sich Magath nach einem neuen Mann für die Mitte umschaut. Bei Sebastian Prödl handelte er sich allerdings eine Absage ein. Der Österreicher entschied sich für ein Verbleib in Bremen.

"Atomameise" aus Parma?

Mehr Erfolg könnte Magath laut "Kicker"-Informationen bei einem Kracher aus der Serie A haben. Der italienische Nationalspieler Sebastian Giovinco soll im Visier der Wölfe sein. Magath hat sich angeblich bereits in der letzten Woche mit dessen Berater Danko Djikic getroffen.

Der Shootingstar des FC Parma ist in der Offensive variabel einsetzbar und erzielte in dieser Saison schon zwölf Tore. Die "Atomameise", wie er wegen seiner Körpergröße (1,64 Meter) und der enormen Schnelligkeit genannt wird, dürfte allerdings nicht gerade billig werden. Zwölf Millionen Euro sollen als Ablösesumme im Raum stehen.

Eine derartige Verpflichtung wäre nicht nur sportlich gesehen Gold wert, sondern auch eine klare Ansage an die Konkurrenz. Und für den Fußball-Fan Winterkorn ein erster Schritt raus aus dem Albtraum namens Mittelfeld. Was der Geschäftsmann Winterkorn darüber denkt, steht allerdings auf einem anderen Blatt...

Der VfL-Kader im Überblick

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