Mittwoch, 23.05.2012

Gerhard Poschner im Interview

"Javi Martinez ist eine Klasse für sich“

Jupp Heynckes' Forderung nach einem "absoluten Topspieler im Mittelfeld" rückt Bilbaos 40-Millionen-Euro-Star Javi Martinez noch mehr in den Bayern-Fokus. Aber was kann Martinez? Spanien-Experte Gerhard Poschner sieht in dem spanischen Nationalspieler (23) den perfekten Schweinsteiger-Partner und gibt eine Kaufempfehlung ab.

Javi Martinez (l.) schaltete mit Bilbao in der Europa League Rooney und ManUnited aus
© Imago
Javi Martinez (l.) schaltete mit Bilbao in der Europa League Rooney und ManUnited aus

SPOX: Nach dem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande formulierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes offen wie nie, dass die Mannschaft nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ verstärkt werden sollte. Wörtlich sagte er: "Wir müssen überlegen, ob wir nicht noch einen absoluten Topspieler im Mittelfeld brauchen." Würde es Sie überraschen, wenn die Medienberichte stimmen und sich die Bayern um Bilbaos Javi Martinez bemühen?

Gerhard Poschner: Nein. Es gehört zu den Hausaufgaben eines jeden großen Vereins, die besten Spieler weltweit zu beobachten.

Gerhard Poschner war in Spanien als Spieler und Generaldirektor tätig
Gerhard Poschner war in Spanien als Spieler und Generaldirektor tätig
© Imago

SPOX: Gehört Javi Martinez denn zu den besten Spielern weltweit?

Poschner: Keine Frage, er ist ein internationaler Topspieler. Er kann in der Innenverteidigung und im Mittelfeld auf der Sechs sowie auf der Acht spielen. Er hat alle Qualitäten - und ist dabei noch sehr jung, erst 23 Jahre alt.

SPOX: Was heißt "alle Qualitäten"?

Poschner: Er hat keine Schwächen, das muss man so klar sagen. Er ist körperlich stark, kopfballstark, fußballerisch stark, bringt ein gutes Auge und eine gute Schnelligkeit mit. Und: Er besitzt als Baske einen sehr starken Charakter, was kein Nachteil sein dürfte.

SPOX: Es heißt, Basken und Deutsche seien sich ähnlich.

Poschner: Richtig, die Basken sind ebenfalls bekannt für ihre harte Arbeitermentalität.

SPOX: Die Basken gelten auch als heimatverbunden, was gegen einen Wechsel in die Bundesliga sprechen könnte.

Poschner: Generell sind Basken sehr stolz auf ihr Baskenland. Sie erinnern an die Gallier aus "Asterix und Obelix", die immer zusammenhalten und den Großen die Stirn zeigen. Daher ist es überhaupt nicht leicht, einen Basken von Bilbao wegzulocken. Athletic ist einfach ein toller Verein. Allerdings wird Athletic niemals eine große Rolle in der Champions League spielen. Wenn sich demnach jemand wie Javi Martinez international präsentieren möchte, kann ich mir gut vorstellen, dass er zu einem europäischen Top-10-Klub wechselt. Ihm traue ich ohne weiteres zu, sich relativ schnell an neue Verhältnisse zu gewöhnen.

SPOX: In dieser Saison kam Javi Martinez hauptsächlich in der Innenverteidigung zum Einsatz. Sehen Sie ihn im Abwehrzentrum oder doch im defensiven Mittelfeld stärker?

Poschner: Als Innenverteidiger kann er genauso stark spielen, daher kann man es nicht pauschalisieren. Es hängt immer von der Vorliebe des Trainers und den Alternativen im Kader ab. Ich persönlich sehe ihn am liebsten auf der Sechs, weil er fußballerisch unheimlich komplett ist. Mit ihm im Mittelfeld hätte ich als Trainer eine Garantie dafür, dass er sich offensiv am Spielaufbau beteiligt und gleichzeitig die Mannschaft defensiv gut steht.

SPOX: Klingt nach dem perfekten Partner für Bastian Schweinsteiger.

Poschner: Es wäre für Schweinsteiger ein großer Vorteil, einen Javi Martinez an der Seite zu wissen. Einerseits müsste er nicht ganz so viel nach hinten arbeiten und könnte es defensiv etwas ruhiger angehen lassen. Andererseits hätte er in der Doppel-Sechs einen kongenialen Partner, mit dem sich richtig Fußball spielen lässt und der mit seinem Offensivdrang und dem überragenden Kopfball auch als Box-to-Box-Player Gefahr ausstrahlt.

SPOX: Sie selbst zählten zu Ihrer aktiven Zeit bei Rayo Vallecano zu den prägenden Sechsern der Primera Division. 2000 wurden Sie vom Fachblatt "Don Balon" zum besten Mittelfeldspieler Spaniens gewählt. Sieht der früher so spielstarke Poschner etwas von sich in Javi Martinez?

Poschner: Da muss ich einhaken: In Deutschland hatte ich immer den Ruf eines Technikers, in Spanien hingegen wurde ich nie als spielstark bezeichnet. Vielmehr gefiel es den Leuten, dass ich so ein harter Arbeiter war. Daran sieht man, wie grundverschieden die Ansprüche in den Ländern sind. Javi Martinez ist eine Klasse für sich, genau wie Sergio Busquets. Solche Spielertypen gab und gibt es in Deutschland in der Form nicht.

SPOX: Ist Javi Martinez auf Augenhöhe mit Busquets?

Poschner: Ja - wobei man differenzieren muss. Busquets ist taktisch besser, da profitiert er von der Ausbildung in der Jugend des FC Barcelona und vom Training unter Josep Guardiola, dem besten Coach der Welt. Bei Javi Martinez liegen die Vorteile in der Physis und im Drang nach vorne. Ihm traue ich zu, je nach Position sieben, acht Tore pro Saison zu erzielen.

Teil II: Poschner über Bilbaos Verhandlungstaktik und Bojan-Gerüchte

Interview: Haruka Gruber

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