Das Millionen-Spiel des Stefan Kuntz

Von Haruka Gruber
Dienstag, 20.03.2012 | 10:08 Uhr
Der FCK-Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz wird wegen der Transfers kritisiert
© Getty
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Der historische Absturz beim 1. FC Kaiserslautern wirft Fragen auf: Nicht nur nach der Zukunft von Trainer Marco Kurz, sondern auch nach dem Wirken von Boss Stefan Kuntz. Es regt sich Widerstand.

Das 1:4 des 1. FC Kaiserslautern gegen Schalke 04 verfolgte Olaf Marschall im 8000 Kilometer Luftlinie entfernten Windhoek. Die Pfälzer Legende reiste mit der von Lutz Pfannenstiel gegründeten Charity-Organisation "Global United FC" für den guten Zweck nach Namibia, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen.

Doch auch auf der anderen Seite des Globus erreichte ihn die Kunde vom erneuten Rückschlag seines Ex-Teams: "Die Truppe ist nicht stabil und erfahren genug. Hier und da ist ein gutes Spiel dabei, aber auf Dauer reicht es nicht", sagt Marschall gegenüber SPOX.

Nach dem 16. sieglosen Spiel in Folge, dem Einstellen des historischen Negativrekords von 1967/68 und angesichts eines Rückstands von fünf Punkten auf den Relegationsplatz bedarf es eines Wunders, um den dritten Abstieg nach 1996 und 2006 abzuwenden. Ein Grundübel des Tabellenletzten ist die bei weitem schwächste Offensive der Bundesliga mit 17 Toren. Hertha, dem zweitschwächsten Sturm, gelangen immerhin 26 Treffer.

FCK nach der Schalke-Pleite

Marschall: Torwart-Wechsel richtig

Zu erklären sei dies mit der Verunsicherung, die der unter Kritik stehende Trainer Marco Kurz ausstrahlen würde, so Marschall: "In der letzten Saison machte er einen guten Eindruck, aber jetzt scheint er den Faden verloren zu haben. Es sieht so aus, als ob er immer noch herumprobiert, wie welcher Spieler wann auf welcher Position am besten funktioniert. Als ob er selbst an seinen Entscheidungen zweifelt - und das überträgt sich auf die Mannschaft."

Marschall unterstützt allerdings Kurz' Entscheidung, Tobias Sippel erneut zur Nummer eins zu machen und den schwächelnden Kevin Trapp auf die Bank zu setzen: "Kevin wird seinen Weg gehen, davon bin ich überzeugt", sagt Marschall. "Er war dennoch verletzt und hatte davor seine Souveränität verloren. Daher sollte nicht wieder unnötig etwas verändert werden."

Zumal Sippel als Typ eher geeignet für den Abstiegskampf sein könnte: "Kevin ist sachlicher und ruhiger, was in guten Phasen vielleicht vorzuziehen ist. Doch wenn es um das nackte Überleben geht, braucht man einen, der mit Emotionen vorangeht. Tobi kann von hinten seine Mitspieler wecken."

FCK geht finanzielles Risiko

Vielmehr seien die Probleme der Lauterer grundsätzlicher Natur. "Es fehlt die Qualität", sagt Marschall, und macht zwei entscheidende Fehler des Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz aus: Der Kader ist zu jung und vor allem ist er zu teuer zusammengesetzt. "Zwar wurden mit dem Ilicevic-Verkauf vier Millionen Euro eingenommen, dennoch wurde zu viel Geld für die falschen Spieler bezahlt. Die anderen Vereine unten drin hatten lange nicht so viele Mittel zur Verfügung", sagt der 46-Jährige.

Die direkt davor platzierten Augsburg (1,2 Millionen Euro), SC Freiburg (3,5) und Hertha BSC (1,4) investierten zusammengerechnet im Sommer- und Wintertransferfenster weniger für Transfers als Kaiserslautern (6,3) alleine.

Dass die Pfälzer überhaupt so viel ausgaben, kam zuletzt vor über zehn Jahren in der Saison 2001/2002 vor. Der entscheidende Unterschied: Damals gehörte Kaiserslautern zu den Topvereinen Deutschlands, nahm zum dritten Mal in Folge am Europapokal teil und stand in der Saison zuvor im Halbfinale des UEFA-Cups.

Tobias Sippel unterstützt Trainer Kurz

Teure Israelis, teure Polen

Als verhängnisvoll könnte sich erweisen, dass sich der Hauptanteil der Ausgaben in dieser Saison auf vier Spieler konzentriert: Die beiden Israelis Itay Shechter (2,5 Millionen Euro) und Gil Vermouth (750.000) sowie die beiden Polen Ariel Borysiuk (2,0) und Jakub Swierczok (420.000).

Während die Israelis durchweg enttäuschen, Shechter wartet seit Oktober auf ein Bundesliga-Tor und Vermouth wurde nach De Graafschap ausgeliehen, sind bei den Polen zumindest vielversprechende Ansätze zu erkennen.

Nur: "Swierczok ist 19 und kam aus der zweiten polnischen Liga in die Bundesliga. Dass er aus allen Wolken fällt, ist klar. Und Borysiuk ist auch erst 20 und weiß nicht, was Abstiegskampf bedeutet. Für das Geld, das Borysiuk gekostet hat, hätte man einen gestandenen Sechser aus der 2. Liga kaufen sollen", sagt Marschall.

Das Seltsame am Lautern-Etat

Ohnehin sind Transfers und das generelle Verwalten des Budgets ein diffiziles Thema. Derzeit wird nur über die Zukunft von Trainer Kurz spekuliert, doch alsbald könnte auch Kuntz, die maßgebliche Kraft des Klubs, verstärkt in den Fokus rücken.

Mittlerweile ist es ein wiederkehrender Reflex bei Kuntz, in die Öffentlichkeit zu gehen und über die strukturellen Nachteile seines Vereins und das angeblich so niedrige Personaletat zu sprechen, mit dem er wirtschaften müsse. Zuletzt unterschieden sich allerdings die nach außen kommunizierten Ausgaben von denen, die letztlich aufgrund von Transfers und erhöhten Personalkosten unter dem Strich standen.

In dieser Saison hatte Kuntz nach eigenen Angaben nur rund 15 Millionen Euro zur Verfügung. Wie viele Millionen es letztlich sind, beziehungsweise ob und wie viele Verbindlichkeiten Kaierslautern aufgebaut hat, bleibt unklar.

Aufsichtsratsboss kritisiert

So hat sich Kuntz selbst in eine angespannte Situation manövriert - und entsprechend könnte die Unterstützung im Verein anfangen zu erodieren. So stellte Aufsichtsratsboss Dieter Rombach klar, dass aus seiner Sicht die Schuld für die Misere nicht an Kurz festzumachen ist.

"Ich persönlich bin der Auffassung, dass es nicht am Trainer, sondern an der Qualität der Mannschaft liegt", sagt Rombach. "Wir haben einfach zu viele Schwachstellen." Für die Zusammenstellung der Mannschaft zeichnet Kuntz verantwortlich.

Das komplette Legenden-Interview mit Olaf Marschall und eine Reportage über die Global-United-Reise nach Namibia gibt es in den nächsten Tagen auf SPOX.com zu lesen.

Der 1. FC Kaiserslautern im Steckbrief

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