Mainz 05 in der Taktikanalyse

So spielt der Tabellenführer

Von Daniel Börlein
Donnerstag, 14.10.2010 | 09:20 Uhr
Thomas Tuchel (l.) ist der Vater des Mainzer Erfolgs um Polanski, Holtby und Schürrle (v.l.)
© spox
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Nach sieben Spieltagen steht Mainz 05 ohne Punktverlust an der Tabellenspitze. Für jede Partie bastelt sich Coach Thomas Tuchel eine neue Taktik zurecht. SPOX hat die beiden letzten Coups in München und gegen Hoffenheim analysiert. Mit dabei: ein Pressing der anderen Art, das Ignorieren von Vorsätzen und Lewis Holtby zwischen den Linien.

Sieben Siege in den ersten sieben Spielen - besser als Mainz 05 ist in 47 Jahren Bundesliga noch kein Klub gestartet. Die Folge: Das Team von Trainer Thomas Tuchel rangiert souverän an der Tabellenspitze.

Ob Mainz auch bis zum Ende oben mitspielen kann, sei dahin gestellt. Fest steht: Der Höhenflug ist alles andere als Zufall. Die Siege bei Spitzenteams wie Wolfsburg, Bremen, Bayern München oder zuhause gegen Hoffenheim waren verdient - in ihrer Entstehung allerdings allesamt völlig unterschiedlich.

Bestimmte Muster oder wiederkehrende Verhaltungsweisen sind ebenso wenig das Erfolgsgeheimnis des Mainzer Erfolges wie ein typisches Schema, nach dem die Tuchel-Elf agiert.

Für jedes Spiel eine andere Idee

Stattdessen sind Wandelbarkeit, Flexibilität und Facettenreichtum Schlüsselwörter auf der Suche nach dem Mainzer Geheimnis. Zu jedem Gegner kreiert Tuchel eine Spiel-Idee, die aus seiner Sicht für die jeweilige Partie den größtmöglichen Erfolg in Aussicht stellt.

Heißt: Die Mannschaft samt Taktik, die in einem Auswärtsspiel beim FC Bayern für drei Punkte gesorgt hat, muss nicht automatisch auch eine Partie später für ein Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim die geeignete Konstellation sein.

SPOX hat die Spiele in München und gegen Hoffenheim, die nur eine Woche auseinander lagen, analysiert und erklärt die unterschiedlichen Wege zum Erfolg.

Bayern München - Mainz 05

Tuchel setzte in München zu Beginn auf ein 4-3-1-2-System mit den drei Sechsern Karhan, Polanski und Caligiuri sowie Holtby als zentralen offensiven Mittelfeldspieler. Der Plan: Ein kompaktes Zentrum sollte die Spielkontrolle der Bayern durch die Mitte verhindern und eine aggressive Vorwärtsverteidigung lange Ballbesitzzeiten in der Schaltzentrale der Münchner unterbinden.

Pressing der anderen Art

Eher ungewöhnlich für eine Mannschaft, die beim FC Bayern antritt, hielt Tuchel sein Team an, den Gegner von Beginn an extrem früh unter Druck zu setzen. Seinen beiden Angreifern Szalai und Allagui hatte der Mainzer Coach eine Spezialaufgabe mitgegeben: Innenverteidiger-Pressing (siehe Bild 1 bis 3, 6 und 7)

Anders als beim Forechecking oder "normalen" Pressing sollte das Mainzer Sturmduo im Spielaufbau der Bayern nicht intensiv gegen den Ball arbeiten, sondern nahezu ausschließlich die beiden Münchner Innenverteidiger van Buyten und Badstuber attackieren und sie im Idealfall nur durch Laufwege aus dem Spiel nehmen.

Der Grund: Tuchel wollte den geordneten Aufbau der Bayern aus und durch die Spielfeldmitte verhindern und vermeiden, dass Schweinsteiger und van Bommel den einfachen Ball in den Fuß bekommen und dann das Spielfeld vor sich haben.

Das Ziel: Die Bayern sollten möglichst zu einem langen Ball aus der eigenen Hälfte gezwungen werden, der für die Münchner Offensivabteilung deutlich schwerer zu verarbeiten und für Mainz schon allein durch die zahlenmäßige Überlegenheit (sieben defensiv denkende Mainzer gegen vier offensiv denkende Bayern) leichter zu verteidigen ist. (siehe Bild 4, 5, 8)

Hatten Butt, Badstuber und van Buyten im Spielaufbau dann doch mal etwas Luft, war das Ziel der Mainzer, den Pass nach außen zu erzwingen, um die Bayern in einem kleineren und damit leichter zu kontrollierenden Raum nahe der Außenlinie einzuschnüren und dem jeweiligen Bayern-Spieler nur die Möglichkeit des riskanten Passes ins Zentrum, des uneffektiven Rückspiels oder des leicht zu verteidigenden Balles die Linie entlang zu geben. (siehe Bild 10 bis 14)

In München: defensive und offensive Besonderheiten

Gegen 1899: Holtby zwischen den Linien

Gegen 1899: Präsenz im Zentrum und Druck in die Tiefe

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